Behinderte Kinder und Jugendliche aus Suceava bewältigten das Abenteuer einer Reise nach Augsburg

(Foto: Florian Pittroff)
 
(Foto: Florian Pittroff)
Zwei Tage hat die knapp 2000 Kilometer lange Fahrt mit zwei Kleinbussen gedauert: Acht behinderte Kinder und Jugendliche, darunter auch drei Autisten, kamen mit ihren Begleitern aus dem rumänischen Bezirk Suceava, der Partnerregion „Bukowina“ des Bezirks Schwaben nach Augsburg. Sie wollten sich im Bezirk Schwaben ein Bild davon machen, wie dort die Arbeit mit Menschen mit Behinderung geschieht, sich mit anderen austauschen und nicht zuletzt auch den Schwabentag des Bezirks besuchen, der als „Tag der Begegnung“ die Inklusion von Menschen mit Behinderung zum Thema hatte.

Behinderte Kinder und Jugendliche sind begeistert

Zu der rumänischen Delegation gehörten Fachleute von der Generaldirektion für den Kinderschutz bei der Bezirksverwaltung und Jugendliche mit ihren Betreuern von zwei Einrichtungen in Suceava. Ionel Ivan, Leiter des Kinderheims „Blijdorp“ in Suceava und Olga Ivanovici, Leiterin des Kinderheims in Gura Humorului begleiteten die jungen Leute. Die Einrichtung in Gura Humorului kooperiert auch seit vielen Jahren mit der St. Gregor-Jugendhilfe in Augsburg.

Es hat schon was von einer Mammutaufgabe für die Betreuerinnen und Betreuer, mit behinderten Kindern diese lange und beschwerlicheFahrt auf sich zu nehmen. Doch etwaige Befürchtungen, es könnte den Kindern und Jugendlichen zu viel werden, waren fehl am Platz. „Manche Kinder waren zum ersten Mal im Ausland - alle haben es aber trotz der Strapazen gut überstanden und sich sehr über die Reise gefreut!“, so Ionel Ivan. Laut Olga Ivanovici waren „die Kinder glücklich und gleichzeitig sehr aufgeregt über das, was da auf sie zukommt. Auch für die autistischen Kinder war es kein Problem. Es hat alles reibungslos geklappt“.

Zum Programm in Schwaben gehörte auch ein Informationsbesuch in den Augsburger Ulrichswerkstätten. Bei einem Rundgang bekamen die ausländischen Gäste einen Eindruck von den vielfältigen Arbeitsangeboten: Die Wäscherei, in der täglich Wäsche für Augsburger Krankenhäuser und Seniorenheime gereinigt wird, differenzierte Montagegruppen, eine hochmoderne Metallverarbeitung oder die Großküche. „Eine beeindruckende Einrichtung“, sagt Olga Ivanovici.

Gura Humorului nicht mit Augsburg vergleichbar

Die Ulrichswerkstätten im Hochfeld bieten 300 Arbeitsplätze für behinderte Menschen an, davon stehen 70 Plätze für Menschen mit psychischer Erkrankung zur Verfügung. „Wir arbeiten als zuverlässiger Partner für verschiedenste Unternehmen im Großraum Augsburg“, so Einrichtungsleiter John Grimm. Gura Humorului in Rumänien sei natürlich nicht mit Augsburg zu vergleichen. Zwar können die Kinder auch hier einen Beruf erlernen. „Leider fehlt uns, im Gegensatz zu Augsburg, der Kontakt zu Firmen“, erläutert Olga Ivanovici die Problematik. „Wir sind gemeinnützig und dürfen keinen Gewinn machen“. Dennoch lässt man sich nicht unterkriegen, sucht sich alternative Wege um an Beschäftigungsmöglichkeiten und an Spenden für die Kinder und Jugendlichen zu kommen.

Der Bezirk Schwaben engagiert sich

Der Informationsbesuch fand auf Einladung des Bezirks statt, dessen Zusammenarbeit mit der rumänischen Partnerregion auf drei „Säulen“ fußt. Die praktische Partnerschaftsarbeit ist im Europabüro des Bezirks Schwaben angesiedelt. Als Anlaufstelle für alle Bürgerinnen und Bürger stellt es Verbindungen zwischen Schulen, Vereinen, Gemeinden und Berufsverbänden her, unterstützt den Jugendaustausch sowie Praktika für Schüler und Studierende. Auch unterhält es eine „Info-Stelle“ in der rumänischen Bezirkshauptstadt Suceava, wo unter anderem ein deutschsprachiges kulturelles Angebot für alle angeboten wird.

Bei Projekten mit sozialem Schwerpunkt arbeitet das Europabüro eng mit dem „Hilfswerk Schwaben-Bukowina e.V.“ zusammen, das vom Bezirk Schwaben 1996 gegründet wurde. Der Verein agiert hier schnell, unbürokratisch und individuell bei der unmittelbaren Hilfe für bedürftige, kranke und unverschuldet in Not geratener Menschen und unterstützt psychiatrische Einrichtungen, Krankenhäuser, Alten- und Waisenhäuser sowie die Pflege deutscher Kultur und Schulbildung.

Die dritte „Säule“ der Zusammenarbeit mit der Bukowina bildet das „Bukowina-Institut“ in Augsburg. Es wurde 1988 als „Arbeitsstelle zur Erforschung von Geschichte und Kultur der Bukowina“ vom Bezirk Schwaben eingerichtet. Seit 2013 hat es den Status eines AN-Instituts der Universität Augsburg. Die neu eingerichtete Juniorprofessur soll dem wissenschaftlichen Potential des Instituts neue Impulse sowie eine breitere Basis in Richtung „Transnationale Wechselbeziehungen zwischen Deutschland, Ost- und Ostmitteleuropa“ geben. Unterstützt wird dies von einem intensiven Austausch zwischen Dozenten und Studierenden.

Natürlich bekamen die rumänischen Gäste auch eine Stadtführung in Augsburg und absolvierten den obligatorischen Besuch der Königsschlösser in Füssen, bevor es in zwei Kleinbussen wieder knapp 2000 Kilometer zurück nach Suceava ging.


Text: Florian Pittroff
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