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Der große Wurf
17.09.2010 21:20 Uhr

von Diana Deniz


Michael Kobella ist dreifacher deutscher Meister und Vize-Europameister im Disc Golf. Er möchte seinen Sport in Augsburg gerne weiter verbreiten. Ferienkurse für Kinder gibt er schon, außerdem fände er einen Parcours schön. Bislang begnügen er und seine Mitspieler sich mit Klappkörben im Siebentischpark. Foto: Diana Deniz

Er ist dreifacher und amtierender Deutscher Meister, war 2008 Europa-Vizemeister und kommt frisch von den European Championships 2010 aus Frankreich: Michael Kobella aus Augsburg ist sehr erfolgreich in der Frisbeesportart Disc Golf. Der Wurfscheibensport, der die Regeln des Golfspieles mit der Frisbee als Sportgerät verbindet, ist eine junge Sportart aus den USA. Dort kam sie in den 70er-Jahren auf. In Deutschland gibt es Disc Golf seit den 80er-Jahren. Deshalb kann Kobella sich zu den Disc-Golf-Urgesteinen in Deutschland zählen.

Der 42-Jährige ist mit seinen langen, gepflegten Rasta-Locken ein Hingucker. Doch er trägt sein Haar nicht als modische Frisur, sondern verbindet damit Spiritualität und Kraft. Aufgewachsen ist er im Domviertel in Augsburg, war Ministrant im Dom und schon immer ein begeisterter Sportler. Egal ob Langstreckenlauf oder Snowboard - Hauptsache Bewegung. Beim TVA spielt er Inlinehockey und an der Hochschule Augsburg war er in der Ultimate-Mannschaft.

Durch einen Studienkollegen kam Kobella zum Disc Golf, und seitdem lässt ihn diese Sportart nicht mehr los. Seine Freundin Tanja Höll macht voll und ganz mit. Sie ist deutsche Vizemeisterin. „Was den Sport so unvergleichlich macht, ist die mentale Komponente“, schwärmt er. „Nur du allein bist beim Disc Golf für deine Fehler verantwortlich.“ Diesen mentalen Druck halte nicht jeder aus und deshalb gebe es, so Kobella, im Golfsport generell wenig herausragende Typen. Seiner Meinung nach muss man schon sehr gelassen sein, nicht nur gut spielen, sondern auch siegen können.

Die Europameisterschaft im August war für ihn eine Herausforderung. 18 Bahnen, fünfeinhalb Runden, pro Runde viereinhalb Stunden Spielzeit, pro Tag zwei Runden und das stets hochgradig konzentriert bei Windstärken bis zu 60 Stundenkilometern. „Der Wind stellte das Spiel vollkommen auf den Kopf“, berichtet er. 216 Leute aus ganz Europa waren dabei, wobei die Skandinavier dominieren, da dort Disc Golf zum Breitensport gehöre.

Zusammen mit seiner Augsburger Spielgemeinschaft, die aus 30 Spielern besteht, möchte Kobella eine öffentliche und kostenlos benutzbare Disc-Golf-Anlage in Augsburg errichten. Dazu sucht er ein Gelände und einen Sponsor. 10 000 Euro würde ein Parcours kosten.

Die Vorteile dieser Sportart liegen für ihn auf der Hand: Disc Golf braucht keinen Sportplatz, integriert sich in bestehendes Gelände, das Sportgerät (die Scheibe) gibt es für zehn Euro, es kann jeder, egal ob Sportler oder Nichtsportler, ob Kind oder Senior mitmachen. Zudem wird von Anbeginn der respektvolle Umgang mit der Natur gelernt. Es ist eine leise Sportart. Man könnte damit Parklandschaften bevölkern, indem man Disc Golf anbietet und sie so vor Vandalismus schützen, ist sich Kobella sicher und sieht in diesem Sport ein großes Potenzial.

In Potsdam gibt es Disc Golf auf dem ehemaligen Bundesgartenschau-Gelände und München möchte einen Parcours gegenüber der Allianz-Arena errichten. Augsburg samt Landkreis habe dagegen noch keinen einzig installierten Korb. Kobella und seine Disc-Golf-Guerilla gehen deshalb gerne mit ihrem Klappkorb in den Siebentischwald. „Es ist dort jedes Mal anders und die Leute bleiben stehen und schauen uns zu“, erzählt er.

Begeistert stellt er immer wieder fest: „Es ist ein erhebendes Gefühl, wenn nur durch Muskelkraft ein Gegenstand weit über 100 Meter durch die Landschaft gleitet.“

In Stadtbergen, Gersthofen und Schwabmünchen bot er Disc Golf im Ferienprogramm an. Es wurde hervorragend angenommen. Im Augsburger Hochschulsport ist Disc Golf ebenfalls mit im Programm. Nun fehlt nur noch ein Gelände mit fest installierten Körben. Gefallen würde ihm der Siebentischpark, die Lechauen in Richtung Firnhaberau oder die Lochbachauen.

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