Bundestagsabgeordneter zu Besuch im Förderzentrum

Foto von links: Benedikt Lika, Barbara Schön, Volker Ulrich, Ralf Gallep, Carola König, Franz Feigl, Ingrid Lanz.
Barbara Schön, engagierte Mutter einer Brunnenschülerin, lud den Bundestagsabgeordneten Volker Ulrich zum Besuch in das Förderzentrum Brunnenschule ein und dieser kam dem Anliegen gerne nach. Ulrich zeigte sich beim Schulrundgang durch Schulvorbereitende Einrichtung (SVE) und Schulküche beeindruckt von der freundlichen, modernen Atmosphäre in Schwabens größter Förderschule.
Im Gespräch wurden einige Punkte angesprochen, die der Lebenshilfe auf den Nägeln brennen. Barbara Schön findet, dass „der Begriff der Lebenshilfe mehr nach außen kommen sollte. Wir wollen erreichen, dass die Lebenshilfe auch in Augsburg bekannter wird“. In der Stadt gebe es keine mit dem Förderzentrum vergleichbare Schule. Geschäftsführer Ralf Gallep sieht das genauso: „Wir sollten unser großes Einzugsgebiet, das Stadt und Landkreis Augsburg umfasst, besser aufzeigen.“
Die Brunnenschule verzeichnet seit Jahren steigende Schülerzahlen. Schulleiterin Ingrid Lanz betont, dass in der Einrichtung, inklusive der SVE, mittlerweile 300 Schüler unterrichtet werden. Etwa 120 kommen direkt aus Augsburg. Lanz bedauert, dass die Eltern aus dem Stadtgebiet in der Augsburger Presse zu wenig über die Schularbeit erfahren würden. Ein Grund sei der Standort in Königsbrunn. „Wir wollen darstellen, was unsere Kinder leisten können. Aus diesem Grund werden regelmäßig Infoveranstaltungen in der Schule abgehalten. Aber das reicht halt nicht.“ Die Brunnenschule kann in vielen Dingen punkten. Im Bereich Unterstützte Kommunikation beispielsweise gewinnen Gebärden und der Einsatz von modernen Geräten wie Talkern zunehmend an Bedeutung in der Schularbeit und finden auch über die Schule hinaus Eingang in der Offenen Behindertenarbeit und Werkstatt.
Ulrich kam in Begleitung von Bürgermeister Franz Feigl und Benedikt Lika. Letzterer ist Stadtrat in Augsburg und wegen des Morquio-Syndroms auf den Rollstuhl angewiesen. „Ich bin einer der Fälle gelebter Inklusion. Ich habe mein Abitur auf St. Stephan gemacht. In diesem Gymnasium wurde Inklusion schon sehr früh in den Alltag gebracht.“ Lika betonte, dass der Schulbesuch bei ihm ohne Schulbegleitung funktioniert habe.
Das ist aber die Ausnahme. Die Brunnenschule beschäftigt einige Schulhelfer, die sich unter anderem um Schüler mit sehr hohem Förderbedarf kümmern. „Unser Schulbegleiter unterstützen seit vielen Jahren auch die Regelschulen und betreuen Schüler in Einzelintegration“, informierte Schulleiterin Ingrid Lanz die Gäste über den Schulalltag.
Benedikt Lika kennt die aktuelle Situation an den Schulen. „Es braucht viel Fingerspitzengefühl in den Bereichen, in denen die Regelschule überfordert ist. Bei geistiger Behinderung braucht es meiner Erfahrung nach generell einen anderen Zugang. Und ganz schwierig ist es, wenn körperliche und geistige Behinderung zusammenkommen.“ Lika spricht sich deshalb für die Einführung von Campusschulen aus, wobei die einzelnen Schulen nicht gegeneinander ausgespielt werden sollten. „In den Campusschulen funktioniert Inklusion, nicht im mehrgliedrigen Schulsystem.“
Seit diesem Jahr ist die Flüchtlingsproblematik auch in der Brunnenschule angekommen. Schulleiterin Ingrid Lanz: „Wir betreuen Flüchtlingskinder aus Spanien, Syrien, Kosovo und Albanien. Sie werden von uns kurzfristig getestet. Wir führen Aufnahmegespräche in der Familie und organisieren einen Fahrdienst in die Schule. Lauter Aufgaben, die das allgemeine Schulsystem nicht leisten kann.“
Tagesstättenleiterin Carola König pflichtet ihr bei und bedauert, dass die Flüchtlingskinder aufgrund des Fürsorgeabkommens nicht in die Tagesstätte aufgenommen werden könnten. König betont, dass „die Lebenshilfe oft nur als Feuerwehr agiere“. Ihre 102 Mitarbeiter seien vollauf gefordert. Um alle Aufgaben ordentlich erledigen zu können sei aber zusätzliches Personal nötig. „Wir als Tagesstätte und Schule leisten großartige Elternarbeit, beispielsweise durch die Unterstützung von alleinerziehenden Müttern und umfängliche Beratungsleistungen durch die HPT.“
Ein weiterer Gesprächspunkt war der Bereich Wohnen. Das Angebot an behindertengerechten Wohnungen ist nicht nur in Augsburg äußerst knapp geworden. Geschäftsführer Ralf Gallep: „Hier ist dringender Handlungsbedarf erforderlich.“ Benedikt Lika ist überzeugt, dass „uns die Realität bald einholen wird“. Die zunehmende Emanzipation behinderter Menschen führe dazu, dass diese früh „weg vom Elternhaus“ wollen. Und dafür brauche es geeigneten Wohnraum und hier sei die Politik gefragt. Ulrich sagte zu, dass er sich in nächster Zeit das ambulant betreute Wohnen und das Wohnheim der Lebenshilfe in Haunstetten anschauen wolle, wenn möglich zusammen mit dem Landtagsabgeordnetem Johannes Hintersberger.
Abschließend bedauerte Ulrich, dass der Stellenwert von Behindertenpolitik in der Bundespolitik nicht überragend sei und „nicht ganz oben auf der Agenda“ stehe. Der Bundestag müsse sich zukünftig noch stärker mit der Thematik beschäftigen.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.