Siegfried Heilig: Meine Großmutter hat mir das Leben gerettet. Zeitzeugenbericht eines Sinto.

Wann? 23.02.2015 19:30 Uhr

Wo? Evangelisches Forum Annahof, Hollbau EG, Im Annahof 4, 86150 Augsburg DE
Augsburg: Evangelisches Forum Annahof, Hollbau EG | Siegfried Heilig, Meine Großmutter hat uns das Leben gerettet. Montag, 23.2. Annahof, Hollbau, Im Annahof 4, 86150 Augsburg, 19.30 Uhr; Eintritt frei-Spenden erwünscht.

Weitere Termine: Paul-Klee-Gymnasium Gersthofen, 23.2., 11.20 Uhr; Dienstag 24.2. um 8 Uhr in Maria Ward; um 11.20 Uhr im Bayernkolleg


Herr Heilig wurde 1934 in einer Sintifamilie in Magdeburg geboren, der Vater war Schausteller und Marionettenspieler und der Junge musste schon früh die Diskriminierungen gegen seine Volksgruppe erfahren. In der Schule wurde er in die letzte Reihe gesetzt und erkannte erst später, dass er eigentlich unerwünscht war. Da half es auch nichts, dass Vater, Großvater und Onkel im 1. Weltkrieg für Deutschland gekämpft hatten. Als 1943 alle Sinti in Magdeburg für die Deportation nach Auschwitz verhaftet wurden, blieb er, zusammen mit den Eltern und Geschwistern, nur durch die Geistesgegenwart der Großmutter unerkannt und konnte so dem Holocaust entkommen.
Versteckt im Wald und dann unter dem Schutz eines Landrates überlebte die Familie den 2. Weltkrieg. Aber noch heute geht ihm das Schicksal der in Ausschwitz umgekommenen Familienmitglieder sehr nahe, was die Begegnung mit ihm für die Schüler nur umso eindringlicher machte.
„Wo hätte ich denn hinsollen?“
Auch in der Bundesrepublik musste Herr Heilig weiterhin Diskriminierungen erfahren, als es beispielsweise um die Suche nach einer Wohnung ging. Er übernahm das Geschäft seines Vaters, arbeitete lange als Puppenspieler und später als mobiler Kinovorführer.
Die von Schülern gestellte Frage, warum er nach 1945 überhaupt in Deutschland geblieben sei, war für ihn zunächst völlig unverständlich; er sei hier geboren, aufgewachsen und habe mit dem Geschäft seines Vaters auch seine Lebensgrundlage hier gehabt. Wo hätte er denn hinsollen?

Aktuelle Wahlplakate wie „Geld für die Oma, statt für Sinti und Roma“ schmerzen ihn allerdings sehr und zeigen, dass es immer noch viele Nazis gibt. Umso mehr sind Zeitzeugengespräche, wie das mit Herrn Heilig wichtig, damit Diskriminierung auch im Kleinen vermieden wird.
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