„Das Harte unterliegt“ - Vorlesestunde mit Brecht-Lyrik am Stetten-Institut

Bild: Mangold
 
Foto: A. Lonnemann
Augsburg: Stetten-Institut | „Ich lese sehr gerne denjenigen etwas vor, die sich gerne etwas vorlesen lassen. Geben und nehmen, so passt das“, hatte Kurt Idrizovic geantwortet, als die Schulbibliothekarin Birgit Mangold angefragt hatte, ob der Buchhändler, Kulturschaffende und Brecht-Kenner am bundesweiten Vorlesetag am 20. November Schülerinnen des Stetten-Instituts vorlesen würde.

Zur Einstimmung hörten die Schülerinnen einer 10. Klasse das Brecht-Gedicht „Wie man Gedichte lesen muss“ und ein „Gedicht über das Gedicht“ von Andreas Altmann. Im Anschluss folgte eine Auswahl von politischer Lyrik wie beispielsweise „Fragen eines lesenden Arbeiters“ bis hin zur Liebeslyrik „An jenem Tag im blauen Mond September“ (Erinnerung an Marie A. = Marie Luise Amann).

Angereichert mit biographischen Notizen aus dem Leben Brechts stellte Idrizovic Bezüge zur Lebenswirklichkeit der Mädchen heute in Augsburg her, so beispielsweise mit dem Gedicht „Schiffschaukeln“ das eine Episode auf dem Augsburger Plärrer beschreibt. Auch Augsburg als Stadt des Wassers kann in Beziehung gesetzt werden zur „Ballade vom Wasserrad“, welche den Lauf des Lebens beschreibt und gesellschaftliche Strukturen darstellt.

Nachdenklich stimmte die „Ballade von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens“ (aus der Dreigroschenoper) sowie die „Kinderhymne“, welche als Botschaft gegen Krieg und Gewalt zu verstehen ist. Brechts Appell für ein friedliches Nebeneinander und Miteinander der Völker sei gerade heute hochaktuell, so Idrizovic.

Wie „Unwissende“ von den „Wissenden“ lernen können und diese aufgefordert werden, ihr Wissen weiterzugeben, das thematisiert die „Legende von der Entstehung des Buches Taoteking auf dem Weg des Laotse in die Emigration“. Hier erfuhren die Zuhörerinnen, wie es gelingen kann, das Harte zum Unterliegen zu bringen: „Das Wasser hat den harten Stein besiegt“

Mit seinem lebhaften und fesselnden Vortrag gelang es Kurt Idrizovic, für die Lyrik Bert Brechts zu werben und seine Zuhörerinnen zu begeistern. Auch die durchdachte Auswahl zeigte, dass es Idrizovic ein Herzensanliegen ist, die Gedanken Bert Brechts jungen Menschen näherzubringen. Diese „Vorlesestunde für Große“ regte zum Nachdenken an, und es wuchs bei den Schülerinnen die Erkenntnis, dass wir in unserer Demokratie heute privilegiert und dazu eingeladen sind, Gesellschaft mitzugestalten, mitzudiskutieren und uns aktiv einzubringen.

Das Stetten-Institut besteht aus einem Gymnasium mit sprachlicher und naturwissenschaftlich-technologischer Ausrichtung und einer Realschule unter einem Dach (Realschulzweige: Wirtschaft, Französisch, Kunst und Soziales). Die Schulen sind staatlich anerkannt und befinden sich in evangelisch-lutherischer Trägerschaft, verstehen sich aber ausdrücklich als offen für Schülerinnen aller Religionszugehörigkeiten. In Tradition ihrer Gründerin Anna Barbara von Stetten werden ausschließlich weibliche Schülerinnen aufgenommen. Heute besuchen rund 1.200 Mädchen und junge Frauen die beiden Schulen, die auf einem weitläufigen Grundstück in der Augsburger Innenstadt liegen. Zum breiten Angebot der Schule gehört eine Betreuung in Form der Offenen Ganztagsschule. In verschiedenen Projekten können Mädchen an den beiden Schulen forschen, musizieren, debattieren oder Theater spielen.
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