JGV Mittelhessen: Jäger und geprüfte Jagdgebrauchshunde im Einsatz bei der Jungwildrettung.

Instinktiv duckt sich das Rehkitz in das hohe Gras. (Foto: Manfred Wysocki)
(Amöneburg, JGV MH-Geschäftsstelle)

Landwirte wollen mähen, Jungtiere sollen leben!

Wenn in diesen Tagen die Heumahd ansteht, ist es notwendig, was sonst streng verboten ist: Um den Wildtiernachwuchs von Reh und Feldhase vor dem Kreiselmähern in Sicherheit zu bringen, durchstreifen die Jäger und weitere Helfer des Jagdgebrauchshundverein (JGV) Mittelhessen e. V. mit ihrem geprüften und nach hessischen Jagdgesetz brauchbaren Jagdgebrauchshunden das Grünland.

Mit hoher Nase stehen die Jagdgebrauchshunde Louisa und Vero im hohen Gras: Mit ihrer feinen Nase haben die beiden Weimaraner das Rehkitz längst gewittert, sie stehen vor und zeigen es deutlich an. Jetzt sehen auch die beiden Gebrauchshundeführer Jennifer Reitzner und Martin Lauer das Jungtier, das sich instinktiv tief ins Gras duckt. In Grasbüscheln gebettet und zusätzlich mit neutralen Handschuhen damit es keine menschlichen Gerüche annimmt, legen die beiden Mitglieder des mittelhessischen Jagdgebrauchshundvereins das Kitz vorsichtig an einer Stelle in der Nähe ab, die von der anstehenden Mahd nicht betroffen ist. Die beiden Jagdgebrauchshunde haben dieses Kitz vor einem qualvollen Tod gerettet. In wenigen Stunden fängt der Landwirt an, mit dem Kreiselmäher das Heu zu schneiden.

Vielerorts arbeiten in diesen Tagen Jäger mit ihren geprüften Jagdgebrauchshunden und Landwirte Hand in Hand und gut koordiniert zusammen, um den Wildtiernachwuchs vor dem Tod zu bewahren. Denn wie jedes Jahr haben sich Wiesen und Felder zu einer regelrechten Kinderstube entwickelt. Aber in der Landwirtschaft steht die Heuernte an und in ihr lauert eine tödliche Gefahr für die Jungtiere.

Die Elterntiere wähnen ihren Nachwuchs im hohen Gras des Grünlandes gut geschützt – vor Fuchs und anderen Raubtieren – und lassen ihn in den Wiesen zurück. Doch wenn der Kreiselmäher kommt, wird der vermeintliche Schutz für die Tierkinder zur tödlichen Falle. Da die Jungtiere häufig nur schwer verletzt werden und dann qualvoll verenden, ist ihre Rettung nicht nur originäre Hegepflicht der Jäger, sondern ein ernsthaftes Tierschutzproblem.

Dem stellen sich die Jäger und die Landwirte gemeinsam bereits durch präventive Maßnahmen wie Flatterbänder, nächtlich laufende Kofferradios oder Scheuchen. Die dann misstrauisch werdenden Elterntiere sollen ihren Nachwuchs an einen sichereren Ort führen. Auch die Art und Weise des Mähens hilft, dass die Tiere noch flüchten können. Doch leider ist der Erfolg nicht immer garantiert.

Bewährt hat sich, dass die zu mähenden Flächen wenige Stunden vor der Heuernte vom Jäger mit dem geprüften Jagdgebrauchshund abgesucht werden. Möglichst alle Jungtiere sollen aufgefunden und in Sicherheit gebracht werden. Große Hilfe leistet hier der treue Jagdgefährte, der gut ausgebildete und jagdlich brauchbare Jagdgebrauchshund. Es ist in diesen Stunden geboten, was sonst tunlichst zu unterlassen ist: In der Brut- und Setzzeit den Hund in die Wiesen zu führen. Voraussetzung ist, dass der Jagdgebrauchshund im absoluten Gehorsam steht. Denn er darf die Jungtiere nicht greifen, sondern soll sie nur anzeigen. Von den vierbeinigen Helfern wird bei der Suche Höchstleistung abverlangt, denn in den ersten Tagen hat das Jungwild so gut wie keine Witterung (Wildgeruch).

Von Vorteil ist es auch, wenn Helferketten systematisch die Wiesen durchkämmen können. Glücklich schätzen sich die Jäger, denen eine ganze Schulklasse hilft. Doch das ist bisweilen eine schwierige Koordinationsaufgabe und bedarf einiger Vorarbeit: Denn, wenn es um das passende Wetter geht, kennt die Landwirtschaft keine Wochentage. Wichtig ist auf jeden Fall keine Aktionen, seien sie auch noch so gut gemeint, ohne Absprache mit den Jagdausübungsberechtigten durchzuführen. Nur in Zusammenarbeit mit den Jägern vor Ort, welche die Revierverhältnisse und den Kontakt zu den Landwirten halten, ist ein Erfolg zu erwarten. Suchinitativen ohne Einbindung der zuständigen Jagdausübungberechtigten sind verboten und können den Straftatbestand der Wilderei erfüllen. Sie führen oft zur Beunruhigung auch in den sicheren Einständes des Wildes, in schlimmen Fällen zu verwaisten Jungwild! Leider sind auch in der hiesigen Region Fälle bekannt geworden, wo jagdlich und in der Gebrauchshundeführung unerfahrene Personen mit für diese Arbeit unbrauchbaren Jagdhunden und Familienhunden dem Jungwild nachstellten. Solche "Kitzrettungseinsätze" sind vielleicht gut gemeint, verursachen aber meist zusätzliches Tierleid und sind daher nicht zielführend.

Jenny Reitzner vom JGV Mittelhessen engagiert sich übrigens auch in der Aufzucht von verwaisten Kitzen. Im vergangenen Jahr wurden durch sie zwei Kitze großgezogen und sie ist aktiv bei der Aktion KIDS for KITZ. In diesem Rahmen werden mit Kindergartenkinder u. a. Wildscheuchen für die Jungwildrettung gebastelt.

Weitere Informationen zu diesen und anderen Themen rund um Hund & Jagd gibt`s beim JGV Mittelhessen.

www.jgv-mittelhessen.com
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