100 Jahre Stettenbund am Stetten-Institut – Rückschau und Vision für die Zukunft

Foto: Angelika Lonnemann
 
Foto: Angelika Lonnemann
Augsburg: Stetten-Institut | Aus ganz Deutschland kamen Frauen am vergangenen Wochenende nach Augsburg, um 100 Jahre Stettenbund zu feiern. Der Stettenbund ist ein gemeinnütziger Verein ehemaliger Stettenschülerinnen, der die Schule ideell und finanziell unterstützt. Dessen erste Vorsitzende Ulrike Brock, begrüßte rund ehemalige Schülerinnen unter anderem aus Kiel, Nürnberg und Bremen. Die heutigen Schülerinnen des Stetten rahmten den Festakt würdig – zunächst der Unterstufenchor mit einem heiteren Gockel-Rag, später dann der Große Chor mit einem Medley der bekanntesten West-Side-Story-Melodien und schließlich das Orchester mit dem ersten Satz aus Dvoraks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“.
Brock gab einen kurzen Abriss über die Geschichte des Stettenbundes. Mitten im ersten Weltkrieg beschlossen ehemalige Schülerinnen gemeinsam mit Rektor Raimund Lembert, den Stettenbund zu gründen als einen „innerlichen Zusammenschluss mit dem Geist des Hauses“. Ziel war sowohl die Förderung der Mitglieder als auch das „Wohl und Wachstum der Schule“. Der Stettenbund organisierte Besuchsdienste für kranke Kinder, Besorgungen für Alte und Behinderte oder auch Lesedienste bei Kriegsblinden. Arme Mitglieder wurden mit Geld oder Essen versorgt. Für die Schule wurden Sachspenden organisiert, zum Beispiel im Jahr 1928 ein Lichtbildapparat für 900 Reichsmark. „Um die Summe einordnen zu können: das durchschnittliche Jahreseinkommen lag bei 1.500 Reichsmark“, berichtete Ulrike Brock.
Heute dient der Stettenbund dem Netzwerken der ehemaligen Schülerinnen und der Förderung der Schule. So wurden in den letzten Jahren mehrere Flügel, Musikinstrumente oder die Ausstattung von Werkräumen finanziert. Das Netzwerken solle in den nächsten Jahren noch weiter ausgebaut werden, wünscht sich Ulrike Brock. „Wir haben unglaublich tolle Frauen unter unseren Ehemaligen, Professorinnen, Künstlerinnen, Managerinnen – verteilt auf allen Kontinenten der Erde! Es wäre doch spannend, diese Fähigkeiten zu bündeln und den heutigen Schülerinnen zur Verfügung zu stellen. Das ist meine Zukunftsvision!“
Schulleiterin Barbara Kummer skizzierte das Stetten des 21. Jahrhunderts. „Unsere Schule bietet einen beständigen, sicheren Ort zum Lernen und zum Leben und erreicht gleichzeitig ein hohes akademisches Niveau in allen Bereichen“, so Kummer. Neue Pädagogische Konzepte, das weitläufige Schulgelände mit seinen besonderen Lernorten, die Modernisierung mit digitaler Ausstattung – das seien die Aufgabenfelder des Kollegiums heute. Dass dabei auch die sozialen Belange nicht zu kurz kämen, zeige etwa, dass rund ein Drittel der eingenommenen Gelder beim Sponsorenlauf im Sommer 2015 an Flüchtlingskinder im Evangelischen Waisenhaus gespendet wurde. „Nach dem jetzigen Stand werden wir im Herbst sieben fünfte Klassen aufmachen, ich freue mich, dass das Stettensche Institut auch heute eine gefragte Schule ist“.
Unter den vielen Besucherinnen des Festaktes war auch Ruth Ahl. Sie stammt aus Reinhartshausen , hat 1946, vor genau 70 Jahren, Abitur am Stetten-Institut gemacht und sie ist der Schule bis heute dankbar, dass sie hier nach den schlimmen Kriegsjahren Unterstützung fand und ihr Abitur machen durfte. Sie wohnte zur Untermiete bei einer Lehrerin. „Abends saß am einen Ende die Familie am Küchentisch um zu essen, die Hauswirtschafterin wuselte herum und ich saß am anderen Ende und lernte. Ich erinnere mich sehr gern an meine Zeit am Stetten zurück“. Ihre Mutter hatte dafür gesorgt, dass die Schülerin während der Kriegsjahre in Kempten im Internat war und nicht in Augsburg, wo viel mehr Bomben fielen. „Ich freue mich, heute hier dabei zu sein und an den lebendigen Darbietungen der Schülerinnen“, so die Buchautorin und ehemalige Publizistin, die extra für die Feier aus Bonn angereist kam.
Eine Führung durch das Stetten-Institut inklusive kurzer Einblicke in die Geschirr- und Wäscheschränke der Gründerin Anna Barbara von Stetten rundete das Jubiläumsfest ab. Im Barbarasaal wurden Jahresberichte des Stettenbundes und der Schule ausgestellt, in denen die ehemaligen Schülerinnen blättern konnten.
Das Stetten-Institut besteht aus einem Gymnasium mit sprachlicher und naturwissenschaftlich-technologischer Ausrichtung und einer Realschule unter einem Dach (Realschulzweige: Wirtschaft, Französisch, Kunst und Soziales). Die Schulen sind staatlich anerkannt und befinden sich in evangelisch-lutherischer Trägerschaft, verstehen sich aber ausdrücklich als offen für Schülerinnen aller Religionszugehörigkeiten. In Tradition ihrer Gründerin Anna Barbara von Stetten werden ausschließlich weibliche Schülerinnen aufgenommen. Heute besuchen rund 1.200 Mädchen und junge Frauen die beiden Schulen, die auf einem weitläufigen Grundstück in der Augsburger Innenstadt liegen. In verschiedenen Projekten können Mädchen an den beiden Schulen forschen, musizieren, debattieren oder Theater spielen.
1
1
Einem Mitglied gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.