Über 500 weitere Zingel in Untere Iller eingebracht - engagierte Kooperation in Sachen Artenvielfalt geht weiter

Augsburg: Iller | Augsburg (pm). Auf die Erhaltung der Biodiversität (Artenvielfalt) wird weltweit großes Augenmerk gerichtet. Dennoch sind viele bedrohte Arten völlig unbekannt und ihr Aussterben vollzieht sich im Verborgenen. Dies trifft besonders für die heimischen Fischarten zu. Wer kennt schon den Fisch „Zingel“, der den wissenschaftlichen Namen Zingel zingel (Linnaeus) trägt? Er lebte bis vor etwa 50 Jahren noch in Schwäbischen Gewässern wie Donau, Lech, Wörnitz und unterer Iller. Mit dem Streber und dem Schrätzer zählt der Zingel zu den Donaubarscharten, die weltweit ausschließlich im Flusseinzugsgebiet der Donau vorkommen.

Vor einem Jahr wurde mit dem Wiederbesiedelungsvorhaben in Kooperation des Schwäbischen Fischereihofs in Salgen (Bezirk Schwaben) mit dem bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) und der Fischereigenossenschaft Untere Iller begonnen. Dieses Jahr konnten erneut Zingel in der Dienststelle Wielenbach des LfU vermehrt werden. Etwa 540 Fische wurden nun in die Iller besetzt. „Von den im letzten Jahr eingebrachten Zingeln haben wir bislang noch keine Nachweise“, sagt der Fischereifachberater des Bezirks Schwaben, Dr. Oliver Born. „Angesichts der Größe der Iller und der Zahl der eingebrachten Zingel ist dies jedoch nicht verwunderlich.“ Es wird angestrebt, das Projekt über eine Dauer von mindestens drei Jahren fortzuführen. Die Untersuchungen des LfU und der Fischereifachberatung werden in den nächsten Jahren zeigen, ob die Wiederansiedlung erfolgreich verlief.

Mit dem Vorhaben wollen die Fischereifachberatung des Bezirks Schwaben und das LfU gemeinsam mit der Fischereigenossenschaft Untere Iller einen weiteren Schritt in Richtung Erhaltung und Förderung der Artenvielfalt in schwäbischen Gewässern machen. „Wir hoffen auf die Eigenvermehrung der Zingel in den nächsten Jahren. Mit ein wenig Glück können wir eine neue Population etablieren, die von der unteren Iller aus auch andere Bereiche besiedeln wird. Dank der hervorragenden Zusammenarbeit mit der LfU-Dienststelle in Wielenbach können wir nun zum zweiten Mal einen Initialbesatz in die Iller einbringen“, erklärt der Fischereifachberater des Bezirks Schwaben Dr. Oliver Born. Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert ist erfreut über diese Kooperation: „Das ist eine ausgezeichnete Vernetzung in Fragen des Gewässerschutzes und der Artenvielfalt“, so Reichert.

Mit der erfolgreichen Vermehrung von Zingeln in der Wielenbacher Teichanlage leistet das LfU einen maßgeblichen Beitrag für das Wiederansiedelungsvorhaben. Dr. Christoph Mayr, Leiter des Referates Fisch- und Gewässerökologie am LfU: „Für die Nachzucht bedrohter Fischarten verfügt das LfU in Wielenbach über hervorragende Bedingungen. Dazu zählt vor allem auch das fundierte Know-how unserer Fischwirtschaftsmeister. Nur so ist die anspruchsvolle Vermehrung der Donaubarsche möglich. Dass es auch heuer wieder gelungen ist, eine große Anzahl gesunder und robuster Zingel für das Wiederansiedlungsvorhaben in der Unteren Iller zu züchten, freut uns sehr.“

Die ausgewählte Besatzstelle eignet sich besonders, weil nach der Umsetzung der Renaturierung der Iller bei Vöhringen durch das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth sehr naturnahe und ursprüngliche Strukturen im Fluss geschaffen worden sind. Wolfgang Höß, 1. Vorsitzender der Fischereigenossenschaft Untere Iller, gibt der Wiederansiedelung des Zingels deshalb gute Chancen: „Durch die Strukturverbesserungen in der Iller wurden wieder Lebensräume geschaffen, die auch den anspruchsvollen Fischarten eine echte Überlebensmöglichkeit bieten. Die anschließenden Flussbereiche sollen ebenso renaturiert werden. So erhöhen sich die Chancen unseres Artenhilfsprogramms deutlich“.
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