Ein Kapitel, das nie vergessen werden darf Ergreifende Literaturcollage im Bürgersaal anlässlich der Pogromnacht

Felicitas Samtleben bei der Ansprache zum ergreifenden Literaturabend

„Ein Volk versinkt in geistiger Umnachtung“ – Diese Zeile aus dem Gedicht „Große Zeiten“ von Erich Kästner umschreibt die Absurdität wohl am besten, die in der dunklen Zeit des Dritten Reiches in Deutschland um sich griff. Zum Gedenken an die Opfer des Holocausts hat Felicitas Samtleben von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit zu einer ganz besonderen Lesung nach einer Idee von Gudrun Erfurth eingeladen.

Mit der schweigenden Präsentation von Kinderzeichnungen aus dem KZ Theresienstadt begann die ergreifende Literaturcollage im Stadtberger Bürgersaal. Texte von Kurt Tucholsky bis Berthold Brecht lieferten die literarischen Vorlagen für die eindrucksvolle Darbietung von Daniela Nering und Anna Ottmann. Mit Essays, Briefen und kleinen Geschichten großer Schriftsteller zeichneten die beiden Schauspielerinnen ein umfassendes Bild des Unrechtregimes, welches in immer wieder neuen Blickwickeln einen verstörenden Einblick in das damalige Denken gab. Einspielungen von originalen Tonaufnahmen holten die verwirrte Zeit in einer höchst lebendigen Weise wieder in die Köpfe der Zuhörer zurück.
Die klagenden Akkordeonklänge von Vassilli Troutnev ergänzten stimmungsvoll die ausgesuchte Lyrik und Prosa. Jiddische Weisen wie „Donna Donna“ erinnerten an die seelischen Wunden der Opfer, wienerische Walzerklänge bekamen hinsichtlich Hitlers Annektion Österreichs eine ganz neue Bedeutung.

Die gesamte Veranstaltung war geprägt von Feingefühl und emotionalen Werten. Doch es waren keineswegs nur traurige Texte, denen hier Rechnung getragen wurde. Durchaus auch heitere Momente wurden von den Mitwirkenden auf sensible Weise in die Lesung mit eingeflochten. Zu keiner Zeit wurden die Gefühle der Gäste allzu peinlich berührt – und doch wurde an diesem Abend mehr als deutlich gemacht , dass dieses Kapitel aus der Geschichte Deutschlands niemals in Vergessenheit geraden darf.

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