„Er wird wieder laufen können.“ - Johanniterin Claudia Doenitz leistet Erste Hilfe bei einem Verkehrsunfall - und die Angehörigen danken ihr über das

Claudia Doenitz (Mitte, knieend) versorgt bei einer Rettungsdienst-Forbildung einen Patienten. Regelmäßig ist sie als ehrenamtliche Rettungssanitäterin bei den Augsburger Johannitern im Einsatz.

Ein Verkehrsunfall, verletzte Personen, schnelle Hilfe ist erforderlich. Das kennt Claudia Doenitz. Seit über dreizehn Jahren ist sie als Rettungssanitäterin und Erste-Hilfe-Ausbilderin bei den Johannitern aktiv. „Doch dieses Mal war ich auf mich allein gestellt, hatte keinen Rettungswagen oder Notarzt sofort vor Ort.“ Claudia Doenitz war beruflich auf der Autobahn A92 unterwegs, als sie am vergangenen Dienstag bei einem schweren Unfall plötzlich als Ersthelferin gefordert war. Am Wochenende wurde sie von den Angehörigen des Verletzten über das Internet kontaktiert, das Unfallopfer ist im Krankenhaus und auf dem Weg der Besserung. „Die Angehörigen dankten mir für die Hilfe. Das ist ein tolles Gefühl“, freut sich Claudia Doenitz.

Über das Internetportal XING haben die Angehörigen Kontakt zu Claudia Doenitz aufgenommen: „Waren Sie diejenige, die meinen Bruder gerettet hat?“, war die erste Frage. Doenitz erinnerte sich sofort an den Unfall, und sie war so sehr erfreut, dass sie offenbar helfen konnte. „Ja“, antwortete sie und steht nun im Austausch mit der Familie. „Wenn ich ehrenamtlich im Rettungsdienst mit den Johannitern unterwegs bin, weiß ich ja meist, ob und was ich bewirken konnte“, erzählt Rettungssanitäterin Claudia Doenitz. „Als Ersthelferin hat mir das Feedback, was danach im Krankenhaus passierte, schon gefehlt. Vor allem, weil es ja der Schwere der Verletzungen zum Trotz positiv verlaufen ist.“

Was war geschehen? Am Dienstag war Claudia Doenitz nach Passau auf der A 92 unterwegs, als sie ein Fahrzeug im Straßengraben liegen sah. Zwei Ersthelfer waren vor Ort, ein Fahrer mit seinem Kleintransporter war auch in den Unfall verwickelt. Sofort brachte Doenitz ihr Auto zum Stehen, stieg aus und verschaffte sich einen Überblick über die Unfallsituation, die erst vor wenigen Sekunden zustande kam. Sie ging zum Unfallauto und sah einen Mann kopfüber auf dem Beifahrersitz liegend, den Rücken auf der Sitzfläche, die Beine auf der Rückbanklehne, den Kopf im Fußraum. „Sofort wusste ich, dass wir jetzt alle schnell helfen müssen“, erzählt die 30-Jährige. Während sie die psychische Betreuung und die medizinische Erstversorgung übernahm, sicherten die zwei anderen Ersthelfer die Unfallstelle und alarmierten die Rettungskräfte. Doenitz kümmerte sich um den Verletzten, erklärte ihm die Situation, hat den Blutdruck – Claudia Doenitz hat eine kleine Sanitätstasche zusätzlich zum Verbandkasten im Auto – gemessen und eine Rettungsdecke über den Verletzten zum Wärmeerhalt ausgebreitet. „Eigentlich wollte ich den Verletzten im Auto lassen und von den Rettungskräften befreien lassen“, erinnert sie sich. Nach fünf Minuten bekam der Verletzte plötzlich keine Luft mehr, er begann unruhig zu werden, klagte über starke Schmerzen und versuchte, sich aus seiner unbehaglichen Lage zu befreien. Claudia Doenitz wusste: „Er ist kopfüber im Auto, er kriegt keine Luft – jetzt muss er dringend raus.“

Sie wies einen zweiten Ersthelfer ein, was tun war, und beide gemeinsam holten den Verletzten „achsengerecht“ mit dem Rautekgriff, wie man ihn im Erste-Hilfe-Kurs lernt, aus dem Fahrzeug. „Dem Patienten ging es gleich besser, ich konnte ihn beruhigen. Immer wieder sagte ich, dass der Rettungsdienst gleich kommen wird“, sagt Claudia Doenitz. Die Minuten verstrichen aus der Sicht der Ersthelferin langsam, „es war eine gefühlte Ewigkeit“. Immer wieder dachte die Rettungssanitäterin, „dass doch endlich die Kollegen kommen sollen“. Eine ganz andere Situation war dies für die ehrenamtliche Rettungssanitäterin, sonst bemüht sie sich selbst, immer möglichst schnell und sicher zum Unfallort zu kommen. Die ganze Zeit über betreute sie den Patienten intensiv, erklärte ihm alles, was passiert. „Auch als der Rettungsdienst eintraf, blieb ich beim Patienten und leistete die psychische Betreuung. So konnten die Rettungskräfte in Ruhe arbeiten“, weiß die Johanniterin Claudia Doenitz. „Ich habe instinktiv gehandelt, weil ich ja auch kaum Material vor Ort hatte. Die Betreuung stand für mich im Vordergrund.“

Als der Patient im Rettungswagen war und schon Medikamente erhalten hatte, fragte er Claudia Doenitz nach ihrem Namen. „Eigentlich wollte ich ihn gar nicht nennen, mir ging es um sein Wohl – mehr nicht.“ Aber er fragte nochmals, sie sagte ihm ihren Namen, „aber ich dachte, dass er sich in all dem Chaos und unter Einfluss der Medikamente sowieso nicht mehr daran erinnern wird.“ Da hat sich die Johanniterin getäuscht. Der Patient verpflichtete die Rettungskräfte, Doenitz’ Namen aufzuschreiben und ihm zu geben. Nur so konnten jetzt die Angehörigen Claudia Doenitz kontaktieren, wovon sie sich „sehr geschmeichelt“ fühlt, erzählt die bescheidene Johanniterin. „Ich habe den Einsatz in der letzten Woche oft reflektiert. Es ist etwas ganz anderes als im Rettungsdienst“, überlegt Claudia Doenitz: „Du hast kein Team, du hast kein Material, du müsst einen anderen Ersthelfer anweisen, es ist kein Notarzt da.“ Sie hat sich nur eines in der Situation gewünscht: „Der Rettungsdienst soll schnell da sein.“ Er brauchte rund zwanzig Minuten. Auch als erfahrene Rettungssanitäterin hatte sie Angst, „dass der Patient aufhört zu atmen. Ich hätte ja mit wenig Equipment auskommen müssen.“

Eine besondere Situation, die sie noch nicht kannte, war dieser Einsatz für Claudia Doenitz. Über dreizehn Jahre ist sie bei den Johannitern im Ehrenamt, noch nie musste sie Erste Hilfe leisten, ohne ihren Rettungswagen oder ihr Team bei sich zu haben. Dennoch freut sie sich, dass der Patient auch dank ihrer Hilfe auf dem Weg der Besserung ist. Zwar wird er noch intensivmedizinisch betreut, eine zweite Operation steht an, wie die Angehörigen ihr berichtet haben. „Er lebt und er wird laufen können“, glaubt auch Claudia Doenitz nach den Berichten der Angehörigen. Darüber freut sich die engagierte Johanniterin, sie weiß, warum sie als Rettungssanitäterin und Erste-Hilfe-Ausbilderin nun schon so lange ehrenamtlich aktiv ist.

Claudia Doenitz betont aber zugleich: „Man muss kein Rettungssanitäter sein, um richtig Erste Hilfe leisten zu können. Jeder kann helfen!“ Davon ist die Fachausbilderin für Erste Hilfe bei den Johannitern überzeugt. „In unseren Kursen vermitteln wir die richtigen Handgriffe, um Verletzten und akut Erkrankten mit einfachen Mitteln helfen zu können, bis Rettungsdienst und Notarzt eintreffen.“ Gerade als sie jetzt als Ersthelferin bei dem Unfall geholfen hatte, ist ihr aufgefallen, dass viele Menschen „nur vorbeifahren, gaffen und nicht für ihre Mitmenschen da sind“. Beinahe hätte es während der Rettungsarbeiten noch einen Folgeunfall gegeben.“ Das ärgert sie, denn vielen Menschen könnte mit richtiger Erste Hilfe – „gerade nicht nur durch Rettungsprofis, sondern auch durch geschulte Laien“ – geholfen werden. Die ehrenamtliche Johanniterin Claudia Doenitz meint: „Man sollte alle zwei Jahre einen Kurs besuchen, damit man immer fit in Erster Hilfe bleibt. Denn der nächste Unfall kann schneller kommen, als man erwartet – auf der Autobahn oder auch in der eigenen Familie.“

Mehr Informationen rund um die Ausbildung in Erster Hilfe gibt es online auf www.johanniter-augsburg.de. Dort kann man sich auch direkt zum Kurs anmelden. Eine Auswahl an Erste-Hilfe-Tipps haben die Johanniter auch auf dem Internetportal www.neue-erste-hilfe.de zusammengestellt.

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