„Pilze, rudern!“ – Paddelurlaub auf der Drau

Nürnberg aus der Luft
 
Die Innenstadt von Budapest

Einen Sommerurlaub der besonderen Art erlebte ich mit meiner Freundin in den ersten beiden Juliwochen: eine Kanufahrt auf 202 Kilometern der Murau und der Drau an der Ungarisch-Kroatischen Grenze – mitten durch einen Nationalpark. Und so war’s:

Die Idee zu diesem etwas ungewöhnlichen Urlaub kam von gemeinsamen Freunden aus Budapest. Sie hatten eine kleine Zwei-Mann-Firma ausgemacht, die geführte Rudertouren auf Donau, Theiß, der Rába und der Drau anboten. Nach anfänglichen Bedenken freundeten wir uns mit dem Gedanken immer mehr an und so ging es schließlich am 1. Juli mit Air Berlin von Nürnberg nach Budapest, wo wir spät abends von András und Timea vom Flughafen Ferihegy abgeholt und mitten in die Stadt in die gemeinsame Wohnung verfrachtet wurden. Der Montag stand dann ganz unter dem Zeichen „Sightseeing in Budapest“ bei mörderischen 36 Grad, bevor es Dienstag Mittag zunächst mit dem Zug vorbei am wunderschönen Plattensee ganz in den Süden Ungarns ging, nach Nagykanizsa. Von dort mussten wir noch einen Überlandbus ins entlegene Grenzdörfchen Muraszeménye nehmen. Eine anstrengende Reise mit all dem Gepäck für 10 Tage Natur! Dafür konnten wir mehr und mehr andere bepackte Menschen entdecken, die in diesem Niemandsland definitiv das gleiche Ziel haben mussten wie wir. So konnten wir schon erste Kontakte zu den ersten der insgesamt 35 Teilnehmer knüpfen und den letzten Fußmarsch von 5 Kilometern zum Treffpunkt an der Murau gemeinsam meistern. Kaputt von der Reise ging es schnell zum Schlafen ins Zelt.

Der nächste Morgen begann mit einer Überraschung: Regen! Doch in der Hoffnung, dass dieser nur von kurzer Dauer sein würde, begannen wir halbwegs motiviert unsere erste Etappe von 44 Kilometern bis zur Mündung der Drau. Wie schrecklich 5 Stunden Rudern bei 15 Grad Lufttemperatur und vollkommen durchnässt sein können, wussten wir zum Glück nicht, sonst hätten wir an diesem Tag das Boot sicher nicht bestiegen, aber als wir abends im Zelt lagen und der Regen auf die Außenhaut prasselte, waren wir uns einig, dass dies einer der schlimmsten Tage überhaupt war, die wir bisher erlebt hatten. Anderen Teilnehmern ging es ähnlich und so schrumpfte unsere Gruppe bereits am ersten Tag auf 25 Leute. Doch am nächsten Morgen: Sonne! Schwer zu beschreiben, wie sehr der blaue Himmel für ein Glücksgefühl sorgte, als wir uns aufmachten zur zweiten Etappe. Die nächsten Tage waren dann geprägt von brütender Hitze, wunderschönen Sonnenauf- und Untergängen, seltsamen Besuchen in seltsamen Kneipen in abgelegensten Grenzdörfern, Essen am Lagerfeuer und nicht zuletzt wundervoller Natur: Adler, Schwarzstörche, ohrenbetäubende Froschkonzerte, Eisvögel, Gottesanbeterinnen. Flussbette voll mit brütenden Vögeln – man sich manchmal vor wie in einem übergroßen Tierpark. Geflügeltes Wort wurde der Satz: „Pilze, rudern!“, wenn sich vor dem Kanu mal wieder gefährliche Strudel auf dem insgesamt recht schnellen Fluss aufbauten.

Als ob sich der Kreis schließen sollte, landeten wir am letzten Tag wieder bei kühlem Wetter (aber diesmal blieb der gefürchtete Regen aus!) erschöpft aber glücklich in Drávaszabolcs, wo wir uns traurig vom Rest der Gruppe und unserem geliebten Kanu „Kötye“ verabschiedeten, welches uns in den letzten acht Tagen genau 202 Kilometer den Fluss hinabgetragen hatte. Mit einem Überlandbus ging es dann in die Universitätsstadt Pécs (140.000 Einwohner). Weil inzwischen die Sonne wieder schien, entscheiden wir uns zu viert spontan für eine weitere Nacht in dieser Stadt. Ein kleines Zimmer für 10 Euro pro Kopf erleichterte die Entscheidung dabei ungemein. Natürlich ging es am Abend erst einmal ordentlich Essen und Cappuccino Trinken! Am nächsten Tag hieß unser Ziel wieder Budapest. Nach drei Stunden Zugfahrt kamen wir schließlich abends in Ungarns Hauptstadt wieder an und wir merkten, wie sehr uns die zwei Wochen in der Wildnis verändert hatten: Alles kam uns laut, stinkend und hektisch vor!

Am nächsten Tag hieß es dann wieder Abschied nehmen von unseren Ungarischen Freunden. Ohne es zu wollen, stellten wir dabei wahrscheinlich einen Weltrekord im Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf: Vom Verlassen der Wohnung in Budapest bis zur Ankunft in der Wohnung in Augsburg vergingen gerade mal 6 Stunden und das, obwohl wir mit dem Zug von Nürnberg zurückfahren mussten!

Wer möchte, kann sich auf der Seite http://www.vizilo-vizitura.hu/keptar/index.php noch weitere Bilder ansehen. Leider alles auf Ungarisch, aber Bilder sprechen ja eine universale Sprache!

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Ursula Schriemer aus Greifenberg am 17.07.2007 um 11:25 Uhr  
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