Auf dem Camino...Erfahrungen eines Pilgers

Saint Jean Pied de Port, Startpunkt
 
in Navarra...

Durch das Buch von dem Brasilianischen Schriftsteller Paulo Coelho "Auf dem Jacobsweg", wurde ich mit dem Pilgervirus infiziert. Das Thema hat mich nicht mehr losgelassen. So habe ich in den folgenden Jahren immer mehr Informationen über den uralten Pilgerweg nach Santiago de Compostela gelesen. Im Jahr 2003 gingen wir zu dritt von dem kleinen Städtchen Saint Jean Pied de Port, am Fuße der französischen Pyrenäen, etwa 200 Km bis nach Logrono, in Spanien. Bis hierher hat unser urlaub gereicht, nun mussten wir abbrechen. Wir wollten dann 2005 ab hier weitergehen. Ich wollte aber das Pilgern mit all seinen schönen aber auch beschwerlichen Seiten ganz intensiv erleben.So plante ich also für 2005 einen längeren Urlaub ein und meine beiden Mitpilger waren Einverstanden, das ich dann alleine weitergehen wollte.
Also setzten wir dann unseren Weg in Logrono fort. Nach weiteren 200 Km, in Burgos trennten wir uns und ich lief ab hier allein weiter. Aber auch das kam dann anders als gedacht. Denn in der Herberge in Burgos lernte ich den einzigen deutschen Pilger weit und breit kennen. Wir trafen uns in den nächsten Tagen immer Abends in der Herberge wieder und tauschten unsere Erfahrungen aus.Am Ende gingen wir dann zusammen und kamen auch gemeinsam an das Ziel; die Kathedrale von Santiago de Compostela!
Meine Erfahrungen und Eindrücke waren so stark, das ich Zuhause unbedingt alles Aufschreiben musste, da ich Angst hatte, vieles mit der Zeit zu vergessen
So schrieb ich nur für mich aus meinen Tagebucheinträgen einen längeren Reisebericht. Als meine beiden Mitpilger 2007 auch den Weg geschafft hatten, bekam ich auch viel Bildmaterial geschenkt. (von dem ich hier eine kleine Auswahl einstelle)
Was sind nun meine Erfahrungen? Das Wichtigste für mich, war das Fehlen von Fremdbestimmung. Niemand sagt mir wann ich was zu tun habe. Ich selbst bestimme den Zeitpunkt meines Aufbruchs, der Weg ist einfach da, ich trage die Last, die ich mir auferlege und am Ende des Tages wartet ein einfaches Bett in der nächsten Herberge. Viele Frauen berichteten mir davon, wie sie mit viel zu schwerem Rucksack begonnen haben und dann nach und nach alles verschenkt oder nach Hause geschickt haben. Am Anfang noch um Kleidung und Make Up besorgt, verschwendeten sie am Ende keinen Gedanken mahr daran. Was bleibt bin Ich, der Weg und meine Gedanken.
Das ist das zweite; der Weg schenkt dir die Möglichkeit, dein Gehirn "auszumisten". Weil ich auf dem einsamen Weg nur mit mir selber auskommen muss, entsteht ganz von allein eine Klarheit über sich selbst.
Das dritte; ich lerne nach und nach, mit wie wenig der Mensch doch eigentlich zufrieden sein kann. Auf dem Pass von O`Cebreiro habe ich das besonders eindringlich gespürt. Der Weg steigt den ganzen Tag immer steiler in die Höhe, bis auf 1300 Meter. Das Wetter wurde immer schlechter. Am Anfang Nieselregen,dann Starkregen, dann Schneesturm! Völlig durchnäst komme ich in die Herberge. In dem riesigen Schlafsaal ist es Voll, Laut, Heiß und es stinkt nach Gummi und Schweiß von bestimmt dreißig Paar Wanderschuhen, die zum Trocknen auf den Heizungen stehen! Ich bin so am Ende, das ich darüber nachdenke, hier Abzubrechen und nach Hause zu fahren.
Doch dann finde ich noch ein Bett (das letzte) gehe warm Duschen und ziehe meine trockene Reservekleidung an. In der Küche mache ich mir einen heißen Tee und esse eine Büches Ölsardinen. Später sitze ich am Fenster, sehe in den Sturm und habe wieder Lebensmut. Trocken, Warm, Satt ... das reicht schon aus um mir wieder Hoffnung zu geben.
So viele Lasten, mit denen wir uns im alltäglichen Leben beschweren sind eigentlich nur Hindernisse, um uns frei zu fühlen. Solche Gedanken kommen mir immer wieder auf dem Camino. Der Pilgerweg steht Allegorisch für den Lebensweg. Es gibt so viele Parallelen zu entdecken, vom Aufbruch bis zum Ende, Unsicherheit am Anfang, Selbstbewusstsein in der Mitte, Reflexion und Nachdenken zum Ende hin. Auch die Erfahrung von guten und schlechten Wegstrecken, von gutem und schlechtem Wetter und von guten und schrecklichen Weggenossen ist auf das wirkliche Leben übertragbar. Auch Gedanken an die Endlichkeit des Lebens kommen mir. Könnte ich diesen 800 Km langen Weg schaffen, wenn ich nicht das Ziel innerlich vor Augen hätte? Ohne Ziel, würde ich doch nur Laufen um des Laufens willen. Für mich wäre es dann schwer, durchzuhalten, weil dann der Sinn fehlen würde...

Auf Anraten von Freunden habe ich dann alles nochmal überarbeitet und daraus ein Buch geschrieben.
Der Titel ist: Mein Pilgerweg - ein Tagebuch. Von Manuel Kunze
Es ist im Internet oder auch bei jeder Buchhandlung für 12,-€ zu Erhalten.

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Weiterveröffentlichungen:

Osterländer Volkszeitung | Erschienen am 31.12.2011
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2 Kommentare zum Beitrag
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Karl-Heinz Mücke aus Pattensen am 12.11.2011 um 13:04 Uhr  
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Monique Pucher aus Altenburg am 12.11.2011 um 13:39 Uhr  
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