Tanzpädagoge Alan Brooks arbeitet mit Stetten-Schülerinnen - Workshop für den eigenen Körper und dessen Kraft

Foto: Angelika Lonnemann
 
Foto: Angelika Lonnemann
Augsburg: Stetten-Institut | „Falls euch in den nächsten 70 Jahren jemand klein machen will, dann denkt bitte an heute und macht euch groß. Richtet alle Gelenke auf, seid stolz auf Euch!“ Viereinhalb Stunden eines ganz besonderen Tanzworkshops sind zuende. Der britische Choreograf und Tänzer Alan Brooks hat mit rund 20 Schülerinnen der 7. und 8. Klassen von Stetten-Gymnasium und Stetten-Realschule einen Kurs absolviert, in dem nicht nur Tanz, sondern auch Selbstbewusstsein, Kraft und Mut gelehrt wurden. Organisiert hatte diesen Tag die Lehrerin für Englisch und Erdkunde Christiane Liehr, die aktuell eine Ausbildung zur Tanztherapeutin macht. Sie hat selbst schon einen Workshop bei Alan Brooks besucht und ist begeistert, wie Brooks mit Schülern arbeitet. „Es ist für mich heute sehr berührend, zu sehen, wie die Mädchen hier aufblühen, wenn sie hier in ihre Kraft kommen und ich dabei zusehen kann, wie erstaunt sie sind, wenn sie die Kraft in ihrem Körper entdecken“, so Liehr. Sie bedauert, dass solche Tanzstunden nicht Teil des staatlichen Lehrplans sind. Denn hier könnten die Mädchen besser als in all den virtuellen Welten, in denen sich heute Jugendlichen aufhielten, echte Wertschätzung und Kontakt erleben. „Auch ganz schüchterne Mädchen zeigen sich hier mit einem Strahlen im Gesicht, das ist wunderbar“, freut sich Liehr. Alan Brooks ist ein höchst charmanter, überzeugender Lehrer. Er hat von 2009 bis 2013 im Auftrag des bayerischen Kultusministeriums das Projekt „Schultanz in Bayern“ geleitet. Mit vielen Beispielen aus seinem Leben als Tänzer erzählt er den Schülerinnen nicht nur von seinen Erfahrungen, sondern macht das ganz lebendig und anschaulich einfach vor – zum Beispiel dass man jemanden nur dann halten kann, wenn beide Menschen mit ihrer Hand das Handgelenk des anderen umfassen. „Mir hat gut gefallen, dass Alan Brooks uns ermutigt hat, auch mal unangepasst zu sein. Und es war wirklich cool, dass wir uns so bewegen sollten, wie wir uns tatsächlich fühlten, also auch mit einem negativen Ausdruck“, erzählt die 13-jährige Paula.

Zum Schluss des Workshops sollten je zwei Schülerinnen eine kurze Choreografie vorbereiten und aufführen. Darin kamen Elemente des brasilianischen Kampftanzes Capoeira vor. Der Siebtklässlerin Carina hat das am besten gefallen, auch wenn sie eigentlich den ganzen Tag als etwas ganz besonderes erlebt habe. Die 12-jährige Maren hat beeindruckt, dass Brooks sie aufgefordert hat, nicht nett und brav zu sein, sondern selbstbewusst und stark. „Man dürfe auch mal formulieren, dass es einem egal ist, was die anderen von einem denken – das fand ich toll“, so Maren. „Was wir heute gelernt haben, das wird mir im Leben viel weiterhelfen“, sagt auch die 13-jährige Melisa begeistert. Die Achtklässlerin Helene war selbst jahrelang im Ballettunterricht: „Das hier war ganz anders – so frei und konzentriert! Es ist total schade, dass es schon vorbei ist, am liebsten hätten wir noch viele Stunden weiter mit Alan Brooks gearbeitet“.

Das Stetten-Institut besteht aus einem Gymnasium mit sprachlicher und naturwissenschaftlich-technologischer Ausrichtung und einer Realschule unter einem Dach (Realschulzweige: Wirtschaft, Französisch, Kunst und Soziales). Die Schulen sind staatlich anerkannt und befinden sich in evangelisch-lutherischer Trägerschaft, verstehen sich aber ausdrücklich als offen für Schülerinnen aller Religionszugehörigkeiten. In Tradition ihrer Gründerin Anna Barbara von Stetten werden ausschließlich weibliche Schülerinnen aufgenommen. Heute besuchen rund 1.200 Mädchen und junge Frauen die beiden Schulen, die auf einem weitläufigen Grundstück in der Augsburger Innenstadt liegen. Zum breiten Angebot der Schule gehört eine Betreuung in Form der Offenen Ganztagsschule. In verschiedenen Projekten können Mädchen an den beiden Schulen forschen, musizieren, debattieren oder Theater spielen.
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