Oberuferer Weihnachtsspiele - biblische Mysterienspiele wie im Mittelalter
Augsburg: Freie Waldorfschule Augsburg | Am Dienstag, den 21. Dezember 2010 finden in der Freien Waldorfschule Augsburg zwei Teile der Oberuferer Weihnachtsspiele statt. Dabei handelt es sich um biblische Mysterienspiele, die von Lehrern und Schülern der Schule aufgeführt werden. Beginn des Paradeis-Spiels ist um 19 Uhr, Beginn des Christgeburtsspiels ist um 20.15 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Das Paradeis-Spiel und das Christgeburt-Spiel wurden ebenso wie das in diesem Jahr nicht aufgeführte Dreikönig-Spiel etwa 1850 von Karl Julius Schröer wieder entdeckt und veröffentlicht. Benannt sind sie nach dem Entdeckungsort „Oberufer“ (slowak. „Prievoz = über das Ufer“, ungar. „Fõrév“), einem bis 1918/20 zu 77 % von Deutschen und zu 18 % von Ungarn besiedelten Dorf an der gleichnamigen Donaufurt/Fährstelle.
Der Begründer der Anthroposophie, Rudolf Steiner, gab eine leicht veränderte Fassung dieser Spiele heraus. Die Lehrer der ersten Waldorfschule in Stuttgart führten die Präsentation für die Schüler ein. Sie werden alljährlich in Waldorfeinrichtungen um die Weihnachtszeit aufgeführt.
Die Schauspieler der Augsburger Waldorfschule halten sich an den Originaltext, der sehr volksnah geschrieben und in einem donauschwäbischen Dialekte in Reimen abgefasst ist. Es wird dabei viel gesungen, allein oder in der Gruppe. Die ernsthafte Handlung ist zum Teil mit derbem Humor durchsetzt. Dazu kommt die volksnahe Verlagerung des biblischen Weihnachtsgeschehens in eine bekannte Umwelt. So beklagen im Christgeburtsspiel die Hirten auf dem Feld sich über die klirrende Kälte, rutschen wiederholt auf dem gefrorenen Boden aus und versuchen, sich gegenseitig ihre Handschuhe zu stibitzen, wobei vernachlässigt wird, dass es an dem originalen Schauplatz der Geschichte, in Palästina, im Winter sicherlich nicht friert.
Dem Spiel vorangestellt ist eine Huldigung an die Obrigkeiten und Autoritäten, an das Publikum und, in scherzhafter Form, auch an die notwendigen Requisiten, wie zum Beispiel den Hut. Dergleichen Huldigungen waren im Mittelalter bei fahrenden Schaustellern ebenso wie bei den Zünften, die solche Spiele aufführten, wohl nicht unüblich.




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