Ein 1100-kg schwerer Freund

Allmannshofen: Sina Göppel | Allmannshofen Die idyllischen Feld- und Waldwege rund um Allmannshofen und Holzen laden viele Reiter zu ausgedehnten Ausritten ein. Auch Sina Göppel ist hier häufig unterwegs - nicht hoch zu Ross, sondern auf ihrem Ochsen „Tiger Woods“. Mit dem Ochsenritt ist die 23 jährige nicht nur ein begehrtes Fotomotiv, sie schreibt damit auch eine beeindruckende Geschichte von Freundschaft, Tierwohl und Beharrlichkeit. Auf einem Anwesen in Allmannshofen lebt ihr Ochse seit Anfang 2015 in Offenstallhaltung und großer Weidefläche zwischen Mutterkühen, Kälbern und einem Stier. Regelmäßig besucht ihn Sina Göppel, die in Weihenstephan im dualen System Landwirtschaft studiert. „Woodie ist meine Leidenschaft“ sagt sie über ihren gut 1100 kg schweren Freund.
Die Freundschaft beginnt am 20. Juni 2012 in Aindling auf einem Milchviehbetrieb, wo sie in ihrer Freizeit mithilft. Der 40 kg schwere Stier wird geboren - eine Kreuzung aus schwarzbunter, norddeutscher Mutter und einem bayerischen Fleckvieh-Vater. Vier Stunden nach der Geburt sah ihn Sina Göppel zum ersten Mal. „Ich habe mich sofort in ihn verliebt, er war ganz besonders neugierig“ blickt sie zurück. Sein Lebensweg als Mastbulle war mit Mästen und Schlachten vorgezeichnet. Die Studentin wollte das nicht hinnehmen und ging mit dem Bauer eine Wette ein: „Das Tier wird nicht geschlachtet, wenn sie es schafft, ihn zu reiten.“
Der Deal stand und Sina Göppel begann mit dem Training. Schnell wurde klar, dass Geduld und Konsequenz das wichtigste Handwerkszeug waren. Zunächst nahm sie „Woodie“ an den Führstrick und ging mit ihm spazieren. Anschließend folgte Langzügelarbeit. „Ich lief wie beim Kutsche-fahren hinterher und verwendete dieselben Befehle wie später beim Reiten“ erzählt sie. Auch die Stimmkommandos „stopp“, „mitkommen“ oder „rückwärts“ wurden geübt - und an Verkehrstraßen stehen zu bleiben, falls er einmal ausbüxt. Als der Ochse zwei Jahre alt ist (Mindestalter für das erste Aufsitzen, damit keine gesundheitlichen Folgeschäden entstehen), klettert sie zum ersten Mal vorsichtig auf seinen Rücken und erntet den Lohn ihrer langen Bemühungen: "Er akzeptierte mich." So gewinnt sie die Wette und kauft den zwischenzeitlich kastrierten „Woodie“ für 1300 Euro dem Landwirt ab.
Sehr schwierig sei es dann gewesen, einen guten Stellplatz für ihr geliebtes „Haustier“ zu finden, blickt sie zurück. Auf dem Anwesen in Allmannshofen fand sie schließlich einen „traumhaften Platz und beste Versorgung“. Ein bis zweimal in der die Woche besucht sie ihren Ochsen, pflegt sein glänzendes Fell und kratzt die Klauen sauber. Dann wird die gebisslose Zäumung und ein baumloser Sattel angelegt und hinaus geht es in die Natur. „Er ist ein Teil meines Lebens, der beste Ausgleich zum Streß im Studium - und es ist einfach ein schönes Gefühl, dass „Woodie“ wegen mir leben darf“, sagt Sina Göppel und trabt mit Ihrem "Dicken" gemütlich an der Schmutter entlang.
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2 Kommentare
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Christel Löhle aus Wedemark | 28.07.2016 | 06:52  
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Nicole Freeman aus Heuchelheim | 28.07.2016 | 07:37  
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