Saatguttauschfest auf der City Farm Augsburg

Die letzten Vorbereitungen vor dem Saatguttauschfest werden getroffen
 
Ein selbst gezimmerter Geräteschuppen

Altes erhalten und Neues kennenlernen

Wenn man die City Farm das erste Mal betritt, bekommt man den Eindruck, man sei im Aussteigerparadies gelandet. Kinder springen mit Gummistiefeln im Matsch herum und freuen sich, dass sie die Tiere, die teilweise frei herumlaufen dürfen, streicheln und anfassen können. Die Geschichte von der lila Kuh kann man hier keinem erzählen. Jeder City-Farmer ist am Werkeln, um den Besuchern des Saatguttauschfestes einen schönen Empfang zu bereiten.

„Die alte Sorten sollen nicht verloren gehen und es ist ganz klar auch ein Protest gegen die Saatgutindustrie, das gebe ich offen zu“, so beschreibt Ildikó Reményi-Vogt, Besitzerin und Chefin der City Farm – sie selbst würde sich jedoch nie als solche bezeichnen - den Gedanken hinter dem Saatguttauschfest. Dabei können Besucher ihr eigenes Saatgut mitbringen und es mit anderen Interessierten tauschen oder gegen eine kleine Spende Pflanzensamen erstehen. Doch die City Farmer veranstalten an diesem Tag nicht nur ein Tauschfest, sondern lassen es dank heißer Getränke, Stockbrot und gegrillten Würstchen zu einem richtigen Gartenfest werden.

Wir hatten beide den Wunsch etwas zu ändern

Seit 2012 gibt es die City Farm. Benjamin Vogt und Ildikó Reményi-Vogt – Hauptschullehrer für Biologie, Mathematik, Geschichte und Sport und studierte Geografin – wollten sich nach ihrem Studium nicht in das Korsett einer klassischen Wirtschaftsform einfügen und suchten deshalb nach Alternativen, ihre Überzeugung von biologischer Vielfalt, Nachhaltigkeit sowie Natur- und Umweltbildung umzusetzen. Diese fanden sie in der City Farm. Ihre Überzeugungen spiegeln sich auch im Konzept wieder. Die Farm ist eine grüne Oase, in die man sich zurückziehen kann, um der Stadthektik zu entfliehen. Sie ist ein Ort der Begegnung und der Vielfalt. Kinder lernen hautnah den Ursprung und die Entwicklung von Lebensmitteln kennen- und schätzen. Nachhaltige Lebensmodelle werden wieder mehr in den Vordergrund gerückt und gestärkt.

Was einem bei der Ankunft sofort auffällt, ist nicht nur die Vielzahl an Pflanzen, die von den City Farmern gehegt und gepflegt werden, sondern auch die Vielzahl unterschiedlicher Menschen. Vom Studenten, über die junge Familie, bis hin zum Rentner ist jedes Alter und jede Gesellschaftsschicht vertreten und willkommen. „Hier wird Integration gelebt. Es ist egal woher man kommt, Hauptsache man bringt Begeisterung und Motivation mit“, sagt Ildikó. Und das tun die City Farmer. Alle verbindet das Gefühl, etwas erhalten zu wollen. Dabei geht es nicht nur um alte Pflanzensorten, sondern auch um kulturelle Traditionen wie Spinnen oder Schmieden. „Es ist eine Lebenseinstellung, die einen dazu bewegt, hier mitzumachen. Man möchte mit einer Aufgabe von Null beginnen und sehen wie es sich entwickelt“, erzählt Inge Sahm, gelegentliche City Farmerin.

Eine besondere Begegnung

Als die Frage aufkommt, welche besonderen Begegnungen es auf der City Farm schon gab, erwidert Ildikó, dass jede Begegnung mit einer Person besonders sei, da alle Menschen einzigartig sind. Doch eine besondere Begegnung kommt ihr nach langem Überlegen doch noch in den Sinn. „Eines Tages brachte uns eine ältere Frau Forellenbohnen vorbei und vertraute uns sprichwörtlich die letzte Hand ihrer Bohnen an. Aus Altersgründen konnte sie nicht mehr gärtnern. Jedoch war es eine familiäre Tradition, diese Bohnen anzupflanzen. Leider hatte sie niemanden, der diese Tradition fortführen konnte. Seitdem pflanzen wir jedes Jahr andächtig ihre Forellenbohnen an.“

Eine kleine Parallelgesellschaft in der großen Stadt

Wo jetzt Kinder spielen, Hennen gackern und Erwachsene gärtnern, war vor ein paar Monaten nur hohes Gras. Die City Farmer haben in harter Eigenarbeit Hütten errichtet, Zäune gezogen und Gemüse gepflanzt und sich so ihr eigenes kleines Paradies fernab des Großstadtdschungels geschaffen. Miriam Elia, seit drei Jahren City Farmerin, hat den Umzug hautnah miterlebt und erzählt, dass es auf der Farm keine Besitztümer gibt, sondern jedem alles gehört und es keine feste Aufgabenteilung gibt, vielmehr bringt sich jeder dort ein, wo er seine persönlichen Fähigkeiten gut einsetzen kann. „Es sind offene, flexible Menschen, die sich für die City Farm interessieren. Wir sitzen oft auch nur zusammen. Dabei kommt das Gespräch natürlich auf die Pflanzen und man lernt viel darüber“, erzählt sie. Man merkt schnell, dass die Farmer eine eingeschworene Gemeinschaft sind, die aber jeden Neuankömmling freundlich aufnehmen. Sie bestehen aus einem festen Kern von 15 bis 20 Personen. Darüber hinaus kommen interessierte Helfer in regelmäßigen und unregelmäßigen Abständen hinzu. Es ist ihre Leidenschaft für Alternativen, für das Traditionelle und das Unkonventionelle, das die City Farmer verbindet. Wer sich für das Konzept oder eine Mitarbeit an der Farm interessiert, kann sich auf der Homepage der City Farm unter https://cityfarmaugsburg.wordpress.com/ über die aktuellen Öffnungszeiten informieren und einfach vorbeikommen. Die Farm befindet sich im Gablinger Weg 36 in Augsburg. Am besten parkt man sein Auto auf dem nahe gelegenen McDonalds Parkplatz und geht den Rest des Weges zu Fuß, der gut ausgeschildert ist.
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.myheimat-Ratgebermagazin "Wohnoase" | Erschienen am 20.04.2016
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