„Und ihr Geist lebt trotzdem weiter.“

Erinnerung an den Prozess gegen Hans Leipelt und seine Gefährten vor dem Volksgerichtshof in Donauwörth am 13. Oktober 1944 durch Herrn Prof. Dr. Wolfgang Huber

Anlässlich des 70. Jahrestages des Prozesses gegen die Chemiestudenten Hans Leipelt, Marie-Luise Jahn und fünf weitere Mitangeklagte vor dem Volksgerichtshof in Donauwörth sowie deren Verurteilung noch am selben Tag wurde eine neu konzipierte Ausstellung im Gedenken an Hans Leipelt von der Stiftung „Weiße Rose“ an der Hans-Leipelt-Fachober- und Berufsoberschule Donauwörth eröffnet.

Nach der Begrüßung sowie der Vorstellung der Gäste durch Oberstudiendirektor Karl Rieger – ein besonderer Gruß und Dank ist hier an Ursula Kaufmann und Ulrich Müller als Vertreter der Weißen Rose Stiftung e.V. gerichtet worden sowie an Klaus Möller nebst Gattin, die als Vertreter der „Initiative Gedenken in Harburg“ (bei Hamburg) angereist sind – führten die Schüler Florian Genath, Selin Schuster, Selina Knopf, Magdalena Ludwig, Victoria Ziegler, Franziska Riesenegger, Rebecca Sagemüller, Martin Bosch, Blanca Inostronza Trujillo sowie Madlen Hiemeyer unter der Regie von Brigitte Schupfner ein von der Lehrerin selbst verfasstes Stück auf, durch das in die Zeit und die Thematik eingeführt wurde.
Eindringlich wird beschrieben, wie der „Halbjude“ und Chemiestudent Hans Leipelt von Hamburg nach München ans Chemische Institut kommt, um dort bei dem Nobelpreisträger und liberalen Chemieprofessor Heinrich Otto Wieland, der sich über die „Rassegesetze“ hinwegsetzte, sein Chemiestudium weiterverfolgen zu können. Aufgrund persönlicher Schicksalsschläge – unehrenhafte Entlassung aus der Armee wegen seiner jüdischen Abstammung sowie den Tod des Vaters aufgrund der Deportation der Großmutter Leipelts in ein Konzentrationslager – wandelt sich Hans Leipelt zu einem regimekritischen Studenten, der u.a. in seiner Kommilitonin Marie-Luise Jahn eine Freundin und Mitstreiterin gegen das nationalsozialistische Unrechtssystem findet.

Eine besondere Ehre wurde der Hans-Leipelt-Schule dadurch zuteil, dass Prof. Dr. Wolfgang Huber diese neue Ausstellung eröffnete. Er ist der Sohn Prof. Kurt Hubers, der der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ angehörte und das letzte Flugblatt „Kommilitoninnen! Kommilitonen!“ verfasst hatte. Prof. Kurt Huber war einer der Hauptangeklagten im zweiten Prozess gegen die „Weiße Rose“ und wurde zusammen mit Alexander Schmorell am 13. Juli 1943 durch die Nationalsozialisten im Gefängnis München-Stadelheim ermordet.
In seinem anschließenden Vortrag betonte Prof. Dr. Wolfgang Huber dann ausdrücklich, dass er und seine Familie Hans Leipelt, Marie-Luise Jahn sowie den überlebenden Widerständlern der „Weißen Rose“ bis heute zu besonderem Dank verpflichtet sind, denn sie seien es gewesen, die seine Familie, nach dem Tod des Vaters mittellos geworden, finanziell unterstützten. Ferner informierte er die Zuhörer über die wichtigsten Stationen in Leipelts kurzem Leben, auch über den Umstand, dass sich Hans Leipelt und die Geschwister Scholl, Christoph Propst, Alexander Schmorell, Willi Graf und sein Vater nie persönlich begegnet sind. Hans Leipelt fand das 6. und letzte Flugblatt der „Weißen Rose“ nach der Ermordung der ersten drei Mitglieder in seinem Briefkasten und bot dem nationalsozialistischen Regime die Stirn, indem er es zusammen mit Marie-Luise Jahn vervielfältigte und über die bayerischen Grenzen hinweg mit dem Vermerk „Und ihr Geist lebt trotzdem weiter.“ verbreiten ließ.
In der Folge wurden Hans Leipelt und Marie-Luise Jahn denunziert – laut Prof. Wolfgang Huber sei bis heute ungeklärt, wer sie angezeigt hat. Im Oktober 1943 wurden sie durch die Gestapo festgenommen und ein Jahr später fand der Prozess in Donauwörth statt. Die Nationalsozialisten achteten penibel darauf, „dass Richter und Beisitzer die nötige Erfahrung im Umgang mit den entsprechenden Delinquenten hatten. Dieses Mal waren die Angeklagten Jugendliche. Da war der Vorsitzende Georg Ernst Diescher […] der Richtige. […] Er hatte Erfahrung im Umgang mit Widerstand“ und bereits etliche Todesurteile gefällt. So wird Hans Leipelt durch den „Volksgerichtshof“ unter dem Vorsitz Dieschers am 13. Oktober 1944 in Donauwörth ebenfalls zum Tode wegen „Wehrkraftzersetzung, Feindbegünstigung und Schwarzhörens“ verurteilt. Prof. Dr. Wolfgang Huber würdigt das Verhalten Leipelts in dieser Ausnahmesituation in besonderem Maße, denn er habe dem Strafverteidiger Marie-Luise Jahns die Strategie vorgeschlagen, Marie-Luise Jahn als verführtes Opfer darzustellen, worauf diese nur zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt wurde.
Hans Leipelt hat aufgrund seiner Menschlichkeit sowie seiner entschlossenen Zivilcourage Verantwortung übernommen und bis heute Vorbildcharakter.

Karl Rieger


Für alle Interessierte ist die Ausstellung wochentags täglich geöffnet.

Öffnungszeiten:
Montag – Freitag: 8:00 – 16:00 Uhr
Samstag: 8:00 – 13:00 Uhr
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