Gerhard Zwerenz (1925 - 2015)- Ein Straßenname in seinem Geburtsort erinnert an ihn

Gerhard Zwerenz (Foto: Schindler-Foto-Report)

8. September 2016. Die Sonne strahlt über unsere Landesgrenzen hinweg.
Ein Blick mit ihr ins benachbarte Crimmitschau-Gablenz, - Ehrung für einen großen Sohn des einst kleinen Dörfchens Gablenz.

Geboren am 3. Juni 1925 "im Haus neben der Kirche, erster Stock, rechts, zweite Tür, in der Schlafkammer der winzigen Zweizimmerwohnung, aus der meine leibliche Mutter alsbald wegging zu ihrem Mann, meinem Vater."
So zu lesen in seinem Buch "Das Großelternkind", denn bei den Großeltern in Gablenz wuchs der Junge wohl umsorgt auf.
"Aus dem Fenster ging der Blick über den von hohen Pappeln gesäumten Dorfteich. Strahlend weiße Schwäne schwammen darauf. Wenn es regnete verwandelte sich das glatte Wasser in aufgeregte, aufgerissene Flächen." - So liebevoll die gewählten Worte über den Ort seiner Kindheit!
Und genau dieser Weg an seinen geliebten Gablenzer Teichen trägt nun seinen Namen. Ingrid Zwerenz, seine Witwe, zur Namensweihe angereist aus dem Hochtaunus, enthüllte das Straßenschild.

Das nebenstehende Schild erklärt

Gerhard Zwerenz: Schriftsteller, Publizist, Politiker, Regimekritiker
Ernst-Reuter-Preis 1974
Carl-von-Ossietzky-Preis 1986
Alternativer Büchnerpreis 1981
Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und des Deutschen Bundestages

Gerhard Zwerenz, Arbeiterkind, gelernter Kupferschmied

1942 meldet er sich freiwillig zur Wehrmacht und desertiert. Aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft 1948 zurück, noch blutjung und an TBC schwer erkrankt, hat er nur ein Ziel: Nie wieder Krieg! Pazifist blieb er sein Leben lang. Genau deshalb wurde er Mitglied der SED und studierte in Leipzig Philosophie bei Ernst Bloch, dem Hoffnungsphilosophen. Und gerade Ernst Bloch schärfte seinen kritischen Blick weiter.

1957 wird er heimatlos.

Nicht weil er Lust hatte auf die westliche Welt, nein, weil er nur so dem Gefängnis in Bautzen entkommen konnte. Der junge kritische Schriftsteller war dem ZK der SED bald ein Dorn im Auge. Sein Gedicht "Die Mutter der Freiheit heißt Revolution" mit den kritischen Versen "Die Revolution fuhr auf Grund und das mitten im Hafen" bewirkte seinen Auschluss aus der Partei und darauf folgend die ständige Überwachung durch das MfS, die übrigens auch in der Bundesrepublik fortgesetzt worden war.

Der überzeugte Pazifist ließ sich nie verbiegen, in keinem der Systeme.

Ein so unermüdlicher Querdenker tritt immer irgendjemandem auf die Füße.
Nicht ohne Gegenstimmen ist auch diese Namensgebung durchgegangen.
Deshalb besonders beeindruckend die ehrenden, klug urteilenden Worte des Crimmitschauer Oberbürgermeisters: "Solche Leute brauchen wir. Sie sind das Salz in der Suppe."
2
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.