Mein Leben mit den Bienen 2

"Alberti" - Breitwabenkästen ( Eigenbau )
 
Im Bild links: mein Bienenonkel Willi
Angelburg: Schulstr.74 | Mitte Frühling, im Schwarmmonat Mai 1946 kamen die sehnsüchtig erwarteten versprochenen Bienen.

Mein Onkel Willi brachte bei einem Besuch den Schwarm in einem Schwarmfangkasten mit.

Vor dem Einschlagen in den vorgesehehnen Kasten mußte dieser noch durch Einhängen von Mittelwänden bezugsfähig gemacht werden.

Bei geöffnetem Brutraumfenster wurde dann der Schwarm in die neue Beute eingeschlagen.
Die Königinn war wahrscheinlich schon gleich in die neue Behausung eingezogen, denn alle Arbeiterinnen folgten ihr willig und überraschend schnell konnte das Brutraumfenster geschlossen und das Flugloch geöffnet werden.

Der ganze Schwarm einschl. Königinn hatten ihr neues Zuhause akzeptiert.

In den folgenden Tagen stand ich in jeder freien Minute am Flugloch und beobachtete gespannt das Aus- und Einfliegen der Bienen, denn so hieß es in dem Büchlein vom Imkerlehrer Heinrich Storch aus Marburg "Am Flugloch":

Dort kann man sehen, was mit den Bienen los ist und auch manche Krankheiten lassen sich erkennen - ohne die Immen durch Öffnen des Kastens zu stören.

Damals war es noch so, daß die Bienen sehr stechlustig waren und eine Störung bzw. Nachschau im Kasten nur mit absolut dichter Imkerhaube, langen Handschuhen und nicht ohne starken Rauch vorgenommen werden konnte.

Es war manchmal so schlimm, daß man schon in 10 m Entfernung vor einem Bienenhaus gestochen wurde.

Zu jener Zeit haben die Imker alle möglichen Kreuzungen, auch mit der italienischen "Ligustica" vorgenommen um zu einer leistungsfähigeren und
gutmütigeren Rasse zu kommen - aber genau diese Hybriden waren stechlustiger als je zuvor.

Anfangs taten die Stiche sehr weh - es hat eine lange Zeit gedauert bis die Arbeitsweise schonend umgestellt wurde und das Wissen angeeignet war, welche Gerüche die Bienen absolut nicht vertragen können, nämlich Schweiß-,
Alkohol- und Benzingerüche ( dazu später ein eindrucksvolles Beispiel! )

In der Anfangszeit habe ich den Eindruck gewonnen, daß die älteren Imker "Geheimniskrämer" waren - man konnte als Anfänger nichts Neues erfahren,
jeder kochte sein eigenes Süppchen in verschiedenen Kästen, verschiedenen
Methoden und mit verschiedenen Zuchtrichtungen.

Jeder Züchter hatte ein anderes Kastensystem und somit auch andere Rähmchenabmessungen. so hatten die Züchter Dzierzon, Gerstung, Zander, Kuntsch und Freudenstein jeweils andere Wabenmaße.

Erst viel später wurde das Deutsche Normalmaß festgelegt und einige Unannehmlichkeiten ( Umschneiden der Waben in ein anderes Maß )vermieden.

Grundsätzlich gibt es in der Bienenzucht die Ausdrücke "Kaltbau" und "Warmbau" und bedeutet nichts anderes, als daß im ersten Fall die Waben bzw. die Wabengassen zum Flugloch hin ausgerichtet sind und im zweiten Fall stehen die Waben quer zum Flugloch.

Beim Kaltbau kommt man bei Hinterbehandlung an jede Wabe heran, während man beim Warmbau eine Wabe nach der anderen herausnehmen muß, um an die vorderste Wabe zu kommen.

Die damaligen kleinen" Freudenstein"- Kästen waren auch Hinterbehandlungsbeuten und hatten das umständliche Warmbausystem.

Es blieb nur eins in Fachliteratur stöbern und eigenes Wissen und eigene Erfahrung zu sammeln.

Als erstes wurde die monatlich erscheinende Fachzeitschrift "Die Hessische Biene" bestellt, der Eintritt in den Bienenzuchtverein "Schwarzbachtal" vollzogen und einen Königinnen-Zuchtlehrgang von Dr. Dreher aus Biedenkopf (Leiter des Marburger Bieneninstituts) absolviert.

Mein erstes Bienenvolk entwickelte sich prächtig - die Mittelwände waren recht schnell ausgebaut und mit Brut belegt, so daß ich noch im gleichen Jahr einen Ableger mit anfangs nur 2 verdeckelten Brutwaben und der entsprechenden Menge an Bienen erstellen konnte.

Das Einpacken der beiden Völker für die Winterzeit wurde dann mit der größten Sorgfalt durchgeführt - es durfte keine Zugluft entstehen und so wurden die
Bruträume vom Honigraum her und von hinten mit mehreren Lagen Zeitungspapier, Wellpappe und Filzmatten dick und dicht verpackt.

Das Winterhalbjahr wurde wieder dazu benutzt weitere Alberti - Kästen herzustellen und im übrigen weitere Fachliteratur zu studieren.

Apropo "Alberti" - auch Adolf Alberti war ein Lehrer von Oberselbach bei Idstein
und man hatte als Jungimker den Eindruck, daß häufig Lehrer und Pfarrer auch Bienenzüchter waren - möglicherweise hatten sie anno dazumal die meiste Freizeit ! ?

Bis zum nächsten Teil -


Gruß Harry
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Oberhessische Presse | Erschienen am 08.02.2014
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Barbara Steffens aus Ebsdorfergrund | 08.02.2014 | 11:11  
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Martina Köhler aus Göhren | 08.02.2014 | 11:47  
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Bernd Sperlich aus Hannover-Bothfeld | 08.02.2014 | 12:20  
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Hildegard Schön aus Barsinghausen | 12.02.2014 | 13:51  
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