"Geh! Es ist der Herr, der mit dir geht" (aus einem Pilgerlied)

Marienkirche Gersdorf
 
Arnhild Kump in Gersdorf
Die beeindruckende Fassade der renovierten Marienkirche im sächsischen Gersdorf lässt sie innehalten. So viel Zeit muss sein auf ihrem Weg zum Pfarrhaus, wo sie erwartet wird. Die Gersdorfer Kirchgemeinde hatte sie eingeladen, die Frau, die 2001 nach Rom gepilgert war, fast 2000km zu Fuß.

Arnhild Kump ist Medienpräsenz gewöhnt, sowohl vor als auch während und schließlich nach ihrer Aufsehen erregenden Pilgertour. Seit ihr Buch "Zu Fuß nach Rom" im Jahre 2004 erschien, war sie sehr oft zu Lesungen eingeladen. Dass aber nach mehr als 13 Jahren noch immer ungeteiltes Interesse daran besteht, ist schon bemerkenswert.

Es waren zwei kurzweilige Stunden in Gersdorf, denn Arnhild erzählt bildhaft und mitreißend, begleitet von selbst aufgenommenen Dias.
Die Zuhörer folgen ihr gleichsam von der Idee bis zum Ziel in Rom,
wo sie von Papst Johannes Paul II. zur Generalaudienz empfangen wurde.

Woher aber diese Idee?
Im Archiv der Monstaber Kirche hatte Arnhild im Jahre 1994 gelesen, dass der
um 1500 dort tätige Pfarrer Thomas Wolf zwei illegitime Söhne hatte. Illegitim?
Ja, schließlich war er ein katholischer Pfarrer, der durfte keine Kinder haben. Luthers Reformation war noch fern.
1513 pilgerten nun die beiden Pfarrerssöhne nach Rom, um sich vom Papst rechtlich anerkennen zu lassen. Nur so wurde ihnen ein gesellschaftlich akzeptiertes Leben ermöglicht. Und einer der Söhne, Peter Wolf, machte sich fünf Jahre später erneut auf zum Vatikan, um nun die Priesterweihe zu empfangen. So konnte er 1525 der Nachfolger seines Vaters in der Kirche zu Monstab werden.
Diese Geschichte ließ Arnhild nicht los. Zu Fuß nach Rom auf Peter Wolfs Spuren, - das nahm sie sich vor.
Der Historie folgend fand der festliche Abschiedsgottesdienst am
29. Juli 2001 in der Monstaber Kirche statt und dort wurde sie nach ihrer Rückkehr in einem Dankgottesdienst wieder in der Heimat empfangen.

"Brücken bauen, Vertrauen aufbauen, Gewalt abbauen!" - dieses Motto begleitete sie auf ihrem Weg. Dazu im Gepäck eine ökumenische Botschaft und ein Geleitbrief von sechs evangelischen und katholischen Bischhöfen aus Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt.
Wie oft hatte sie unterwegs ihr ökumenisches Anliegen erläutert, gesprochen von der "Einheit in versöhnter Verschiedenheit". Und hier wie in Wien engagiert sie sich dafür, dass evangelische und katholische Christen gemeinsam unermüdlich alte Pilgertraditionen wieder beleben.

Auch in Gersdorf erlebten Christen beider Konfessionen nach, wie
Arnhild loslief, nicht wissend, was vor ihr lag, stets auf Gott vertrauend wie in dem alten Pilgerlied: "Geh! Es ist der Herr, der mit dir geht."
Der Funke sprang über durch die Art, wie sie ihre Botschaften weitergab, wie sie erzählte von unbekannten Landschaften, Städten, Dörfern, Kirchen, vor allem aber von der Vielfalt der Menschen, die ihr begegnet waren, - erstaunt, interessiert, oft helfend.

Nach zwei erlebnisreichen Stunden, Fragen über Fragen. Arnhild antwortete gern. Es gab auch Anfragen nach künftigen Pilgertouren auf dem Lutherweg, zaghaft zwar, doch interessiert. Und eine weitere Einladung für den Herbst nahm sie gern an, erfreut über das ungebrochene Interesse sowohl hier wie auch in Wien.
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2 Kommentare
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Martina Köhler aus Göhren | 14.02.2015 | 19:48  
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Steffen Gründel aus Altenburg | 19.02.2015 | 12:40  
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