Unterschiede und Gemeinsamkeiten entdecken - Waldorfschule hatte Besuch aus Marokko

  Augsburg: Freie Waldorfschule Augsburg | Hammerschmiede. Elf Tage lang waren 15 Schüler und vier Lehrer aus dem marokkanischen Had Kourt an der Freien Waldorfschule Augsburg zu Gast. Seit 2008 gibt es das interkulturelle Austauschprojekt zwischen dem Lycée Farabi und der Waldorfschule, inzwischen gab es sechs gegenseitige Besuche, die neben Besichtigungen und Ausflügen immer auch aus gemeinsamen Arbeitseinsätzen bestehen. Dieses Mal wurde ein Fahrrad-Unterstand vor der Waldorfschule gebaut, dafür wurden Löcher ausgebaggert, Betonringe gesetzt und Pfosten betoniert, wobei französische, arabische und deutsche Ausrufe über den Schulhof flogen. Parallel zur handwerklichen Arbeit gab es im Wechsel Trommel-, Akrobatik- und Strickkurse sowie ein Kommunikationstraining mit der Münchner GfK-Trainerin Rita Klemmayer. „Es war wichtig, sich darüber auszutauschen, wie wir uns in Wahrnehmung und Verhalten unterscheiden“, berichtet Isabella Geier, Lehrerin für Geschichte und Französisch und Initiatorin des Projekts, „so wird es in Marokko vermieden, sich zu äußern, wenn jemandem etwas nicht gefällt. Dafür ist es dort aber wiederum nicht üblich, sich in ähnlicher Häufigkeit wie bei uns zu bedanken – „Danke“ ist dort eine kostbare, nur selten benutzte Äußerung“. Ein größeres gegenseitiges Verständnis ist nur durch die reale menschliche Begegnung möglich, davon ist Isabella Geier überzeugt.
Das Programm, das die Besucher in Augsburg absolvierten war lang und vielseitig. Bildungsreferent Hermann Köhler begrüßte die Marokkaner im Rathaus. Gemeinsam mit den deutschen Gastgebern besichtigten sie den Dom, wo sich ein intensives Gespräch über Religion entwickelte. Bei einem Besuch einer Moschee in der Linken Brandstraße in Lechhausen wurden alle herzlich empfangen und bewirtet. Ein Flohmarktbesuch in Nördlingen, die Besichtigung von Schloss Linderhof und ein Bad im Plansee standen ebenso wie der Besuch des NS-Dokumentationszentrums in München auf dem Programm. Gemeinsam schauten Gäste und Gastgeber den Film „Ziemlich beste Freunde“ an, lernten auf dem Friedenscamp vom Grandhotel Cosmopolis Hula-Hoop, und machten Landart und Lagerfeuer am Lech. Die eigens mitgereiste marokkanische Kamerafrau Zaineb Armouch hat den Austausch begleitet und wird daraus einen kleinen Film produzieren, der in Zukunft auch auf der Homepage der Freien Waldorfschule betrachtet werden kann. Besonders gefreut hat sich Isabella Geier über die großzügige Unterstützung von Unternehmer Edi Ruf und von Gaststätten, wo die marokkanischen Besucher kostenlos essen durften: bei Bob’s Bowling, beim Arkadas in der Maxstraße, bei Ugras Express in der Blücherstraße und bei Pamukale am Judenberg.
Das Marokko-Projekt wurde im Herbst 2011 mit dem Zukunftspreis der Stadt Augsburg ausgezeichnet, und der Pädagogische Austauschdienst der Kultusministerkonferenz Bonn verlieh dem engagierten Team in Augsburg und in Had Kourt den dritten Preis im Projektwettbewerb 2012.
Die Freie Waldorfschule Augsburg wurde 1981 gegründet. Sie ist einzügig, rund 400 Schüler besuchen die Schule. Als Abschlüsse werden Mittlere Reife und Abitur angeboten. Teil der Waldorfpädagogik sind zwei Fremdsprachen ab Klasse eins, Leistungsförderung ohne Noten, Selektion und Sitzenbleiben, ein gemeinsamer Klassenverband während der gesamten Schulzeit, Ausbildung von individuellen sozialen und kreativen Fähigkeiten. Die Schule bietet eine flexibel buchbare Ganztagsbetreuung an.
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Othmar Leib aus Leingarten | 08.08.2015 | 02:23  
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