Zwei Aystetter Unparteiische bei der Retter-Olympiade

Die Johanniter-Kindermannschaft aus Marktoberdorf gestaltet ein Banner, auf dem sie darstellt, was ihre Gemeinschaft ausmacht. Florian Häberle (im roten T-Shirt) als Schiedsrichter achtet darauf, dass die Kinder dabei gut zusammenarbeiten.

Kiki Blechinger und Florian Häberle waren als Schiedsrichter beim Johanniter-Bundeswettkampf

Leipzig / Aystetten - Wenn in Leipzig die Johanniter sich bei der „Olympiade der Retter“ in Erste-Hilfe- und Rettungstechniken messen, sind viele Einsatzkräfte im Hintergrund beschäftigt, um den Bundeswettkampf reibungslos zu ermöglichen. Zwei erfahrene Rettungskräfte und Erste-Hilfe-Experten aus Aystetten sind als Schiedsrichter bei den Wettkämpfen vor Ort: Die 21-jährige Kiki Blechinger und ihr Partner Florian Häberle zählten zu den Unparteiischen, die darauf achteten, wer die besten Johanniter-Retter in ganz Deutschland sind.

Über 2 000 Johanniter waren am vergangenen Wochenende in Leipzig, aus allen Landesverbänden der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. mit ihren über 11 000 fest angestellten und weiteren 30 000 ehrenamtlich Aktiven und Jugendlichen sind die besten Jugend- und Rettungsdienstmannschaften zusammengekommen. Die besten Retter Deutschlands wurden gesucht. Während viele das Bach-Fest in Leipzig feiern, ermöglichen andere die Retter-Olympiade: Feldköche, Aufbau-Helfer, Gästebetreuer und viele Helfer mehr – alle Johanniter sind auf den Beinen, um im Ehrenamt das Johanniter-Fest zu gestalten. Für den Wettkampf sind aber vor allem die Unparteiischen wichtig. Bei jeder Wettkampfdisziplin passen sie auf, dass alle Regeln eingehalten werden und natürlich beurteilen sie auch die Leistungen der einzelnen Mannschaften wie in der Herz-Lungen-Wiederbelebung, in praktischen Fallbeispielen, in denen Verletzungen und Erkranken realitätsnah nachgestellt werden, oder auch beim Trageparcours, bei dem statt einem Verletzen ein Wassergefäß auf einer Krankentrage möglichst schnell und ohne Wasserverlust durch einen komplizierten Hindernisparcours befördert werden muss.

Zwei Schiedsrichter aus dem Johanniter-Regionalverband Schwaben hatten ein genaues Auge dafür, was die Wettkampfmannschaften – zu denen auch vier Mannschaften aus Augsburg und Marktoberdorf zählten – leisteten: Kiki Blechinger lebt mit ihrem Freund Florian Häberle in Aystetten. Die beiden haben sich bei ihrer Ausbildung zum Rettungssanitäter kennen gelernt. Er war bei den Baden-Württemberger Johanniter aktiv, sie seit vielen Jahren in Augsburg. Gemeinsam sind sie jetzt neben ihrer Ausbildung und ihrem Beruf ehrenamtlich in der Augsburger Johanniter-Mannschaft aktiv, insbesondere in der Erste-Hilfe-Ausbildung und bei Sanitätsdiensten im Rahmen von zahlreichen Veranstaltungen.

Beide sind erfahrene ehrenamtliche Erste-Hilfe- und Katastrophenschutz-Kräfte bei der Hilfsorganisation, sie haben auch die Lehrberechtigung für angehende Sanitäter und verfügen über zahlreiche Zusatzausbildungen wie z. B. in der Jugendarbeit. „Diese Kompetenzen und Erfahrungen aus dem Alltag wollten wir einbringen als Schiedsrichter“, erklärt Kiki Blechinger. Denn der Schwerpunkt bei der Johanniter-Olympiade liegt in der Praxis. Zwar müssen alle Teilnehmer an einem Theorietest teilnehmen, die meisten Punkte bekommen die Wettkämpfer aber in den praktischen Disziplinen. „Das ist wie im Alltag“, meint der 28-jährige Florian Häberle, „Man braucht das fundierte Wissen. Dann aber muss man die richtigen Handgriffe können, um Leben zu retten.“

„Ich musste im Theorie-Test unsere Kindern die Fragen vorlesen“, erzählt Kiki Blechinger, „und draußen retten unsere Kleinen bei den Fallbeispielen schon wie die Profis!“ Die Kindermannschaften aus der Johanniter-Jugend im Alter von sechs bis elf Jahren sind bereits beim Erste-Hilfe-Wettkampf angetreten. „Manche von unseren jungen Ersthelfern können noch nicht einmal lesen, aber sie wissen über Erste Hilfe bestens bescheid“, ist Blechinger stolz. Diese Erlebnisse waren für sie sehr beeindruckend, denn sonst zählte es vor allem zu ihren Aufgaben, die schriftlichen Prüfungen aller Alterskategorien zu überwachen und im Anschluss die Korrekturen vorzunehmen. Florian Häberle war währenddessen beim Kreativ-Test eingeteilt. Die Kinder mussten dort ihre Stärken als Gemeinschaft künstlerisch darstellen. Mit viel Farbe und Fantasie gestalten sie Banner, die ihre Johanniter-Gruppe als starkes Team darstellen sollten. Häberle achtete darauf, ob die Kinder gemeinsam ihre Idee entwickeln, wie sie als Gruppe zusammenarbeiten und wie sie ihre Überlegungen dann auf das Stoffbanner brachten. „Der Teamgeist ist bei dieser Prüfung für die Kinder das Wichtigste“, erklärt der ausgebildete Jugendgruppenleiter Florian Häberle.

Und wie haben die Mannschaften aus der Region beim Wettkampf abgeschnitten?
Die Kindermannschaft der Sechs- bis Elfjährigen aus Marktoberdorf belegte den 1. Platz, die Jugendmannschaft aus Marktoberdorf erreichte den 5. Rang. Die andere Jugendmannschaft aus Augsburg, die sich punktgleich mit den Marktoberdorfern beim Landeswettkampf 2008 für die Retter-Olympiade in Leipzig qualifizierte, holte den 8. Platz. Und nicht zuletzt kam die beste bayerische Rettungsdienstmannschaft aus Augsburg bei der bundesweiten Entscheidung auf den 3. Siegerrang. „Wir freuen uns mit den Mannschaften aus unserer Heimat über das tolle Abschneiden!“, sind Kiki Blechinger und Florian Häberle einig. Jetzt sind aber dann schon wieder gedanklich in 2010: Da findet der nächste Landeswettkampf der bayerischen Johanniter nämlich im Regionalverband Allgäu in Kempten statt. Da wollen beide wieder als Schiedsrichter dabei sein.

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