Das Leben hält einen Strauß an Möglichkeiten bereit

Ajmal macht bei seinem Praktikum in Sonja Bavelaars Blumenladen wichtige Erfahrungen, die über das Binden von Sträußen weit hinausgehen.
Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zeigen ihr Engagement und ihr Können in unterschiedlichsten Berufen. Sie erhalten dafür Lob, ein sehr gutes Zeugnis und beste Aussichten auf ein selbstbestimmtes Leben in Deutschland.

Dinkelscherben – Die Kolping Akademie unterhält seit Herbst 2015 eine Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Landschulheim in Dinkelscherben. Einige Monate, bevor das Jugendhaus wieder den bayerischen Schülern für ihre Klassenfahrten überlassen wird, zieht die Kolping Akademie eine positive Bilanz: Die jungen Flüchtlinge wurden auf ein selbständiges Leben vorbereitet und konnten bei einem Praktikum in verschiedene Berufe hineinschnuppern.

An einem Märzvormittag bereitet Ajmal, ein Jugendlicher aus Afghanistan, seinen Arbeitstag vor. Er stellt die Stühle mit den Ausstellungsstücken nach draußen vor den Blumenladen. Er lädt die neu eingetroffene Ware von den Paletten ab, arrangiert sie in den Verkaufsregalen.

Ajmal ist einer der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge (UMF), die im Rahmen des UMF-Projektes der Kolping Akademie seit September 2015 im Jugendhaus Reischenau in Dinkelscherben leben. Dort wohnen aktuell 19 Jugendliche aus Afghanistan, Eritrea, Somalia und Syrien. Die Kolping Akademie betreut an weitere Standorten neun UMF-Wohngruppen; die Jugendlichen aus Dinkelscherben werden ab Sommer in einer neuen Unterkunft in Augsburg weiterbetreut. Das interdisziplinäre Team der Kolping Akademie gibt den jungen Flüchtlingen ein sicheres Zuhause mit dem Ziel, sie zur Selbstständigkeit zu bringen, um später ihre Zukunft in Deutschland meistern zu können. Sie erhalten von den Lehrerinnen und Lehrern Deutschunterricht, werden von den Hauswirtschafterinnen bei Haushaltserledigungen unterstützt und gestalten mit den Betreuern ihren Alltag.

Zum Alltag gehört auch das Kennenlernen verschiedener Berufe. Über das Projekt „Junge Flüchtlinge werden Azubis“ gab die Kolping Akademie den jungen Menschen aus anderen Ländern die Möglichkeit, durch Praktika unsere Berufs- und Arbeitswelt kennenzulernen. Ajmal machte ein Praktikum in einem Blumenladen in Dinkelscherben. Weitere Jugendliche waren in den Bereichen Lebensmittelverkauf, Altenpflege, Bäckerei tätig. Es wurden erste Kontakte zu Betrieben hergestellt, um damit den späteren Zugang zu Ausbildungsstellen zu erleichtern.

Durch die Teilnahme an diesem Projekt erlernten die Jugendlichen wichtige Tugenden des Arbeitslebens: Sie gingen pünktlich zu ihrem Arbeitsort und waren mit Freude und Fleiß bei ihrem Schaffen. Zusätzlich sammelten die Jugendlichen Erfahrungen über die Art der Kommunikation mit Arbeitgebern. Die Persönlichkeit der jungen Menschen wurde gestärkt, sie konnten über sich selbst erfahren, was ihnen gefällt, und ihre Interessen ausbilden. Durch das eigene Tun und Schaffen einer Arbeit hatten die Flüchtlinge die Chance, ihre Fähigkeiten zu erkennen und stolz auf ihre Leistung zu sein. Mit dieser Freude und der erlangten Selbstständigkeit tauschten sich die Jugendlichen im Jugendhaus nach dem gelungenen Arbeitstag untereinander aus.

Sonja Bavelaar, die Inhaberin des Blumenladens, in dem Ajmal arbeitete, berichtet von einem überaus positiven Eindruck des Flüchtlings. „Ein Top-Beispiel für einen Migranten. Ich arbeite sehr gerne mit ihm zusammen, und es macht mir Spaß, den jungen Flüchtling anzusehen, wie er hilfsbereit und engagiert Blumensträuße zusammenstellt.“

Auch das Team der Kolping Akademie ist begeistert von den freundlichen unbegleiteten Minderjährigen. „Wir geben den Flüchtlingen eine feste Alltagsstruktur mit Angeboten von Deutschunterricht und Freizeit. Sie besitzen einen großen Willen, die Sprache zu lernen, und zeigen dabei ihre Wissbegier.“ Auch bei sportlichen Aktivitäten wie Fußball stellen sie ihre Fähigkeiten unter Beweis. Der örtliche Fußballtrainer fragte bereits nach, ob noch weitere Talente ins regelmäßige Training kommen wollen.

So verläuft bei der Kolping Akademie und ihren Projekten Integration und Förderung junger Menschen Hand in Hand. Das Leben hält für die Jugendlichen einen Strauß an Möglichkeiten bereit. Dank der guten Betreuung und Vorbereitung können die jungen Flüchtlinge sich die passenden „Blumen“ aussuchen und einer guten Zukunft in Deutschland zuversichtlich entgegenblicken.

Ajmal verabschiedete sich am Ende des Praktikums von Sonja Bavelaar. Diesmal erhielt er einen Blumenstrauß mit den Worten: „Du kannst gerne ein nächstes Mal wieder bei uns ein Praktikum ablegen. Du bist herzlich willkommen.“
1
Einem Mitglied gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.