Interview mit Wolfgang Schiffelholz vom Theater in Donauwörth
myheimat: Die Kinder- und Jugendtheatergruppe des Theaters bekam den Jugendleistungspreis der Sparkasse in Donauwörth 2009. Wie qualifiziert man sich für diesen Preis? Ist damit auch eine finanzielle Auszeichnung verbunden?
Schiffelholz: Qualifizierung war wohl in erster Linie das eigenständige und eigenverantwortliche Handeln der Gruppe, aber selbstverständlich auch das ehrenamtliche umfassende Engagement der einzelnen Mitglieder in vielen Bereichen des Theaters. Gewürdigt wurde damit auch ihr Auftritt auf Einladung der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern zum Tag der Deutschen Einheit in Schwerin, die vielfältigen Auftritte in der Heimat und natürlich das diesjährige Freilichtbühnenstück „Alice im Wunderland“, das die Jugendlichen selbst verfasst und gemeinsam mit den Bühnenstrolchen mit großem Erfolg inszeniert haben. Mit dem Preis war auch eine hohe finanzielle Auszeichnung verbunden, die wiederum für Workshops im Bereich des Kinder- und Jugendtheaters Verwendung finden wird. Dieser Jugendleistungspreis ist Anerkennung für das Geleistete, aber genauso auch Ansporn für die Zukunft. Er ist eine tolle Einrichtung und die Kids sind mit Recht sehr stolz darauf, dass sie unter vielen Mitbewerbern für den Preis ausgewählt wurden.
myheimat: Was genau bedeutet Ihnen die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen? Ist es mit ihnen zu arbeiten nicht schwieriger als mit Erwachsenen und welche Ziele verbinden Sie damit?
Schiffelholz: Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist zentrales Thema bei uns. Vor allem lege ich Wert darauf, dass die Kindergruppe, unsere Bühnenstrolche, von pädagogisch besonders ausgebildeten Vereinsmitgliedern geführt wird. Da diese zahlenmäßig natürlich begrenzt sind, gibt’s leider für die Bühnenstrolche eine lange Warteliste. Mehr als 15 können wir derzeit nicht sinnvoll betreuen. Die Kids sollen spielerisch an die Theaterarbeit herangeführt werden und mit kleinen Auftritten erste Bühnenluft schnuppern. Langfristig sichern sie natürlich den Fortbestand des Vereins, deshalb ist schon auch ein gewisser Eigennutz bei der Sache.
myheimat: Was ist das Besondere am Kindertheater und profitieren auch die mitwirkenden Kinder davon?
Schiffelholz: Kinder wollen spielen, sich verkleiden, in andere Rollen schlüpfen. Sie machen das wesentlich vorbehaltloser als Erwachsene und ohne Scheu. Sie lernen dabei unterbewusst selbstsicheres Auftreten, freies Sprechen, Improvisationsvermögen, Körpersprache, aber auch Schauspielern und viele andere Dinge, die es im Erwachsenenleben gut zu nutzen gilt. Nicht zuletzt ist Theaterarbeit Teamarbeit, die auch von den Kleinen Teamgeist und bedingungslose Zusammenarbeit abverlangt, wenn sie zum gemeinsamen Erfolg führen soll.
myheimat: Auf der Freilichtbühne kamen in diesem Jahr „Robin Hood“ und „Alice im Wunderland“ zur Aufführung. Wie nahmen die Besucher die Stücke an? Nach welchen Aspekten werden die Stücke ausgesucht? Auf welches Highlight am Donauwörther Theater können sich die Kulturinteressierten im nächsten Jahr freuen?
Schiffelholz: Beide Stücke wurden von den großen und kleinen Zuschauern toll angenommen. Wir waren mit der Saison zufrieden, Abstriche brachte lediglich das unbeständige Wetter. Bei der Stückauswahl kann ich Dank einer hervorragenden „Hintermannschaft“ in die Vollen greifen. Wir spielen was uns gefällt und was nach unserer Meinung auch dem Publikum gefallen wird. Im nächsten Jahr gibt’s einen Schwenk weg vom Mittelalter und hin zur Neuzeit. Wir werden „Das Kaffeehaus“ auf die Freilichtbühne bringen, eine wunderbare italienische Komödie von Goldoni, die wir in der Petticoatzeit auf einem Piazza in Venedig spielen, alleine schon wegen der bunten Kostüme. Anstelle der Pferde werden alte Vesparoller und weitere alte italienische Fahrzeuge auf die Bühne kommen. Kurzum, es wird eine kurzweilige und höchst amüsante Unterhaltung für eine Sommernacht. Unser Kinder- und Jugendtheater hat sich noch nicht entschieden, sie wählen noch aus.
myheimat: Bemerken Sie an den Besucherzahlen im Theater die Folgen der Wirtschaftskrise? Wurde in diesem Zusammenhang erwogen, die Eintrittspreise zu senken, um wieder mehr Menschen für Kultur zu begeistern?
Schiffelholz: Bislang spüren wir die Wirtschaftskrise nicht und unsere Eintrittspreise sind grundsätzlich so moderat, dass eine Senkung nicht notwendig ist. Bei der Freilichtbühne geht die Preisspanne z.B. von 8,- bis 40,- Euro im Erwachsenenstück und beim Kinder- und Jugendstück von 7,- bis 11,- Euro, geschlossene Schulaufführungen 5,- Euro. Wir denken, dass bei diesen Preisen jeder die Aufführungen sehen kann. Man darf dabei auch nicht vergessen, dass sich die Unkosten für eine Saison auf ca. 30.000,- Euro belaufen. Schon gewaltig für ein Amateurtheater.
myheimat: Sie bekamen in diesem Jahr die „Goldene Ehrennadel“ verliehen. Wofür erhielten Sie diese Auszeichnung?
Schiffelholz: Die goldene Ehrennadel des Verbandes Bayerischer Amateurtheater ist eine besondere Auszeichnung, die vom Präsidium nur sehr restriktiv vergeben wird. Es gibt bayernweit nur wenige Träger, deshalb fühle ich mich da schon besonders geehrt. Man erhält sie dann, wenn man sich in vielen Bereichen um das Amateurtheater verdient gemacht hat. Ich war lange Jahre Jugendleiter des Verbandes und stellvertretender Jugendleiter beim Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT). Im Fachausschuss Kinder- und Jugendtheater durfte ich z.B. das Ausbildungsprogramm des Bundesverbandes ins Leben rufen und weiterentwickeln. Im Auftrag des BDAT war ich auch für einige Wochen jeweils in der damaligen Sowjetunion und in Japan um dort die Amateurtheaterkultur zu studieren. Zur Zeit bin ich noch im Vorstand des Verbandes Deutscher Freilichtbühnen.
myheimat: Der Donauwörther Kulturamtleiter, Wolfgang Geiss, reimt gern und verfasst auch gerne mal Einladung in Strophenform. Welchem Hobby gehen Sie in Ihrer Freizeit nach?
Schiffelholz: Nachdem ich alles was mit Theater zusammenhängt ja neben meiner verständnisvollen Familie und einem ausgefüllten Berufsleben rein ehrenamtlich als sogenanntes Hobby mache, kann ich den Begriff „Freizeit“ momentan nicht so richtig einordnen.... was ist das?
myheimat: In der Vergangenheit haben Sie schon oft Regie geführt, etwa bei „Das Dschungelbuch“, „Anatevka“ oder „Der fidele Bauer“. Auch Stücke wie „Maria von Brabant“ haben Sie schon bearbeitet. Was bereitet Ihnen den meisten Spaß? Regie führen oder die Neubearbeitung von Stücken? Sind Sie eher im Schauspiel oder im Musiktheater zuhause?
Schiffelholz: Wenn ich Regie führe, achte ich sehr genau auf Inhalt und Aussage eines Stückes. Aber selbstverständlich soll es auch für das Publikum kurzweilig und unterhaltsam sein. Deshalb ist so mancher bearbeitende Federstrich im Textbuch notwendig und auch legitim. Das eine bringt also das andere mit sich. Natürlich hat es seinen besonderen Reiz, ein historisches Donauwörther Stück wie „Maria von Brabant“, das ja als Bühnenstück für eine kleine Saalbühne konzipiert ist, für eine Freilichtbühneninszenierung zu bearbeiten. Da ist zwar viel Spielraum für Fantasie, aber auch eine große Verantwortung und Respekt dem eigentlichen Stückeschreiber Ludwig Auer gegenüber. Zuhause fühle ich mich in vielen Theaterformen, auch im Musiktheater, wenn auch nicht alle Theaterformen ihre Zuschauer finden. Deshalb konzentriere ich mich auf unterhaltsame Stücke, die ja auch ihre Aussage haben. Probleme hat jeder Zuschauer genug, mit denen muss ich ihn nicht auch noch auf der Bühne konfrontieren.
myheimat: Wie muss man sich eine Freilichtbühneninszenierung vorstellen und wie viele Menschen sind dabei gefordert?
Schiffelholz: Freilichttheater ist im wahrsten Sinn des Wortes großes Theater. Das Theater Donauwörth e.V. hat knapp 300 Mitglieder, davon sind während der Freilichtsaison um die 120 aktiv. Sei es auf oder hinter der Bühne, im Kartenvorverkauf, im Catering, beim Bühnenbau, bei der Technik, bei der Erstellung von Plakaten, Programmheften und Flyern, als Requisiteure, Maskenbildner und und und.... nur eines gibt’s auf der Freilichtbühne nicht – Souffleusen. Ohne diese vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter, die viele viele Stunden ihrer Freizeit für ihr Hobby opfern, wäre das Theater Donauwörth nicht das was es ist: Ein toller Verein bei dem Teamarbeit, Zusammenhalt und persönliches Engagement ganz groß geschrieben wird.
Weiterveröffentlichungen:
myheimat-Stadtmagazin donauwörther | Erschienen am 17.12.2009Themen zum Beitrag
Dem kann ich mich nur anschließen. Dem Theater und Herrn Schiffelholz mit seinem Team wünsche ich weiterhin viel Erfolg!
Tolles Interview! Vielen Dank
Als Mitglied im Theaterverein und direkte Nachbarin von Wolfgang Schiffelholz kann ich seine Aussage "Freizeit ... was ist das?" nur bestätigen. Es ist wirklich gigantisch, was dieser Mann, zusammen mit seiner Familie, für den Verein - und damit auch für Donauwörth - leistet. Vor so viel selbstlosem Engagement kann man immer wieder nur den Hut ziehen. Danke!
Ja, ich bin stolz, Mitglied dieses Vereins zu sein, genauer gesagt: Gründungsmitglied. Was ich am allermeisten schätze ist wirklich die Jugendarbeit und kann nur herzlich gratulieren zum kürzlich erworbenen Jugendleistungspreis - voll verdient übrigens. Diese Jugend ist noch fähig neben Fernsehen und Computer Eigeninitiative zu ergreifen, hat Ideen, die sie umsetzt, steckt viel, viel Freizeit in ein Hobby, das einem einzig und allein am Ende einer Aufführung den Applaus des Publikums einbringt. Aber gerade dieser ist es halt, der einem wie Honig runterläuft und immer wieder dazu bringt, sich bei einem neuen Theater, oder besser bei einem neuen Abenteuer einzusteigen.
Danke Wolfgang, Dir als Motor dieser Truppe, die sich von Landjugend zu Bauernbühne und schließlich zum Theater Donauwörth entwickelt hat.
Christine Müller




Ein interessantes Interview, mit vielen neuen Aspekten und Facetten der Theaterarbeit im allgemeinen wie auch dem Theater Donauwörth im besonderen.
Ein Interview mit Tiefgang :-)
Grüße aus Donauwörth
Wolfgang Leitner