Eintauchen in die Welt der Mikwen

Mikwe in Friedberg (Hessen), 2010 (Foto: © Peter Seidel)
 
Die ehemalige Synagoge im Augsburger Stadtteil Kriegshaber im restaurierten Zustand 2014, © JKMAS/Franz Kimmel
Augsburg: Museumsdependance Ehemalige Synagoge Kriegshaber | Jüdisches Kulturmuseum zeigt Architekturfotografien jüdischer Ritualbäder von Peter Seidel

„Die Sehnsucht, Räume unterhalb der Alltagsoberfläche zu erforschen“, ist einer der Beweggründe Peter Seidels, sich mit jüdischen Ritualbädern (hebräisch: Mikwen) auseinanderzusetzen. In aufwändigen Architekturstudien zeigt der Frankfurter Fotograf die Vielfalt der Bauformen jüdischer Tauchbäder. Fast zwanzig Jahre lang hat er in Frankreich, Italien, Spanien, Österreich und Deutschland Mikwen von der Antike bis zur Gegenwart fotografiert.

ERSTMALIGE PRÄSENTATION IN EINER FOTOAUSSTELLUNG

In Zusammenarbeit mit den Jüdischen Museen Hohenems, Frankfurt am Main, Fürth und Wien wurde ausgehend von Seidels Foto-Projekt eine Ausstellung konzipiert, die nun als Wanderausstellung an verschiedensten Stationen gezeigt wird. Gegenwärtig wird sie vom Jüdischen Kulturmuseum in seiner Museumsdependance in der ehemaligen Synagoge in Augsburg-Kriegshaber präsentiert (noch bis 26. Juli). Ein Besuch dort lohnt ohnehin, denn die Zweigstelle des Museums wurde nach langem Leerstand erst im Mai letzten Jahres eröffnet und ist ein wichtiges Zeugnis der früheren jüdischen Geschichte Kriegshabers. Stufenweise wird das Angebot der Dependance ausgebaut und reicht von Workshops über Führungen, Ausstellungen und Vorträgen bis hin zu Konzerten.

EINTAUCHEN IN DIE WELT DER MIKWEN

Der Betrachter der Fotografien taucht, zumindest gefühlt, selbst in die faszinierende Welt der Mikwen ein. Durch die Abdunkelung des ehemaligen Kultraumes, in dem die Ausstellung aufgestellt ist, und das stete Plätschern einer Soundinstallation mit Geräuschen, die in einer Mikwe aufgenommen wurden, wird eine besondere Atmosphäre erzeugt und ein Sich-Einlassen auf die Fotografien ermöglicht. Für eine außergewöhnliche Strahlkraft sorgt zusätzlich die Präsentation der Bilder in hinterleuchteten Rahmen.

DIE MIKWE ALS QUELLE DER RITUELLEN REINHEIT

Das rituelle Eintauchen in eine Mikwe ist im Judentum tief verwurzelt und besitzt eine lange Tradition. Der Sinn der Reinigung im Tauchbad besteht in der (Wieder-)Herstellung einer kultischen Reinheit. Es gibt verschiedene Gründe für die rituelle Reinigung, beispielsweise die Berührung eines Toten. Traditionell wird der Besuch der Mikwe für Männer wie auch für Frauen vorgeschrieben. Bei Frauen soll das Tauchbad am Vorabend der Hochzeit, nach der Menstruation oder der Geburt eines Kindes erfolgen. Regelungen gibt es ebenfalls für die Beschaffenheit der Mikwe, für die nur „lebendiges“, d.h. fließendes Wasser wie Quell-, Grund- oder Regenwasser benutzt werden darf.

MIKWEN IN SCHWABEN

Ergänzt wird die Ausstellung von einer Plakatwand zu Mikwen in Bayerisch-Schwaben, durch die ein regionaler Bezug hergestellt wird. Einige Fotos und Erklärungen weisen auf die Bedeutung und Geschichte der Mikwen und deren Erhaltungszustand hin.

KUNSTVOLLE FOTOSERIE

Die kunstvollen Fotografien Peter Seidels machen den baulichen Motivreichtum, der sich von einer großzügigen Badewanne in Venedig bis hin zu dekorativ verzierten Kapitellen und tiefreichenden Schächten in Friedberg (Hessen) erstreckt, an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten erkennbar und erfahrbar.

Während der Ausstellung „Ganz rein! Jüdische Ritualbäder – Fotografien von Peter Seidel“ vom 14. Mai bis 26. Juli 2015 ist die Museumsdependance Ehemalige Synagoge Kriegshaber Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Sonntag von 13 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Eintritt in die Sonderausstellung: 3€; ermäßigt: 1,50 €. Adresse: Ulmer Straße 228, 86156 Augsburg. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen Sie die Dependance mit der Tramlinie 2, Haltestelle „Neusässer Straße“. Weitere Informationen unter www.jkmas.de oder Tel.: 0821-44428717.
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Weiterveröffentlichungen:

Unser "Plus" kennzeichnet alle Beiträge, die durch den Abdruck bei unseren Partnerverlagen noch mehr Aufmerksamkeit bekommen.neusässer | Erschienen am 04.07.2015
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