„EX-IN ist das beste Beispiel für gelungene Inklusion“

Neue Perspektiven erhielten für sich die Teilnehmer der ersten EX-IN-Qualifikation im Bezirk Schwaben. (Foto: allgäu akademie/honorarfrei)
Genesungsbegleiter vermitteln Erfahrung aus erster Hand - neue Fortbildungsmaßnahme startet


„Ich war stabil genug, um etwas anzupacken und wollte in meinem Leben etwas positiv verändern - da war die Entscheidung für die Qualifizierung zum Genesungsbegleiter mit EX-IN gerade das Richtige für mich.“ Wenn Joseph A. (Name geändert) von dieser Fortbildung erzählt, dann ist ihm in keinster Weise anzumerken, dass er an einer chronischen Depression leidet. Seine Begeisterung für EX-IN ist ansteckend - und er tut in dem Moment, in dem er davon erzählt, genau das, was einen Genesungsbegleiter ausmacht: Er gibt als Psychiatrie-Erfahrener sein Wissen und sein Erleben an andere weiter.

Diesmal bei einem Vortrag im zentralen Gebäude des Bezirks Schwaben in Augsburg vor rund 40 Zuhörern, die sich für EX-IN interessieren. Im November 2014 wird die zweite Fortbildung starten. Als Teilnehmer des ersten Kurses ist Joseph A. sozusagen ein „Pionier“, der aus erster Hand von seinen Erfahrungen berichten kann. EX-IN steht für „Experienced Involvement“ und bedeutet, dass Menschen mit Psychiatrie-Erfahrung in die Behandlung anderer Patienten und in das Versorgungssystem mit eingebunden werden. „Dieses Prinzip wird unser Gesundheitssystem verändern“, ist sich Dietmar Geissler sicher. Der Patientenbeauftragte am Bezirkskrankenhaus Kempten, selbst Psychiatrie-Erfahrener, hat sich zum EX-IN-Trainer weiterbilden lassen und führt an der „allgäu akademie“ in Kaufbeuren in Zusammenarbeit mit weiteren Fachleuten die Fortbildung durch. „Genesungsbegleiter wissen, was eine psychische Erkrankung bedeutet - so finden sie einen anderen Zugang zu den Klienten“, sagt Geissler, „und sie verändern den Blickwinkel des Fachpersonals.“ Für ihn sei dieses Konzept - Betroffene so auszubilden, dass sie andere betreuen und begleiten können - eines der besten Beispiele für Inklusion. „Denn es wird nicht nur der ganz spezifische Erfahrungsschatz genutzt, sondern auch Teilhabe und Teilnahme ermöglicht, weil EX-IN für viele den Einstieg in das Berufsleben ermöglicht.“

So haben etliche der 18 Teilnehmer des ersten Kurses über die notwendigen Praktika auch Beschäftigungsverhältnisse gefunden, vor allem in sozialpsychiatrischen Einrichtungen. Eine Absolventin, die bislang in der Produktion ihres Unternehmens tätig war, wird künftig eine Stelle in der Sozialberatung der Firma haben. Andere, wie Joseph A., sind bereits berufstätig, „aber auch dann, wenn es nicht um einen Neustart ins Berufsleben geht, ist EX-IN eine Bereicherung - weil ich mich weiter entwickelt habe, weil ich mich nochmals anders mit meiner Erkrankung und wie ich damit leben will beschäftigt habe“, so der Familienvater.

Deutschlandweit gibt es 28 EX-IN-Kurse, allerding werden nur an drei Standorten Fortbildungen mit einem abschließenden Zertifikat angeboten, die Qualifizierung in Schwaben ist eine davon.

Hilfreich ist dies, wenn beispielsweise Mittel über das Arbeitsamt oder einen anderen Träger beantragt werden sollen, um die Qualifizierung zu finanzieren. Und es gibt eine weitere schwäbische Besonderheit: Die Fortbildung wird von einer Fachkraft, Marion Hess, Krankenschwester für Psychiatrie am Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren, begleitet. Sie hilft bei der Suche der Praktikumsstellen, die während der Fortbildung besucht werden müssen, ist Ansprechpartnerin und hilft bei anstehenden Fragen.

Die zweite Qualifizierung zum EX-IN Genesungsbegleiter startet im November 2014. Sie sieht zwölf Module vor, die als Wochenendseminare innerhalb eines Jahres absolviert werden, Fernlehre und Selbststudium sowie Praktika mit einem Umfang von mindestens 180 Stunden. Ziel ist es, Psychiatrie-Erfahrene dazu zu befähigen, ihre Erfahrungen als Expertenwissen beispielsweise in psychiatrischen Diensten einzubringen oder sich auch selbst beruflich neu orientieren zu können. Die Entwicklung des Curriculums wurde aus dem europäischen Programm Leonardo da Vinci gefördert.

Weitere Informationen zur Qualifizierungsmaßnahme gibt es direkt bei der allgäu akademie im Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren, Kemnater Straße 16, 87600 Kaufbeuren, Telefon 08341 72-5702, Internet: www.allgaeu-akademie.de.

Direkter Ansprechpartner sind Bildungsreferent Michael Mayer, Telefon 08341 72-5704, E-Mail: mm@allgaeu-akademie.de und Marion Heß, Krankenschwester für Psychiatrie und Praxisbegleiterin EX-IN, Telefon (nur Mittwoch vormittags) 08341 72-5706, E-Mail: marion.hess@bkh-kaufbeuren.de.
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