Steuerklasse III und V wirklich eine gute Wahl?

Für viele Familien in Deutschland ist es üblich, dass ein Partner sich um die Kinder kümmert und somit einer Teilzeitbeschäftigung nachgeht, der andere Partner in Vollzeit beschäftigt ist. Damit stellt sich, soweit es sich nicht um einen normalen Minijob auf 450 Euro Basis handelt, die Frage:

Welche Steuerklasse wählen wir?

Üblicherweise fällt die Wahl sofort auf Steuerklasse III und V. Anfang des Folgejahres erfolgt dann die Erstellung der Einkommensteuererklärung – selbst gemacht, weil das Geld spart - . Anschließend ergeht der Einkommensteuerbescheid und die Familie ist sehr erschrocken, dass es zu einer Nachzahlung gekommen ist. Zusätzlich setzt das Finanzamt dann oft noch vierteljährliche Vorauszahlungen für das Folgejahr fest.

Da stellt sich oft die Frage: Hat das Finanzamt einen Fehler gemacht?

Meine Antwort: Möglich ist dies, aber oft gilt folgende Erklärung:

Grundsätzlich ist die Steuerklassenkombination so gestaltet, dass die Summe der Lohnsteuer in etwa der Jahreseinkommensteuer entspricht. Dies gilt allerdings nur, wenn der Ehegatte mit der Steuerklasse III etwa 60 Prozent und der Ehegatte mit Steuerklasse V etwa 40 Prozent des Arbeitseinkommens erzielt. Bei abweichenden Verhältnissen kann es somit zu Steuernachzahlungen kommen.
Es gibt nun noch die Möglichkeit einer weiteren „Steuerklasse“. Diese nennt sich IV/IV Faktorverfahren gemäß § 39f EStG. Der Faktor berechnet sich dann auf Grundlage der voraussichtlichen Einkommensteuer nach Splittingtabelle und wird vom Finanzamt auf Antrag ermittelt. Allerdings kann auch diese Variante bei z.B. privat versicherten Personen zu unzutreffenden Ergebnissen führen. Trotzdem ist diese Möglichkeit in vielen Fällen die bessere Lösung.

Um die Wahl der günstigsten Steuerklassenkombination zu erleichtern, hat die Finanzverwaltung entsprechende Tabellen erstellt. Details sind dem Schreiben des Bundesfinanzministeriums – Merkblatt zur Steuerklassenwahl – zu entnehmen.

Wenn Sie sich für einen Steuerklassenwechsel entscheiden, müssen Sie den „Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten“ ausfüllen und an Ihr zuständiges Wohnsitzfinanzamt senden. Diesen Antrag können Sie grundsätzlich selbst ausfüllen, bei der Wahl der Steuerklasse unterstützt Sie das Finanzamt allerdings nicht.

Auf eine Thematik weise ich in diesem Zusammenhang hin:
Von der Lohnsteuerklasse hängt die Nettoauszahlung ab. Und von diesem Nettobetrag bemisst sich dann die Höhe der Lohnersatzleistungen wie z.B. Krankengeld, Mutterschaftsgeld, Elterngeld, Arbeitslosengeld oder Gründungszuschuss. Etwaige Planungen für die Zukunft sollten somit unbedingt auch in die Überlegungen zur Steuerklassenwahl mit einbezogen werden.

Wer bei dieser Entscheidung Unterstützung benötigt, sollte sich fachlichen Rat vom Steuerberater einholen.

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3 Kommentare
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Basti S. aus Aystetten | 15.12.2015 | 11:53  
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Steuerberaterin Margit Egg aus Aichach | 15.12.2015 | 15:11  
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Basti S. aus Aystetten | 15.12.2015 | 15:54  
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