Premiere des „Prinz Friedrich von Homburg“ am Theater Augsburg
Darf sich ein Soldat seinem Vorgesetzten widersetzen? Wie wichtig ist gehorsam im Zusammenleben von Menschen? Heinrich von Kleists Stück „Prinz Friedrich von Homburg“ aus dem Jahre 1809 feierte am 26. September im großen Haus des Theater Augsburg Premiere.
Der junge Offizier des Kurfürsten von Brandenburg Prinz Friedrich Arthur von Homburg, grandios gespielt zwischen Wahnsinn und Pflichterfüllung von André Willmund ist nach einem langen Feldzug erschöpft und ausgelaugt, er schlafwandelt. Die Verwirrung des Prinzen bleibt vom Kurfürsten, den Klaus Müller als einkalten Machtmenschen gibt, nicht unbemerkt und er überlistet den Prinzen was schließlich in eine Liebeserklärung des Prinzen an Natalie, der Nichte des Kurfürsten mündet. Liebestoll verwirrt, ist Friedrich dermaßen abgelenkt, dass er den Befehl des Kurfürsten, bei Schlacht den Feind nicht ohne ausdrückliche Order anzugreifen, nicht mitbekommt. So greift er die Gegner in der Schlacht von Fehrbellin an und siegt. Marie Roth (Bühne) und Karin Jud (Kostüme) schufen eine spartanische, karge Bühne. Alle sechs Darsteller tragen die gleiche Uniform. An Nazi-Uniformen muss man unwillkürlich denken, doch die Anspielung auf den unbedingten Gehorsam im 3. Reich hätte gereicht, der „Heil“-Rufe hätte es nicht bedarft. Der Kurfürst setzt die Disziplin seiner Soldaten über alles. Den errungenen Sieg nimmt er nicht wahr und lässt den Prinzen wegen Ungehorsam verhaften. Im Prozess wird er zum Tode verurteilt. Sich seiner Lage nicht recht bewusst, glaubt der Prinz zunächst noch an eine Erziehungsmaßnahme. Natalie, gespielt von Karoline Reinke, erinnert an Shakespeares verwirrte Ophelia. Überfordert von den höfischen Konventionen und der Liebe zu einem Prinzen. Natalie, die unterdessen ohne legitimen Befehl das Regiment zurückbeordert hat, sucht nach Unterstützung für das Gnadengesuch für den Prinzen. Nach einer Lagebesprechung mit seinen Offizieren begnadigt der Kurfürst Friedrich schließlich. Friedrich wird von seiner Begnadigung nicht in Kenntnis gesetzt, sondern mit verbundenen Augen zur vermeintlichen Hinrichtung geführt. Aber nicht ihn trifft die Kugel, sondern von einem Deus ex machina werden alle übrigen Charaktere der Augsburger Inszenierung hingerichtet. Der Prinz überlebt als Einziger.
Regisseur Jan Philipp Gloger inszeniert Kleists Klassiker sehr reduziert, mit abgespeckter Besetzung und Konzentration auf das Wesentliche. Auf den Text Heinrich von Kleists, der heute wieder aktueller ist, denn je. Nach dem Angriff eines NATO-Luftjets auf zwei Tanklastzüge der Taliban bei dem 70 Menschen ums Leben kamen, entbrannte eine erneute öffentliche Diskussion um die Befehlstrukturen innerhalb einer Armee.



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