Lehr- und Kulturpfad Ortsberg bei Alfeld (Leine)

Der Hödeken
 
Rehberghütte
 
Blick auf Sack und Langenholzen
 
Weg zur Rehberghütte
Alfeld (Leine): Langenholzen | Übersichtskarte vom Lehr- und Kulturpfad

Der Lehrpfad "Kulturlandschaft Ortsberg" gehört zu den Hödeken-Wanderwegen. Als "Grüner Hödeken" ist er mit den grünen Hödeken-Wegweisern ausgezeichnet.


>Lehr- und Kulturpfad Ortsberg bei Alfeld (Leine)

Ausgangspunkt unserer Wanderung ist der Parkplatz der Berufsbildenden Schulen Alfeld (Leine). Wir wandern zunächst in nördlicher Richtung am Neubaugebiet „Hackelmest“ vorbei und wenden uns dann nach Osten auf den Westhang der Sieben Berge zu.

Vor dem Waldrand des Himmelberges weist rechterhand ein Wegweiser auf den Rehberg hin. Hier steht eine Übersichtstafel mit Karte für den gesamten Lehrpfad.

Der Weg führt weiter südlich am Waldrand unterhalb des Rehberges entlang. Nach ca. 400 m stellt links eine Tafel den Buchenwald vor. Der Wald des Rehberges wird nicht mehr bewirtschaftet. Die Aufforstungsversuche des 19. Jahrhunderts sind noch an den stattlichen Schwarzkiefern (Pinus nigra) ablesbar. Die Kiefer verjüngt sich hier nicht, wohl aber die Rot-Buche (Fagus sylvatica). Als floristische Besonderheiten, die wir am Wegesrand beobachten können sind der Baum Wildapfel (Malus sylvestris), die Orchidee Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea) und die Blume des Jahres 2013 das Leberblümchen (Hepatica nobilis) zu nennen.

Etwa 200 m weiter verlassen wir den Waldrandweg und steigen im spitzen Winkel in nördlicher Richtung den schmalen Trampelpfad hinauf (Ausschilderung beachten). Eine Informationstafel macht auf den Kalk-Halbtrockenrasen aufmerksam. Die naturschutzfachliche Problematik dieses Lebensraums wird hier deutlich sichtbar: Wenn in einem Jahr einmal nicht gemäht oder geweidet werden konnte, bedroht der Stockausschlag von Rosen und anderen Gehölzen die wärme- und lichtbedürftigen Arten des Trockenrasens. Im Umfeld der Tafel stehen mehrere frei gewachsene uralte Hudeeichen, die die langandauernde Beweidung dieser Flächen dokumentieren.

Durch den lichten Buchenwald aufwärts wandernd treffen wir am Wegeknick auf eine Bank, von der aus sich ein freier Blick auf die Stadt Alfeld und das westliche Leinebergland bietet.

Vorbei an der Bismarckeiche, die 1899 zum Gedenken an den Reichsgründer von 1871, Otto von Bismarck, gepflanzt wurde, stoßen wir auf eine Wegekreuzung mit schönem Blick in die Sackmulde. Wir folgen dem Weg links hinauf bis auf die Kuppe des Rehberges, die als Grünland genutzt wird. Bei klarem Wetter erkennt man im Südosten am Horizont den Brocken. Im Verlauf der Hochspannungsleitung gehen wir bis zur nächsten Wegekreuzung. Für Wanderer, die vom Himmelberg kommen, steht hier eine weitere Übersichtstafel. Eine Thementafel erklärt die von hier aus sichtbare Landschaft des Leineberglandes sowie die Erdgeschichte und Geologie des Gebietes.

Auf der Höhe

Unter der Hochspannungsleitung muss der Gehölzaufwuchs alle 10 bis 15 Jahre auf den Stock gesetzt werden. Diese Unterhaltungsmaßnahme, die aus Sicherheitsgründen notwendig ist, entspricht genau der ursprünglichen Nutzung als Niederwald, dessen Strukturen in dieser Waldparzelle noch gut erkennbar sind. Wenn wir einige Schritte hangabwärts in den Wald hineingehen, steht links die Informationstafel zum Niederwald. Wir finden hier die dünnen Stämme der Stockausschläge von Hasel (Corylus avellana) und Hainbuche (Carpinus betulus). Die Rot-Buche dagegen tritt bei dieser Waldnutzung deutlich zurück, da sie den regelmäßigen Rückschnitt schlechter verträgt als andere Gehölze.

Wir gehen wieder zurück und setzen unsere Wanderung auf der Höhe des Ortsberges in Richtung Osten fort. Zwei kleine Schautafeln erklären die Hudeeichen als Relikt früherer Weidewirtschaft und die Lesesteinhaufen am Wegesrand. Heute sammelt niemand mehr die Steine vom Acker ab. Nur der aufmerksame Beobachter kann diese Steinriegel unter den Hecken an den Wegrändern noch entdecken, aber wohl kaum erahnen, mit welcher Mühe das Absammeln der Steine verbunden war. Viele Kleintiere, Mäuse, Schnecken, Käfer, Eidechsen und Blindschleichen nutzen diesen kleinen Lebensraum als Unterschlupf. Die Äcker auf der Nordseite unseres Weges werden konventionell bewirtschaftet. Eine Informationstafel erläutert die aktuellen Nutzungsbedingungen auf dem Ortsberg.

An der Wegekreuzung biegen wir rechts nach Süden ab. Die Lärchen am Hang sind vor dem I. Weltkrieg gepflanzt worden. Alle Bäume sind vom Borkenkäfer befallen, so dass sie im Laufe der Zeit verschwinden werden. An ihre Stelle tritt ein lockeres Weißdorn-Schlehen-Gebüsch. Auch von Eichelhäher, Eichhörnchen und Mäusen „gepflanzte“ Eichen wachsen bereits heran. Eine kleine Schautafel erklärt die Nutzung von Schneitelbäumen. Eine große Informationstafel stellt einige Heilpflanzen vor, die hier wachsen. Den Weg begleitet ein Streifen Kalk-Halbtrockenrasen mit Dorniger Hauhechel (Ononis spinosa), Helm-Knabenkraut (Orchis militaris), Mücken-Händelwurz (Gymnadenia conopsea) und Schopfigem Kreuzblümchen (Polygala comosa). Eine Charakterart des Kalk-Halbtrockenrasens, das Pyramiden-Schillergras (Koeleria pyramidata), ist zur Blütezeit im Juni an den schmalen, silbrig glänzenden Ährenrispen zu erkennen.

An der nächsten Wegekreuzung informiert eine Schautafel über Naturschutz in der Kulturlandschaft, eine weitere über den Lebensraum Hecke. Von hier aus führt uns ein Abstecher nach Osten. Der Weg bleibt jetzt auf gleicher Höhe. Er wird beiderseits von hohen Hecken gesäumt. Fünfzehn Gehölzarten sind mit kleinen Täfelchen gekennzeichnet, darunter Weißdorn (Crataegus spec.), Schlehe (Prunus spinosa), Blutroter Hartriegel (Cornus sanguinea) und Purgier-Kreuzdorn (Rhamnus cathartica). Der schmale Saum der Hecken ist u. a. besiedelt von Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris), Zottigem Klappertopf (Rhinanthus alectorolophus) und Echtem Steinsame (Lithospermum officinale), auch Orchideenarten treffen wir hier an.

Die langen Hecken des Ortsberges sind jung. Noch um die Mitte der 1950er Jahre waren Böschungen und Wegränder gehölzfrei. Diese schmalen Streifen wurden als Ziegenweide genutzt. Sie stellen die ursprünglichen Kalk-Halbtrockenrasen des Gebietes dar. Von hier aus breitet sich dieser Lebensraum nun flächig auf den als Weide genutzten ehemaligen Äckern aus.

Wir könnten nun umkehren. Im Juni allerdings zur Hauptblütezeit der Acker“un“kräuter lohnt es sich, bis zum nach Süden abzweigenden Grasweg zu gehen, um den Kalk-Scherbenacker zu besuchen. Nur an wenigen Stellen wie hier auf den steinigen und zur Austrocknung neigenden Kalkböden, die aus landwirtschaftlicher Sicht als minderwertig eingestuft werden, haben sich noch zahlreiche Vertreter der ursprünglichen Ackerflora erhalten. Doch auch hier können sie nur überleben, da der Landwirt bereit ist, den Acker im Rahmen eines „Kooperationsprogramms Naturschutz“ ohne Einsatz von Spritzmitteln zu bewirtschaften. Dieser Acker ist mit mehr als 60 Arten aus Naturschutzsicht einer der wertvollsten Kalkscherbenäcker Niedersachsens. Schon vom Weg aus lassen sich auffallend große Mengen von Kelch-Steinkraut (Alyssum alyssoides) beobachten, auch der Venuskamm (Scandix pecten-veneris) und die Acker-Haftdolde (Caucalis platycarpos) sind in größerer Zahl anzutreffen. Die drei genannten Arten gehören zu den stark gefährdeten Arten Niedersachsens, Rote Liste 2.

Blick in die Sackmulde

Wir gehen nun auf demselben Weg zurück bis zum Waldrand, wo wir eine kurze Rast einlegen, allein schon wegen des reizvollen Blicks in das Innere der Sackmulde. Eine Informationstafel neben der Bank stellt die geologischen Strukturen und die Fossilien der Kalksteinböden vor. Die große Weidefläche vor uns ist aus Ackerland hervorgegangen. Das Entwicklungsziel für diesen und weitere ehemalige Äcker ist es, dem hochgradig gefährdeten Biotoptyp des Kalk-Halbtrockenrasens mehr Fläche zu verschaffen.

Nur wenige Schritte von der Bank entfernt stehen wir in einem alten lichten Buchenwald. Abgestorbene Bäume haben große Lücken im Bestand hinterlassen, viele Bäume zeigen trockene Äste und Zweige in den Kronen. Weißes (Cephalanthera damasonium) und Rotes Waldvögelein (C. rubra), Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis) und Finger-Segge (Carex digitata) weisen auf die Pflanzengesellschaft des Seggen-Buchenwaldes. Nur an wenigen Stellen finden wir aufwachsende Jungbuchen. Es bleibt abzuwarten, inwieweit der Wald sich hier auf natürliche Weise verjüngen wird. Nach etwa 150 m biegen wir nach Süden (links) ab, und gehen im Tal „Hohle Grund“ vorbei an niederwaldartigen Beständen, einem schönen Buchen-Hochwald links und einer kleinen Viehweide rechts ins Dorf hinunter. Den Rückweg zum Ausgangspunkt können wir durch das Dorf nehmen, dann kommen wir am Gottesbrunnen, einer als Naturdenkmal ausgewiesenen starken Karstquelle vorbei. Eine andere Möglichkeit ist der Weg über dem Dorf, der schönere landschaftliche Ausblicke bietet, u.a. auch auf die große Talwiese mit der mäandrierenden Warne.

Text: Bernd Galland

Mit dem „Lehrpfad Kulturlandschaft Ortsberg“ können Sie diese besondere Landschaft kennenlernen. Hierfür bieten wir Ihnen drei Möglichkeiten an:

Seggen-Buchenwald und Niederwald, Trockengebüsch und Hecken, Hudeeichen und Streuobstwiesen, Kalk-Halbtrockenrasen und Kalk-Scherbenäcker – alle wesentlichen Strukturen der historisch gewachsenen Kulturlandschaft des südniedersächsischen Berg- und Hügellandes finden sich auf der kleinen Fläche von weniger als 2 km2 am Südhang des Ortsberges. Diese für eine genutzte Kulturlandschaft charakteristischen Lebensräume sind in der Gemarkung Langenholzen bis heute erhalten geblieben, in ihrer Gesamtheit ein wertvolles Dokument der Landschaftsgeschichte. Im weiten Umkreis wird man ein vergleichbares Landschaftsbild vergeblich suchen.

Weitere Informationen unter:

www.langenholzen.de/kulturpfad/uebersicht.html

Diese Projekt wurde von der Europäischen Union aus dem "Europäischen Landwirtschaftfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELLER)" geförtdert. Weiterhin wurde das projekt von der "Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung" und von der Kulturstiftung der Sparkasse Hildesheim gefördert.
Der lehrpfad Kulturlandschaft ortsberg ist ein Projekt des NABU-KV Hildesheim in Kooperation mit der Paul-Feindt-Stiftung,dem Ornithologischen Verein zu Hildesheim e.v. und den Langenholzer Hottensteinern.

Der Landkreis Hildesheim und die Stadt Alfeld (Leine) haben das Projekt ebenfalls unterstützt.
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