Spin-Doctor der Bahn verkauft Versäumnisse bei Münchner S-Bahn als Erfolge

Altomünster: Bahnhof |

Als Spin-Doctor wird eine Person bezeichnet, welche Ereignisse mit dem richtigen Dreh versieht, in dem sie für eine subtil manipulierte Darstellung in den Medien sorgt. Diese Aufgaben übernimmt Bayerns Pressesprecher der Deutschen Bahn, Bernd Honerkamp, in dem er in der Presseerklärung „Elektrischer Betrieb und verbesserter Fahrplan zwischen Altomünster-München“ vom 28.1.2014 Versäumnisse der Deutschen Bahn als Erfolge darstellt.

Fahrplan nach Elektrifizierung Altomünster fällt hinter Versprechungen zurück

Seit Jahrzehnten wird den Pendlern versprochen, dass die Linie A von Altomünster nach dem elektrischen Ausbau direkt über die Stammstrecke nach München durchgebunden wird und zwar untertags im Stunden- und in den Hauptverkehrszeiten im Halbstundentakt - so auch heute noch auf der Homepage des MVV. Herr Bernd Honerkamp und seine PR-Entourage preisen das ab Dezember 2014 deutlich verbesserte Fahrplanangebot auf der Strecke Altomünster-Dachau-München in den rosigsten Farben an. Sie erwähnen jedoch mit keinem Wort, dass in den Hauptverkehrszeiten entgegen den bisherigen Versprechungen nur stündlich eine Direktverbindung nach München angeboten wird, bei der zweiten Verbindung pro Stunde muss in Dachau umgestiegen werden. Dies, weil die S-Bahn München versäumt hat, für eine ausreichende Anzahl von Triebfahrzeugen des Typs ET423 zu sorgen.

Statt 25 jetzt nur 15 und nicht Stammstrecken-taugliche zusätzliche Züge

Ebenfalls als Erfolg wird die Aufstockung des Fahrzeugbestandes der S-Bahn München um 15 Triebzüge des Types ET420 gefeiert. Allerdings hatte man im Herbst 2011 noch zusätzlich 25 Triebfahrzeuge des Types ET423 in Aussicht gestellt (SZ, 12.10.2011 „Hilfe aus Köln“). Mit diesen Zügen hätte die Linie A – wie ursprünglich geplant – während den Hauptverkehrszeiten zu jeder halben Stunde von und nach Altomünster über die Stammstrecke nach München durchgebunden werden können.

Pendler müssen weiter dichtgedrängt in überfüllten Zügen stehen

Mit diesen 25 (statt jetzt nur 15) Zügen hätte man übrigens nicht nur die Linie A ausstatten, sondern auch überfüllte Züge im gesamten S-Bahnnetz von Voll- auf Langzüge verlängern können.

Klar, die Aufgabe von Herrn Honerkamp ist es ja auch nicht, die Öffentlichkeit objektiv zu informieren, sondern die Deutsche Bahn in einem guten Licht erscheinen zu lassen. Damit werden die Pendler im Dunklen gelassen, weshalb jetzt nur 15 Triebwagen des Typs ET420 und nicht 25 Triebwagen ET423 zum Einsatz kommen werden. Die ET420 dürfen nicht durch die Stammstrecke fahren und lassen sich mit der bestehenden Flotte der ET423 nicht zusammenkuppeln. Die Pendler werden sich kaum freuen, dass sie nun weiterhin in überfüllten Zügen stehen müssen, ohne Aussicht auf Verbesserung.

S-Bahn ohne Konzept zur Überwindung des Fahrzeugmangels

Nur zu gerne würden wir auch erfahren, wie die S-Bahn München gedenkt, den zusätzlichen Fahrzeugbedarf nach Eröffnung der Strecke Wolfratshausen-Geretsried, des Erdinger Ringschluss und der 2. Stammstrecke abzudecken. Sollen dann auch ET420 angeschafft werden, und die Fahrgäste in Markt Schwaben, am Ostbahnhof oder in Pasing umsteigen? Bei den gegenwärtigen Problemen der Fahrzeugindustrie sollte neue Fahrzeuge so schnell als möglich bestellt werden.
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