Kunst mit karitativem Hintergrund: Zu Besuch im Ateliermuseum für Kinderportraits

 
Tomé vor der Ballonfabrik mit seinem Sohn Raphael auf dem Schild. Seit März 2011 gibt es das Museum

Wer sich im Augsburger Stadtteil Oberhausen in die Austraße wagt, ganz nach hinten läuft und vor der Ballonfabrik stehen bleibt, vermutet dort auf dem ersten Blick und der kargen Außenfassade nach zu urteilen, nicht Spektakuläres. Doch die Tafel, dass sich darin ein Ateliermuseum für Kinderportraits befinden soll, macht neugierig. Klingt nach einem ungewöhnlichen Museum. Die Vorfreude steigert sich beim Hinauflaufen in den zweiten Stock. An den Wänden befinden sich Comics, die einen den richtigen Weg weisen. Vor der Tür befinden sich eine Litfaßsäule und ein altes Fahrrad, bei dem ein Junge unter die Räder kommt. Welche Botschaft sich dahinter verbirgt und was der Inhaber und Künstler des Museums damit zum Ausdruck bringen will, erklärt Thomas „Tomé“ Etzensperger.

Sein Ateliermuseum selbst umfasst lediglich 25 Quadratmeter, doch aus dem Schauen kommt man zunächst nicht raus. Die hohen Wände sind vollständig ausgefüllt mit Zeichnungen, überwiegend von Kindergesichtern. Fröhliche und traurige Augen blicken einen an. Gerade die Augen sind es, die Tomé so faszinieren und für ihn den Spiegel der Seele darstellen. Passend dazu zitiert er Dante Aligheri: „Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: Die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder.“ Und so kommt Tomé ins Plaudern und erzählt von seinen Zeichnungen, zeigt verschiedene Arbeiten und erklärt, worum es ihm geht: Dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind, ihre Kindheit unbeschwert leben und ernst genommen werden sollen. Das will er auch mit dem schon erwähnten Fahrrad, das sich „das dritte rad“ nennt, zur Sprache bringen. Er kritisiert, dass das Dasein der Kinder allein dem gesellschaftlichen Nutzen unterworfen zu sein scheint. Ein Kind ist dann arm, wenn es mit erwachsenen Menschen zusammen aufwachsen muss, die ihre Kindheit vergessen haben, so Tomés leidenschaftliches Plädoyer für die Kindheit. Spätestens hier merkt man, dass in ihm nicht nur ein Künstler, sondern auch ein Pädagoge schlummert. Hauptberuflich arbeitet er als Kunstlehrer an der Neusässer Volksschule Am Eichenwald. Ein Idealberuf für den gebürtigen Schweizer, um Künstlerisches und den Umgang mit Kindern zu verbinden. Hin und wieder zeichnet er auch seine Schüler, die großen Gefallen an seinen Bildern finden, insbesondere an seinen Comics, die sich in seinem Museum gesammelt in einer Ecke befinden. Allesamt jedoch ältere Arbeiten.

Derzeit steht für Tomé jedoch das Zeichnen von Kindern im Vordergrund und er will damit auch etwas bewegen. „Es mag zwar etwas pathetisch klingen, aber ich denke, dass ich zeichnen kann, bringt auch eine große Verantwortung mit sich, der ich mich gerne stelle.“ Unter seinen Zeichnungen finden sich auch viele Bilder von Kindersoldaten, weinenden Kindern und Kindern mit Gewalterfahrungen. Tomé engagiert sich auch für den Red-hand-Day und trainiert bereits für den Friedensmarathon am 7. August in Augsburg. Kunst mit karitativem Hintergrund. Ein Besuch in Tomés Atelier lohnt sich!

Kontaktdaten

Tomés Ateliermuseum für Kinderportraits
Austraße 27 (Ballonfabrik, Raum 210)
Augsburg-Oberhausen
Öffnungszeiten nach Vereinbarung
E-Mail: pipocomics@gmx.de
www.tome-art.com

Klickt hier zu Tomés Profil auf myheimat.

Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin neusässer | Erschienen am 05.08.2011
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