Simit und Breze an einem Tisch - Nachbericht zu "Speed Speaking Atlasya"

Özlem Degirmenci-Eichhammer (vordere Reihe, 2. v. links) und ihr Team vom Atlas Sprachinstitut organisierten den Event im Zeughaus.
 
Hallo und Merhaba! Mit kaum mehr als diesen Basisvokabeln kamen erstaunlich viele Leute ins angeregte Gespräch.
 
Sprache als Brücke zwischen den Kulturen - die Torte wurde eigens für den Speed Speaking-Abend kreiert.
Augsburg: Zeughaus | Culture Clash kann Spaß machen, wenn beide Seiten mit Neugier aufeinander zugehen. Das konnte der Event „Speed Speaking Atlasya“ in Augsburg eindrucksvoll zeigen.

Manche Menschen reden oder leben gar aneinander vorbei. Das muss nicht so sein, wie der Event „Speed Speaking Atlasya“ im Zeughaus Augsburg erfolgreich beweisen konnte. Schon auf dem Büffet-Tisch wurde das Motto des Abends sinnbildlich deutlich: Das türkische Gebäck Simit und die bayerische Breze waren ineinander verschränkt und zeigten „Hand in Hand“ wie ähnlich sie sich - aus der Nähe betrachtet - eigentlich sind. Deutsche und Türkischstämmige saßen sich an diesem Abend jeweils in Zweiergruppen an einem Tisch gegenüber, um in lockerer Atmosphäre die andere Sprache und Kultur kennenzulernen oder auch, um bereits vorhandene Sprachkenntnisse zu vertiefen. Vokabeln auswendig lernen kann man in jedem Sprachkurs, doch „Speed Speaking Atlasya“ will mehr sein: eine lebendige Sprach- und Kulturbrücke. Integration war an diesem Abend keine Einbahnstraße – sondern ein runder Tisch.

Gesprächsthemen waren für die mit Namensschildchen ausgestatteten Teilnehmer nicht vorgegeben, doch für die weniger spontanen lagen auf den Tischen Gesprächsanregungen in beiden Sprachen aus (von der Begrüßung bis zu Fragen über Alter, Beruf und Hobbys). Nach jeweils fünf Minuten wurden Plätze getauscht, so dass sich immer wieder neue Gesprächspartner gegenüber saßen. Dass das Sprachniveau in der jeweils anderen Sprache äußerst unterschiedlich ausfiel, machte sich nie unangenehm bemerkbar – denn wenn neugierige und offene Menschen aufeinander treffen, findet sich ein Weg der Verständigung.

Management-Trainer Hans beispielsweise hat trotz türkischstämmiger Freunde seiner Kinder bisher „null Türkischkenntnisse“, schaute aber spontan vorbei, weil er beim Lesen des Veranstaltungstipps im Internet dachte: „Das wird garantiert lustig.“ Er sollte recht behalten: „Ich bin begeistert von den türkischen Mitbewohnern, dem Essen und der Herzlichkeit, mit der ich aufgenommen wurde.“
Toni, Lehrer am Bayernkolleg, wollte an diesem Abend zum ersten Mal in die türkische Sprache reinschnuppern. „Die Methode, mit Basis-Sprachbausteinen zu arbeiten, die zu Minigesprächssequenzen kombiniert werden, erwies sich als verblüffend effektiv“, sagt er über das Atlasya®-Konzept. „Sehr rasch kann man auf diese Weise auch ohne Unterrichtsvermittlung Wortschatz und Sprachstrukturen in der Praxis erwerben.“ Er gibt allerdings zu: „Man muss konzentriert sein.“ Deshalb hatten sich die kommunikationsfreudigen Teilnehmer auch immer wieder kleine Pausen verdient. Zeit, um die mit Liebe zum Detail gestalteten Deko-Elemente zu würdigen, Zitate an den Wänden zu lesen oder auch einfach locker weiter zu plaudern. Zudem wurde ein vierzigminütiger Film gezeigt, der schöne Orte sowohl in der Türkei als auch in Deutschland präsentierte. Özlem Degirmenci-Eichhammer, die den Event mit ihren Mitarbeiter(inne)n vom Atlas Sprachinstitut organisierte, wollte auch in Sachen Kulinarik Klischees entlarven. So durften diverse Sponsoren zeigen, dass die türkische Küche mehr zu bieten hat als Döner Kebap. Die Sprach- und Kulturinteressierten bekamen Gelegenheit, landestypische Spezialitäten zu kosten – von Simit über Baklava und Börek bis zu türkischem Kaffee, Tee und Ayran.

Mit dem Event „Speed Speaking“ wollte Özlem Degirmenci-Eichhammer eine Sprachbrücke zwischen den Kulturen bauen, aber auch „beweisen, dass man mit Spaß am besten lernt.“ Mission geglückt: Der Abend hatte mehr von einem gemeinsamen, fröhlichen Fest als von einem Sprachkurs. Am Ende bekamen alle Gesprächspartner eine Teilnahmebestätigung und eine weiße Blume überreicht. Insgesamt waren das über 40 Blumen. Eine stattliche Teilnehmerzahl für eine Debüt-Veranstaltung und ein schönes Signal des gegenseitigen Interesses der Kulturen. Insbesondere wenn man bedenkt, dass bei hochsommerlichen Temperaturen auch ein entspannender Abend an einem See als Alternative in Sachen Freizeitgestaltung gelockt hätte. Die Teilnehmer des kostenlosen Events schienen ihre erste Wahl nicht bereut zu haben, wie die Danksagungen im Gästebuch sowie persönliches Feedback bezeugen.

Die Augsburgerin Veronika, die in der Zeitung von dem Event erfahren hatte, wollte „die schönen Erinnerungen an den Antalya-Urlaub wieder auffrischen.“ Ihre Türkischkenntnisse beschränkten sich vor diesem Abend auf „Merhaba“ („Hallo“), doch war sie „begeistert von der sehr schönen Stimmung und den freundlichen Leuten. Ich kann mir vorstellen, einen Sprachkurs zu machen, denn ich fahre bestimmt noch öfter in die Türkei.“ Einen solchen Sprachkurs beim Atlas Sprachinstitut besucht Lisa bereits seit Januar. „Die Beschreibung des Events klang schon toll, doch vor Ort war es dann sogar noch besser als ich es mir vorgestellt hatte“, schwärmt sie. Sie war schon oft in Istanbul und verrät: „Besonders spaßig war, dass ich heute im Gespräch mit Menschen aus Istanbul feststellen durfte, dass ich Dingen in der Stadt kenne, die die Istanbuler nicht kannten und umgekehrt.“ Beispielsweise Kerim, der in Istanbul aufgewachsen ist und an der Universität Augsburg Deutsch als Zweit- und Fremdsprache studiert. „Ich war positiv überrascht, dass Deutsche auch Türkisch sprechen und Interesse haben an der Türkischen Sprache“, sagt Kerim. Auch die türkischstämmige Lehrerin Lale war „verblüfft, dass so viele Menschen türkisch lernen.“ Normalerweise sei sie ein Mensch, der ungern mit fremden Personen redet, „aber die Atmosphäre war so locker und familiär, dass es mir großen Spaß gemacht hat.“ Sie habe sich mit „vielen nette Menschen mit interessanten Berufen unterhalten, die man sonst vielleicht nicht kennengelernt hätte.“

Auch die Veranstalterin war äußerst zufrieden mit dem Event: „Für mich war es wunderschön, zu sehen, dass mein Team und ich die Leute mit unserer Leidenschaft für Sprache und Kultur angesteckt haben und wir aufzeigen konnten, dass die Vielfalt viele Chancen mit sich bringt und wir voneinander lernen können.“ Ihrer Mitarbeiterin Susi gefiel am meisten, dass „die Leute nicht mehr aufhören wollten zu reden, egal ob Pause oder nicht.“ Mitarbeiterin Nathalie freute sich, „wie viel gegenseitiges Interesse zwischen Deutschen und Türken eigentlich besteht.“ Sie ist überzeugt: „Häufig hält nur Unsicherheit die Menschen davon ab, sich der anderen Sprache und Kultur zu öffnen.“ An diesem Abend sei es „gelungen, einen ´geschützten Raum´ zu schaffen, in dem der Sprach- und Kulturaustausch ohne Ängste und Unsicherheiten stattfinden konnte.“ Das haben Menschen jeden Alters und jedes Berufs gerne angenommen, wie die angeregten Gespräche beweisen.

Vor der Gründung des eigenen Instituts lehrte Degirmenci-Eichhammer an Universitäten und Schulen in der Türkei sowie in Deutschland an diversen Sprachschulen sowie an der Universität Augsburg. Die von ihr entwickelte Sprachlernmethode Atlasya® vereint verschiedene moderne Lernansätze zu einem ganzheitlichen eigenen Lernkonzept. Ihr Motto: „Entdecken Sie die Leichtigkeit des Lernens!“ Das Konzept geht offenbar auf, wie eine türkische Dame namens Zuhal bestätigt: „Die Deutschen, die bei Özlem Degirmenci-Eichhammer lernen, sind sehr gut in der türkischen Grammatik. Das bedeutet, dass ihre Lehrerin und ihr System sehr gut sind, denn Türkisch ist eine sehr schwierig zu erlernende Sprache.“ Eine weitere Gemeinsamkeit mit der deutschen Sprache. Es gibt zwischen Türken und Deutschen eben noch viel mehr Ähnlichkeiten als die von Breze und Simit. Davon kann man sich bald wieder überzeugen, denn nach dem positiven Feedback steht in Sachen „Speed Speaking Atlasya“ schon jetzt fest: Fortsetzung folgt!
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