Präsentation der Ergebnisse des ADFC-Fahrradklimatests im Augsburger Rathaus

Der Fahrradbeauftragte der Stadt Erlangen, Joachim Kaluza
 
Stadtrat Gerd Merkle über Augsburgs Pläne, 2020 Fahrradstadt zu werden
Am Mittwoch, den 25. Februar, wurden die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Tests aus bayerischer Perspektive im Augsburger Rathaus vorgestellt.

Nach einer Begrüßung durch den Stadtrat und Baureferenten Gerd Merkle präsentierte Thomas Böhmer, der Projektleiter des Fahrradtests, die bundesweiten Ergebnisse und lieferte interessante Hintergrundinformationen.

Der Fahrradklimatest des ADFC

Durchgeführt wird der Test vom ADFC, dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub, sowie dem Bundesverkehrsministerium. Ziel des Tests ist es, sich einen Überblick über die Radfahrbedingungen in Deutschland verschaffen zu können. Der Test besteht aus 27 Fragen zu verschiedenen Kategorien, beispielsweise „Fahrrad- und Verkehrsklima“, „Stellenwert des Radfahrens“ und „Sicherheit beim Radfahren“. So bewerten die Teilnehmer, ob in ihrer Stadt Fahrradfahren Spaß macht oder stressig ist, ob in jüngster Zeit viel für den Radverkehr getan wurde und ob man sich als Radfahrer als Verkehrsteilnehmer sicher oder gefährdet fühlt.

Begonnen habe man mit der Umfrage zum Fahrradklima bereits im Jahr 1988, damals gab es bundesweit nur 4.000 Teilnehmer. Bei der Befragung von Oktober bis November 2014 nahmen rund 103.000 Bürger teil, davon sind 16 % Mitglieder des ADFC. Für Augsburg bewerteten 407 Radler die Situation. Von den Teilnehmern des Tests, „Experten“ genannt, fahren 73 % fast täglich mit dem Fahrrad.

Die deutschen Spitzenreiter

Die bayerischen Städte Ingolstadt und Erlangen wurden bundesweit mit am besten von den Radlern bewertet. Ebenso gute Noten bekamen unter anderem Städte in Nordrhein-Westfalen und dem Münsterland. Laut Böhmer lässt sich dies mit der geographischen Nähe zur der Fahrradnation Niederlande erklären, dort herrsche ein ganz anderes Klima für Fahrradfahrer als in Deutschland.

Verbesserungsbedarf auf Bayerns Straßen

Armin Falkenhein, Landesvorsitzender des ADFC Bayern, bewertete die Ergebnisse aus bayerischer Sicht. Sein Fazit: „Wir sind in Bayern auf einem guten Weg, aber das Potential ist noch nicht ausgeschöpft.“ Verbesserungsbedarf sieht er vor allem im Bereich der Verkehrssicherheit, denn die Testergebnisse ergaben, dass viele Radfahrer sich im Stadtverkehr nicht sicher fühlen. Vielerorts seien die Radwege zu schmal, anstatt der empfohlenen Regelwegbreiten von zwei Metern hätten viele Wege nur 80 Zentimeter Breite. Auch würden Radwege oftmals auf Kosten der Fußgänger angelegt. Was es brauche, sei eine Diskussion zur sinnvollen Straßenraumumverteilung in den Städten.

Ein Bürgermeister auf dem Rad

Um das Fahrradklima weiter zu verbessern, benötige man aus Sicht des ADFC Bayern zunächst einmal ambitionierte Stadtverwaltungen, die eine Veränderung bewirken möchten: „Ein Bürgermeister auf dem Fahrrad bewegt schon sehr viel“. Nötig seien auch Geldmittel für Informationskampagnen und Investitionen in die Infrastruktur, beispielsweise für Radwege entlang der Staatsstraßen.

Joachim Kaluza, Fahrradbeauftragter der Stadt Erlangen, informierte über die Aufgaben der AGFK, der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern. Die AGFK sei zunächst einmal eine „politische Gemeinschaft von Radverkehrsförderern“, die nicht primär das Himmelreich für Radler forderte. Ihre Aufgabe läge stattdessen vorrangig darin, Kommunen zu finden, die sich für den Radverkehr engagieren möchten.

Eine Affinität zum Rad in Erlangen

Dass Erlangen in der Stadtgrößengruppe von 100.000 bis 200.000 Einwohnern im Fahrradklimatest mit einer Gesamtbewertung von 3,28 den ersten Platz belegte, ist für Kaluza nicht verwunderlich. Dort würde das Radfahren schon seit 1972 konstant gefördert, seitdem entwickelte sich eine „Radkultur“: „Alle fahren hier Rad.“ Tatsächlich liegt der Radverkehrsanteil in Erlangen mit 33% weit über dem Durchschnitt von 15-18% der meisten deutschen Städte.

Augsburg, Fahrradstadt 2020

Als Vertreter des Stadt Augsburg stellte Stadtrat und Baureferent Gerd Merkle die Maßnahmen und Ziele Augsburgs zur „Fahrradstadt 2020“ vor. Um Fahrradstadt zu werden, muss der Anteil des Augsburger Radverkehrs in fünf Jahren auf 25% gesteigert werden, ein ambitioniertes Projekt, lag der Anteil des Radverkehrs 2011 noch bei etwa 15%. Wichtig ist laut Merkle vor allem, das Thema Radfahren und Fahrradstadt im öffentlichen Diskurs zu halten, sei es durch Informationsveranstaltungen, Workshops oder auch durch die beiden Fahrradpolizisten, welche die Augsburger Bürger durch die Innenstadt radeln sehen können.

Augsburg gewann im Fahrradklimatest 2014 den 2. Platz in der Kategorie „Aufholer“ und hatte sich seit dem letzten Test im Jahr 2012 von der Gesamtnote 4,28 auf 3,95 verbessert. Das sei zwar Grund zur Freude, aber, so Merkle, „wir wollen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen“.
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Basti S. aus Aystetten | 26.02.2015 | 14:18  
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