Lahn-Dill Berglandpfad – Streckenwanderung von Dillenburg nach Marburg
„Auf einer Strecke von 86 Kilometern führt diese Traumroute den Wanderer mitten durch den Naturpark Lahn-Dill-Bergland“ so lautet das Versprechen auf der Web-Seite www.lahn-dill-bergland.de. Nachdem ich bereits einige der Extratouren zum Lahn-Dill-Berglandpfad kenne und zum Teil schon mehrfach gewandert bin, hat sich bei mir auf diese Weise eine gewisse Begeisterung für Wanderungen in unserer mittelhessischen Heimat entwickelt. Nun wollte ich wissen was es mit dem Hauptweg, der Streckenwanderung von Herborn oder Dillenburg nach Marburg auf sich hat. Das „lange“ Himmelfahrtswochenende war schon längst für diese Wanderung reserviert, ein Wanderpartner gefunden, die Etappen geplant, die persönliche Ausrüstung bereit und die Akkus der Kamera voll. Also: drei Flaschen Wasser in den Rucksack, zwei Äpfel und zwei Stullen – und los!
Himmelfahrtstag, Donnerstag den 21. Mai 2009 – 1. Etappe
Trotz der Wettervorhersage für den Tag – Unwetterwarnung mit kräftigen Gewittern und Starkregen – starteten wir am Morgen in Dillenburg. Vom hessischen Landesgestüt aus führt der Weg zunächst ein wenig durch die Innenstadt und Dillenburgs ehemaligen Weingarten, bevor er sich allmählich von der Stadt wegbewegt Richtung Niederscheld. Noch weniger als eine Stunde unterwegs, wir waren gerade an der Isabellenhütte vorbei gekommen ließ der Wettergott bereits mit Donnerrollen und nur Minuten später einsetzendem Regen seine Muskeln spielen. Mit welchen Mitteln wir ihn besänftigten, kann hier natürlich nicht wiedergegeben werden aber er hatte offensichtlich ein Einsehen dass das Wandern bei Blitz und Donner bei Weitem nicht so vergnüglich ist als bei freiem Himmel und Sonnenschein. Der Regen währte jedenfalls nur fünf Minuten und die Wolken verzogen sich. Allein die schwüle Wärme blieb uns erhalten und sorgte dafür dass über den ganzen Tag verteilt mehr als fünf Liter Wasser in meinem Bauch verschwanden um alsdann einer Quelle gleich auf Stirn, Brust und Rücken wieder zu Tage zu treten.
Aus Niederscheld heraus erfolgte dann der erste nennenswerte Aufstieg auf die Höhe links des Dilltales. Belohnt wurde die damit verbundene Anstrengung durch einen sagenhaften Blick Richtung Süden das Dilltal hinab auf Teile der Stadt Herborn und hoch darüber auf die Burg Greifenstein. Das angrenzende Natur- und Vogelschutzgebiet ist sehenswert! Hier stehen nicht nur unglaublich viele verschiedene Baumsorten auf einem überschaubaren Fleckchen Erde zusammen sondern einige von ihnen sind auch riesige Kolosse. So stelle ich als Laie mir 1000-jährige Eichen vor. Es braucht schätzungsweise fünf bis sechs Erwachsene die sich an den Händen halten, um einen dieser Baumriesen zu umfassen. Könnten Bäume sprechen, was hätten diese „Ur-Einwohner“ unserer Heimat wohl zu erzählen?
Dem Lahn-Dill-Berglandpfad weiter folgend gelangten wir zu einem weiteren Gebiet heimatlicher Geschichte, denn in der Region wurde bis in die 70er Jahre hinein Eisenerz und andere Mineralien und Erze abgebaut. Der Bergbau ist daher ein Teil vieler Familienhistorien im Scheldetal und den angrenzenden Gemeinden, so auch meiner eigenen. Informationstafeln am Wegesrand klären den Wanderer über diesen bedeutenden Wirtschaftszweig der jüngeren Vergangenheit und seine Besonderheiten auf.
Von hier führt der Pfad hinab in das Dorf Bicken, an dessen Schutzhütte wir eine ausgiebige Mittagspause einlegten. Der anschließende Aufstieg ist für den mäßig trainierten Wanderer nicht von Pappe und braucht seine Zeit. Über die Höhen gelangten wir schließlich bis in das Dorf Eisemroth, dem Ende unserer ersten Etappe. Den Angaben auf den zahlreichen Wegweisern entlang des Lahn-Dill-Berglandpfades legten wir an diesem ersten Tag eine Strecke von 23 km zurück.
Freitag den 22. Mai 2009 – 2. Etappe
Heute stand die Strecke von Eisemroth nach Gladenbach auf dem Plan. Natürlich war der erste Tag nicht spurlos in den Kleidern hängen geblieben sondern vor allem in unserer Beinmuskulatur noch „spürbar gegenwärtig“. Entsprechend zäh gestalteten sich die ersten Kilometer der heutigen Etappe, dem Aufstieg zum 490 Meter hohen Schönscheid. Doch oben angekommen waren von einem Moment zum nächsten Muskelkater und träge Füße nur noch unbedeutende Nebensächlichkeiten. Buchstäblich überwältigt von einem sensationellen Panorama standen wir einfach nur da und staunten über diesen unvermuteten, enorm weiten Blick nach Ost-Südost und Süden hin.
Weiter führte uns der Weg über verschlungene Pfade hinab nach Bad Endbach. Hier lädt der Kurpark zum Verweilen ein: in Tretbecken kann der Wanderer seine Füße erholen, die Enten am Teich beobachten, die fein angelegten Rabatten und Beete mit den vielen blühenden Pflanzen betrachten oder beim Rauschen der Wasserspiele im Schatten eines Baumes entspannen. Eine ausgiebige Rast an dieser Stelle ist sehr empfehlenswert denn es folgt im Wegeverlauf ein saftiger Aufstieg zu den Kopps Klippen, einer markanten Felsformation oberhalb Bad Endbachs. Wir hatten jedoch auf eine Rast im Kurpark verzichtet und sollten dieser Entscheidung später noch Tribut zollen...
Gegen Nachmittag erreichten wir den Turm auf der Koppe bei Erdhausen. Auch von hier hat man einen weiten Blick in alle Richtungen. Ich war vor drei Wochen erst beim Wandern der Extratour „Postraubroute“ hier gewesen. Da wir bereits ziemlich erschöpft waren vom vorangegangen Weg und jenem „Fehler“ in Bad Endbach verzichteten wir darauf auf den Turm zu steigen um Energie für den Rest des Weges nach Gladenbach zu sparen.
Von der Koppe führt der Lahn-Dill-Berglandpfad im weiten Bogen zunächst in den Gladenbacher Stadtteil Erdhausen. Hier war für uns heute Endstation! An ein Weitergehen bis auf den Blankenstein in Gladenbach selbst war nicht mehr zu denken.
Samstag den 23. Mai 2009 – 3. Etappe
Morgens beim Frühstück hatte mein Wanderfreund eine schwere Entscheidung zu treffen. Riesige Blasen hatten sich am Vortag unter seinen Füßen, vor allem auf den Fußballen gebildet. Kann man so noch 40 km gehen? Seine Entscheidung war absolut gerechtfertigt: Ende dieser Tour jetzt und hier. Wir holen die beiden noch ausstehenden Etappen gemeinsam an einem Wochenende später in diesem Jahr nach. Ich fühlte mich recht fit und setzte so die Wanderung alleine fort. Der Weg hinauf zum Blankenstein kam mir heute Vormittag bei strahlendem Sonnenschein und stahlblauem Himmel wie ein Katzensprung vor. Von Gladenbach ging es weiter durch die „Hinterländer Schweiz“, vorbei an Runzhausen bis nach Rachelshausen. Hier beginnt ein weiterer Aufstieg bis über den ehemaligen Diabas Steinbruch und einmal mehr wird die Anstrengung mit einer sensationellen Fernsicht bis hinunter zum Großen Feldberg im Taunus belohnt! Auch ist eine Rast vor solch einer Kulisse gleich doppelt erholsam.
Nur einen Steinwurf entfernt vom Steinbruch Rachelshausen liegt der Hausberg des Dautphetaler Ortsteils Holzhausen. Hat man im Abstieg erst einmal den Hochwald hinter sich geht der Weg weithin durchs Feld zwischen den Dörfern Holzhausen und Herzhausen dessen Schutzhütte die letzte Gelegenheit zur Rast bietet. Ein letzter Kraftakt für heute sollte der folgende Anstieg zum Ziegenberg sein, bevor mich der Pfad bis zur Kreisstraße 73 führte, die die Ortschaften Friedensdorf und Damshausen miteinander verbindet.
Sonntag den 24. Mai 2009 – 4. Etappe
Auch heute begleitete mich strahlender Sonnenschein. Gut gelaunt ging es an der K73 wieder los, zunächst zum 4 km entfernten Rimberg. Die Rast hier wäre physisch nicht nötig gewesen aber bei so guter Fernsicht wollte ich heute die Gelegenheit zum Fotografieren nicht ungenutzt lassen. Also hoch auf den Aussichtsturm! Der von hier folgende Abstieg nach Caldern war für mich bei dieser Tour das schönste Teilstück. Ein schmaler Pfad führt durch den steil abfallenden Hochwald. Die Sonnenstrahlen brachen vereinzelt durch das Blätterdach der Bäume und zauberten eine ganz eigene Atmosphäre.
Von Caldern folgte ein Stück des letzten Lahn-Dill-Berglandpfad bei dem die Kilometer sehr gut unter die Füße kamen – erst ein kurzer Anstieg und dann eine lange Strecke auf gleicher Höhe bis hinunter nach Elnhausen und weiter zur Dammmühle. Das Restaurant der zum Hotel umgebauten Mühle mit angeschlossenem Biergarten lockt hier mit kühlen Getränken und hervorragender Küche.
Nach der Rast heißt es noch einmal anstrengen. Die Wehrshäuser Höhe ist der letzte Aufstieg vor dem Ziel des Wanderpfades, die Universitätsstadt Marburg an der Lahn. Im wunderschön angelegten, zum Landgrafenschloß gehörenden Park findet der Hobbyfotograf noch einmal Motive satt, bevor der Lahn-Dill-Berglandpfad in der Stadtmitte an der Elisabethkirche endet.
Zum Abschluss noch ein paar Zahlen zum Lahn-Dill-Berglandpfad:
Länge 86 km
Höhe ca. 2000 m
max. Höhe ca. 520 m ü. NN
min. Höhe ca. 195 m ü. NN
Gehzeit: ca. 28 Stunden
Mein persönlicher Wasserbedarf lag bei etwa 18 Liter und meinen persönlichen Energiebedarf kann ich dank einer entsprechenden Armbanduhr auf recht genau 21800 kcal beziffern.
Fazit: Ja, es ist eine Traumroute mit vielen Aussichtspunkten, wunderschönen verschwiegenen Pfaden und vielen Informationen zu regionalen Besonderheiten. Eine Teilung in 5 Etappen ist für den eher ungeübten Wanderer wie ich es bin sicherlich sinnvoll und empfehlenswert. Vielen Dank an alle, die diesen schönen Wanderpfad geplant und eingerichtet haben, wie auch allen, die den Weg nun permanent betreuen (nach den Markierungen sehen, Wege und Plätze sauber halten etc.)!





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