Unternehmen brauchen die Bundesstraßen

Studie von vier IHKs belegt hohe Bedeutung des Kurzstreckenverkehrs für die regionale Wirtschaft – 60 Prozent der Tonnage bleiben in der Region

Viele Bundesstraßen in Bayerisch-Schwaben und im angrenzenden Baden-Württemberg sind für die regionale Wirtschaft mindestens ebenso wichtig wie die Autobahnen – umso mehr müssen Schwachstellen nach Auffassung der Industrie- und Handelskammern (IHK) beseitigt werden. Im Quell- und Zielverkehr der Unternehmen werden auf den Bundesstraßen zum Teil ähnlich große Gütermengen bewegt wie auf den Autobahnen A 7, A 8 und A 96. Dies ist das zentrale Ergebnis einer Güterstromanalyse, welche die vier Industrie- und Handelskammern Bodensee-Oberschwaben, Ostwürttemberg, Schwaben und Ulm gemeinsam beim Institut Fraunhofer IIS (Nürnberg) in Auftrag gegeben hatten.

„Diese Erkenntnis hat uns in dieser Klarheit selbst überrascht“, erklärte Gerhard Pfeifer, stellvertretender Präsident der IHK Schwaben und Vorstand Wirtschaft des „Schwabenbund e.V.“.„Auf einigen dieser Straßen werden fünf bis zehn Millionen Tonnen Güter pro Jahr bewegt. Dies unterstreiche die Notwendigkeit eines leistungsfähigen Bundesstraßennetzes vor allem für produzierende Unternehmen mit einer hohen Arbeitsteiligkeit sowie für die Logistiker und damit letztlich für die Arbeitsplätze in diesem Raum“, betonte der Memminger Unternehmer.

Der Untersuchungsraum der Studie umfasst die vier IHK-Bezirke und im Kern das Gebiet des sogenannten „Schwabenbundes“, in dem sich Kommunen und Kammern entlang der Landesgrenze zusammengeschlossen haben, um gemeinsame Interessen zu formulieren.

Firmen: Engpässe müssen beseitigt werden

Mit dem Ergebnis der Studie sehen die IHKs sich in ihrer Haltung zum Bundesverkehrswegeplan 2030 (BVWP) bestätigt, der im Spätsommer ins Bundeskabinett geht. In ihren Stellungnahmen hatten sie sich mit Nachdruck für eine Beseitigung zahlreicher regionaler Engpässe eingesetzt.

Gestützt wurde das Gutachten durch die Aussagen von mehr als 500 Unternehmen, die unter anderem aus der täglichen Praxis Engpässe benannt haben. Jeweils rund ein Drittel der Unternehmen klagt demzufolge über regelmäßige „tageszeitabhängige Störungen (rush hour)“ oder über „mangelnde allgemeine Kapazitäten“ vor allem auf der Straße. Neben Baustellen wurden vor allem die Autobahnen A 7 und A 8 sowie die Bundesstraßen B 29 und B 30 genannt.

„Angesichts der vom Bundesverkehrsministerium prognostizierten Verkehrszunahme im Straßengüterverkehr von 38 Prozent bis 2030 erwarten wir von der Politik, die Bundesverkehrswege in der Region bedarfsgerecht auszubauen“, folgert Pfeifer.

Enge Verflechtung der Wirtschaft in der „Schwabenbund“-Region

Die in der Güterstromanalyse ermittelten Transportmengen zeigen die Bedeutung der Kurzstreckenverkehre und damit die enge Verflechtung der Wirtschaft: Rund 60 Prozent der innerhalb der Untersuchungsregion beladenen Tonnagen haben auch ihr Ziel in diesem Raum. In das restliche Baden-Württemberg und Bayern fließen jeweils knapp acht Prozent der Belademengen, in die weiteren Bundesländer nur insgesamt sechs Prozent. Rund ein Sechstel der Tonnage geht ins Ausland, vor allem nach Süden (Österreich, Schweiz, Italien, Frankreich).

Die Straße ist dominant; im Bahn-Verkehr sind Augsburg und Ulm stark

Im Quell- und Zielverkehr der Region ist die Straße mit großem Abstand der wichtigste Verkehrsträger: Mehr als 98 Prozent der Gütermengen werden mit dem Lkw transportiert. Bei der Tonnage im Schienengüterverkehr liegt die Region mit einem Anteil von nur 1,5 Prozent (ohne Transit) erheblich unter dem Bundesdurchschnitt (acht Prozent). Auffallend hierbei: Es werden annähernd doppelt so viele Güter in der Region über die Schiene entladen wie die Region über die Schiene verlassen. Ursache dafür sind vor allem Transporte von Massengütern, bei denen die Region „Importeur“ ist, insbesondere Mineralölprodukte. Mehr als ein Drittel der Tonnagen im Bahn-Zielverkehr der Region geht nach Augsburg – ein Beleg für die Bedeutung und Leistungsfähigkeit der Augsburger Localbahn, die dort die Feinverteilung in einem innerstädtischen Netz übernimmt.

Seehafen-Hinterlandverkehr fast zur Hälfte auf der Schiene

Ebenfalls stark ist das Container-Terminal im Ulmer Norden, wo die umgeschlagene Menge mit annähernd 100 000 Containern pro Jahr mittlerweile fast vier Mal so groß wie bis vor zehn Jahren am alten Standort im Stadtgebiet Neu-Ulm, der mit dem Bahnprojekt „Neu-Ulm 21“ nach Ulm-Nord verlagert worden war. Daneben betreibt BSH Hausgeräte (Bosch) in Giengen/Brenz ein eigenes Bahn-Terminal für die Standorte Giengen und Dillingen.

Mit dem Container-Verkehr zeigt die Bahn ihre Stärke vor allem in den Transporten von und zu den Seehäfen. Von der Gesamttonnage aus der Region nach Hamburg und Bremen wird jeweils rund die Hälfte auf der Schiene transportiert, bei den ankommenden Mengen sind es 44 Prozent. Ein mögliches Potenzial für ein denkbares weiteres Container-Terminal sieht die Studie im Raum Allgäu/Bodensee für einzelne Gütergruppen im Verkehr nach Frankreich, Österreich sowie Italien, sofern es gelinge, zehn Prozent der aktuell auf der Straße dorthin laufenden Mengen auf die Bahn zu verlagern. Daneben haben bei den ankommenden Gütern noch Kokerei-, Mineralöl, Kohle, und Erdgas Bahn-Anteile zwischen 24 und 41 Prozent.

„Schwäbische Wirtschaft braucht neues Kombi-Terminal in Augsburg“

„Die Erfolgsgeschichte des Terminals in Ulm macht deutlich, wie dringend Bayerisch-Schwaben den Neubau eines Container-Bahnhofs im Güterverkehrszentrum Augsburg braucht“, unterstreicht der stellvertretende IHK-Präsident Pfeifer. Während der Bahn-Güterverkehr bis 2030 um 43 Prozent wachsen soll, geht der Bund in seiner BVWP-Prognose davon aus, dass der kombinierte Verkehr (Container) doppelt so stark um rund 80 Prozent zulegen wird, getrieben durch den Seehafen-Hinterland-Verkehr. „Das zeigt, wie dringend die Region den Zugang zu den internationalen Transportwegen braucht“, so Pfeifer. „Es darf nicht länger sein, dass schwäbische Unternehmer ihre Container mangels Kapazität in Augsburg zum Verladen nach München bringen müssen und anschließend diese Züge durch Augsburg fahren sehen.“

Eine der deutschen Top-Logistik-Regionen

Bereits eine frühere Studie von Fraunhofer hatte 2009 den Raum Schwaben zwischen Ulm, Augsburg und Kempten als eine von 18 bundesdeutschen „Top-Logistik-Regionen“ identifiziert. Dies hatte maßgeblich dazu beigetragen, dass Unternehmer aus den Verkehrsausschüssen der IHKs Schwaben und Ulm den „Logistik-Cluster Schwaben“ (LCS) gegründet haben.
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