25 Jahre Volksmusikberatung und -forschung des Bezirks Schwaben

Christoph Lambertz M.A., der Leiter der Beratungsstelle für Volksmusik des Bezirks Schwaben wird fachlich unterstützt durch seine Mitarbeiterin Evi Heigl M.A. (Foto: Bezirk Schwaben)
 
Das prächtig restaurierte Hürbener Wasserschloss, Sitz der Beratungsstelle für Volksmusik in Schwaben. (Foto: Bezirk Schwaben)
Heute liegt in Krumbach (Lk Günzburg) das Kompetenzzentrum für alle Bereiche der musikalischen Volkskultur in Schwaben. Über 6.000 Interessierte sind in die Datenbank aufgenommen, nehmen regelmäßig Beratung in Anspruch und kommen zu den zahlreichen Seminaren oder Veranstaltungen.

Eine Zusammenfassung der Entwicklungsgeschichte der Volksmusikberatung und -forschung des Bezirks Schwaben gibt im Rückblick Christoph Lambertz M.A., Leiter der Beratungsstelle für Volksmusik in Schwaben.


Am 15. September 1990 standen der damalige Bezirkstagspräsident und Landrat Dr. Georg Simnacher und der langjährige Landtagspräsident Dr. Rudolf Hanauer vor dem frisch renovierten Hürbener Wasserschloss in Krumbach (Landkreis Günzburg), um es nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten seiner neuen Bestimmung zu übergeben: In diesem Gebäude sollte künftig die hauptamtliche Volksmusikforschung und Volksmusikpflege Bayerisch-Schwabens Einzug halten. Man feierte an diesem Tag die festliche Eröffnung der Volksmusik- und Trachtenberatungsstelle des Bezirks Schwaben sowie des Archivs für Volksmusik des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege.

Mit der Eröffnung einer eigenen Dienststelle wurde ein weiterer wichtiger Schritt in der Forschung und Pflege der Volksmusik in Schwaben getan. Zuvor schon hatte der Bezirk Schwaben 1965 - als erster Bezirk in Bayern - die Stelle eines hauptamtlichen Volksmusikpflegers geschaffen. Der Lehrer Michael Bredl aus Hindelang wurde für diese Aufgabe für einige Jahre von der Regierung von Schwaben vom Schuldienst freigestellt. Nach seiner Rückkehr bestellte der Bezirk Schwaben mehrere nebenamtliche Volksmusik- und Volkstanzberater, die in den verschiedenen Regionen Schwabens vor Ort tätig waren und auch heute noch die Arbeit der Volksmusikberatungsstelle unterstützen.

1979 wurde in Augsburg beim Bezirk Schwaben eine eigene Beratungsstelle für Volksmusik eingerichtet. Betreut wurde sie vom inzwischen pensionierten Michael Bredl. Ab 1985 übernahm dies der Leiter der Volkmusikabteilung des Landesvereins für Heimatpflege, Dr. Erich Sepp, der hierfür ein Mal in der Woche von München nach Augsburg kam. In dieser Zeit wurde auch der Grundstock für das Volksmusikarchiv gelegt.

Im Zuge der Fortschreibung des Bayerischen Musikplans beschloss die Bayerische Staatsregierung 1989, die Notwendigkeit der Einrichtung von Volksmusikberatungsstellen zu prüfen. Auf konkrete Vorschläge des Landesvereins für Heimatpflege e.V. hin und mit Unterstützung durch die Bezirke wurde in Bayern ein flächendeckendes Netz von Volksmusikeinrichtungen aufgebaut. Die erste davon war 1990 die Forschungs- und Beratungsstelle für Volksmusik in Schwaben. Damals übernahm Uwe Rachuth die Aufgabe des hauptamtlichen Volksmusikpflegers des Bezirks Schwaben. Dagmar Held betreut seither das Volksmusikarchiv des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege.

In den vergangenen fünfundzwanzig Jahren gingen von Krumbach viele musikalische Impulse auf die Volksmusikpflege in Schwaben aus. Die Ergebnisse der umfangreichen Sammlungsarbeit der Lied- und Tanzforschung wurden bei unzähligen Volksmusikseminaren an Interessierte weitergegeben. Die im Archiv gesammelten Instrumentalstücke werden laufend für den heutigen Gebrauch aufbereitet und veröffentlicht. Pünktlich zum Jubiläum erscheinen eine CD mit Musik zu in Schwaben überlieferten Großtanzformen, eine Sammlung Zwiefacher aus dem schwäbisch-alemannischen Raum und für Bläsertrios arrangierte Stücke aus dem Volksmusikarchiv.

Im Bereich der Volksmusikpflege wurde seit Beginn der 1990er Jahre die Entwicklung weg von einer Vorführkultur hin zu einer aktiven Erlebniskultur gefördert. Die Besucher von Volksmusikveranstaltungen sollten bei Gesang und Tanz aktiv miteingebunden werden. Mittlerweile haben sich Volkstanzabende, Offenes Singen und Musikantenstammtische als gängige Veranstaltungsformen etabliert.

Heute liegt in Krumbach das Kompetenzzentrum für alle Bereiche der musikalischen Volkskultur in Schwaben. Über 6.000 Interessierte sind in die Datenbank aufgenommen, nehmen regelmäßig Beratung in Anspruch und kommen zu den zahlreichen Seminaren oder Veranstaltungen. Die beiden Einrichtungen arbeiten mittlerweile in verschiedenen Häusern: Aus Platzgründen musste die Forschungsstelle des Landesvereins e.V. im Herbst 2002 vom Hürbener Wasserschloss in die Räume des Alten Rathauses am Marktplatz ziehen. Auch hat es im Laufe der Jahre einige personelle Änderungen gegeben. Im Wasserschloss sind mittlerweile Christoph Lambertz und Evi Heigl tätig, im Alten Rathaus Dagmar Held und Hansjörg Gehring. Die gedeihliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Stellen bezeugt das immer gemeinsam herausgegebene umfangreiche Jahresprogramm.


Zur Person
Christoph Lambertz, seit 2007 Leiter der Beratungsstelle für Volksmusik des Bezirks Schwaben, hat in Bamberg Ethnomusikologie studiert, spielt Klarinette und tritt in Franken ab und zu mit seiner „Kapelle Rohrfrei“ auf.
Der Volksmusikberater Christoph Lambertz freut sich als Vertreter der klassischen Volksmusik auch über die Öffnung der klassischen Volksmusik hin zu anderen Musikrichtungen, wie es mittlerweile von vielen Gruppen praktiziert wird: „Für mich darf Volksmusik eine große Bandbreite haben, auch weg von traditionellen Liedinterpretationen. Sie kann offen für fantasievolle Begleitungen sein und eignet sich auch für die Begegnung mit Jazz, Rock oder Weltmusik. Die verschiedenen Richtungen nehmen sich nichts weg, im Gegenteil: Sie bereichern sich!“

Information

Beratungsstelle für Volksmusik in Schwaben, Hürbener Wasserschloss, Karl-Mantel-Straße 51, 86381 Krumbach, Telefon 08282 62242; Fax -61999; volksmusik@bezirk-schwaben.de; www.volksmusik-schwaben.de
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