Stabwechsel in der Kämmerei des Bezirk Schwaben: Martin Seitz folgt auf Heinz Liebert

Heinz Liebert (l.) und Martin Seitz
„Er prägte vier Jahrzehnte Bezirksgeschichte mit“, mit diesen Worten würdigte Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert den beruflichen Einsatz von Heinz Liebert für den Bezirk Schwaben. Der Kämmerer und Leiter der Finanzverwaltung geht nun in den Ruhestand. Sein Nachfolger Martin Seitz ist bereits seit Januar 2015 beim Bezirk tätig. „Uns war ein nahtloser Übergang wichtig“, so Reichert beim heutigen „Stabwechsel“ im Rahmen der letzten Bezirkstagsitzung vor der Sommerpause.

Im vergangenen Jahr beging der Bezirk Schwaben sein 60jähriges Jubiläum. Vier Jahrzehnte davon hat Heinz Liebert miterlebt, davon über ein Vierteljahrhundert in der zentralen Funktion des Kämmerers. Jetzt geht der Meitinger, einer der dienstältesten kommunalen Finanzverwalter in Bayern, in den Ruhestand - und könnte nun wahrscheinlich Bände mit Bezirksgeschichten füllen. Doch für Ausflüge in die Vergangenheit bleibt Liebert auch künftig wenig Zeit - vielmehr ist der 65jährige, der mit 16 Jahren seine Leidenschaft für die Kommunalpolitik entdeckt hat, schon seit Jahrzehnten auch im politischen Ehrenamt aktiv: Als Marktgemeinderat in Meitingen - dort lange Jahre auch als zweiter Bürgermeister - und seit 1998 im Kreistag des Landkreises Augsburg, zudem ist Liebert inzwischen erster Stellvertreter des Landrates.

Seine Verbindung mit allen drei kommunalen Ebenen - Gemeinde und Landkreis im Ehrenamt, beruflich mit dem Bezirk - war Liebert stets wichtig: „Man darf gerade als Kämmerer den Bezirk nicht als Solitär sehen: Schließlich ist die Umlage von den Landkreisen und kreisfreien Städten die hauptsächliche Einnahmequelle des Bezirks“. Eine zweite Maxime seines beruflichen Wirkens war: „Der verantwortungsvolle Umgang mit den uns anvertrauten öffentlichen Geldern - denn am Ende zahlt die Zeche immer der Bürger.“

Im positiven Sinne konservativ - „finanziellen Modeerscheinungen bin ich als Kämmerer nie nachgerannt“ -, aber nicht stromlinienförmig: Die Geschichte um seine „Anordnungsverweigerung“ als junger Inspektor ist beinahe schon legendär. Als Liebert 1974 beim Bezirk anfing, sollte er auf Geheiß seines damaligen Chefs ein Paket Aktien wegwerfen, die der Vorläufer des Bezirks in den 1930er Jahren erworben hatte. Man erachtete die Papiere als wertlos, weil das Unternehmen mittlerweile in der DDR lag. „Ich habe aber immer gewusst, dass das Pulverfass DDR irgendwann platzen würde - und die Aktien verwahrt“, so Liebert. Eine weitsichtige Handlung: Denn nach der Wende gab es die Handwerksbau AG Thüringen immer noch – und so hält der Bezirk Schwaben bis heute 19 Prozent an der Wohnungsbaugesellschaft. Ein Beispiel dafür, so Liebert, „dass man als Kämmerer nicht nur ein Gespür für Zahlen, sondern auch die Fähigkeit, politisch mitzudenken und vor allem auch Rückgrat braucht.“

Denn die Verantwortung ist groß und in finanzieller Hinsicht von Jahr zu Jahr gestiegen: „Ich habe täglich 2 Millionen Euro ausgegeben“, sagt Heinz Liebert leicht scherzend. In den 41 Jahren beim Bezirk hat er nicht nur eine Währungsumstellung und drei Bezirkstagspräsidenten erlebt (Josef Fischer, Dr. Georg Simnacher und seit 2003 Jürgen Reichert), sondern vor allem den steten Aufgabenzuwachs beim Bezirk und damit auch eine ständig steigende Haushaltverantwortung. „Vor 40 Jahren umfassten die Ausgaben im laufenden Betrieb rund 80 Millionen Euro, damals also etwa 160 Millionen Mark“, erzählt Liebert, „heute haben wir einen Verwaltungshaushalt mit einem Volumen von rund 660 Millionen Euro“. Vor vier Jahrzehnten lagen die Sozialausgaben bei 37 Millionen Euro, inzwischen sind es 615,3 Millionen Euro. Doch unabhängig von den Größenordnungen: Der „Herr der Zahlen“ überlässt seinem Nachfolger Martin Seitz einen gut bestelltes Zahlenwerk.
Bereits seit Januar 2015 ist Martin Seitz in der Finanzverwaltung des Bezirk Schwaben tätig und wird nun die Position von Heinz Liebert übernehmen. Der 47jährige Augsburger ist, wie er von sich selbst sagt, „mit Leib und Seele Kommunalbeamter, weil man auf der kommunalen Ebene etwas bewegen kann.“ So ist Martin Seitz denn auch seit fast 30 Jahren im öffentlichen Dienst tätig, von dessen Innovationskraft er überzeugt ist. „Es sind insbesondere die kommunalen Ebenen, die für unser aller soziales, wirtschaftliches und kulturelles Wohl Verantwortung tragen“, sagt der neue Bezirkskämmerer. Aufgrund seiner vorhergehenden Tätigkeit als Kämmerer im Landkreis Augsburg war ihm der Bezirk Schwaben bereits vertraut, „aber natürlich sind das größere Haushaltsvolumen, die neue räumliche Zuständigkeit für ganz Schwaben und die neuen Inhalte auch eine Herausforderung“.

Martin Seitz absolvierte 1988 das Fachabitur an der Staatlichen Fachoberschule Augsburg und anschließend das Studium zum Diplom-Verwaltungswirt (FH) an der Bayerischen Beamtenfachhochschule. Zudem qualifizierte er sich an der Bayerischen Verwaltungsschule zum Verwaltungsbetriebswirt und zum Controller weiter. Ab 1992 bis Ende 2014 war Martin Seitz - mit einer zweijährigen Unterbrechung als stellvertretender Werkleiter beim Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises - direkt beim Landratsamt Augsburg tätig, ab 2007 dort als Kreiskämmerer und als Leiter der Kreisfinanzverwaltung. Zudem war er ab 2007 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der schwäbischen Kreiskämmerer und Kassenverwalter: „Da kam ich mit dem Bezirk Schwaben aus Sicht der Umlagezahler natürlich in Berührung“, so Martin Seitz.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.