Trinkwasser, Flüsse, Biber und Storch

von Jürgen Garbe aus Aichach | am 04.03.2010 | 350 mal gelesen | 0 Kommentare | 2 Bildkommentare | 20 Bilder
Die Paar. Erosion, kaum Uferränder, zu nah am Feld.
 
Biber 1
 
Kaum Bäume, kein Uferrandstreifen.

Trinkwasser, Flüsse, Biber und Storch.
Sie fragen sich sicher, was verbindet diese vier Dinge miteinander, und was hat unsere Lebensgrundlage mit alledem zu tun. Dieses verständlich zu machen, soll dieser kleine Aufsatz kund tun. Als erstes möchte ich jedoch einen Satz von Mahatma Gandhi anführen, welcher da sagte: „Der Grundsatz der Achtung und Fürsorge für alles Lebendige, d.h. also der Schutz von Leben und Natur, bildet die Grundlage unserer umweltpolitischen Ziele und unserer Friedensziele.“ Um aber auch die Notwendigkeit und Priorität dieses Umweltschutzes zu bekunden, möchte ich zudem auch noch Gustav Heinemann (ehemaliger Bundespräsident) zitieren, der bereits 1972 sagte: „ Wir sind im Begriff, im kommenden Jahrhundert, also nicht irgendwann, in eine Weltkatastrophe hinein zu taumeln, wenn wir nicht bereit sind, jetzt und heute eine völlige Revolution im wirtschaftlichen und technischen Denken und Planen einzuleiten“. Also auch das, was Erich Fromm unermüdlich betont hatte, nämlich dass die Fortdauer der Menschheit von einer radikalen Änderung der Herzen und der Vernunft abhängt. So lasse ich zum Schluss auch noch Albert Einstein zu Wort kommen der da sagte: “Das Problem ist nicht die Atombombe, sondern das Herz der Menschen.“ Gut, was also hat dies alles mit Umweltschutz, Biber und Storch zu tun? Unter dem Motto „Global denken und lokal handeln“ möchte ich aufzeigen, wie wichtig die Erhaltung natürlicher Ressourcen auch hier bei uns in Bayern und in Aichach sind. Primär möchte ich dabei darauf eingehen, dass es in Bayern keine gesetzlich geschützten Uferrandstreifen gibt. Abgesehen von Naturschutzgebieten. Zwar gibt es eine Freiwilligkeit der Landwirte und Grundstücksbesitzer, was aber in der Regel viel zu wenig ist und auch oft nicht eingehalten wird. Gibt es Randstreifen, sind diese oft unbepflanzt und bieten vielen Pflanzen und Tieren keine Daseinsmöglichkeit. Dies bedeutet darüber hinaus also erst einmal einen höheren Verschmutzungsgrad der Gewässer durch Gülle, die unmittelbar bis ans Ufer ausgebracht wird. Auch gelangt dadurch viel Kunstdünger ins Wasser, und im schlimmsten Fall auch noch die sich in der Gülle befindlichen Antibiotika und Hormone. Hier schließt sich der erste Kreis unserer Betroffenheit, diese Stoffe gelangen ins Trinkwasser, weil sie selbst in den Klärwerken nicht komplett ausgefiltert werden können. Hausgemacht sind auch die Erosionen der Ufer, da sich dort keine Verwurzelung befindet. Größere Schäden durch den Biber entstehen doch nur dort, wo der Mangel seiner Lebensgrundlage, nämlich Bäume, besteht. Dort wo ein Randstreifen von schon wenigen Metern mit Bäumen und Büschen besteht, hat das Tier keine Probleme, und es tritt niemals ein zu großer oder totaler Verbiss auf. Man kann das auf meinen Fotos sehr gut beobachten, dort wo entsprechende Bepflanzung ist, sind abgenagte Bäume und Sträucher sehr selten. Der Biber haushaltet sehr vernünftig und wird niemals sein gesamtes Revier zerstören und kahl fressen. Dies hat auch mit der Population der Tiere zu tun, denn kommen sie ins Erwachsenenalter, werden sie von der Mutter vertrieben und müssen sich ein eigenes Refugium suchen. Bleiben wir noch etwas beim Biber, den es nun ja wieder seit 44 Jahren in Bayern in 3500 Biberrevieren gibt. Sicher wird das Tier nicht immer gerne gesehen, doch in den wenigsten Fällen entsteht ein größerer Schaden, welcher allerdings durch einen Fond ausgeglichen wird. Pech für das Tier ist, dass man häufig gestellte populistische Nachteilsberichte in einigen Medien deutlicher sieht als seine praktischen Leistungen für Artenvielfalt und Hochwasserschutz. Wir Menschen müssen auch verstehen, dass Tiere und Natur in einer Eigendynamik leben müssen und wir diese nicht immer und überall kontrollieren sollen. Das geht aber nur, wenn die Tiere und auch die Pflanzen ihren Raum bekommen. So sollten wir auch einmal einfach mehr Wildnis zulassen, denn das dient der Entwicklung biologischer Vielfalt. Platz für Futterpflanzen und Lebensmittel haben wir in Deutschland sowieso mehr als genug. Dort wo der Biber die Landschaft reguliert, entstehen wunderbare Lebensräume für Tausende von Insekten, Kröten, Salamandern, Fröschen, Fischen, Störchen und gar für den Fischotter. Es finden sich auch unzählige Vogelarten wieder ein, primär Sumpf- und Röhrichtvögel, aber auch der Eisvogel, die Wasserralle, Blaukehlchen, Krickente und Rohrdommel. Daraus folgt, der Biber bürgt als Schlüsselimpuls für Biodiversität. Er sorgt für neue Lebensräume und Rückhaltesysteme zum Überschwemmungsschutz. Wir Menschen haben in den letzten Jahrzehnten zu viele Auen entwässert und zu Feldern gemacht, diese fehlen heute an Überschwemmungsflächen und als Grundlage für diese Vielfalt an Leben und Nachhaltigkeit. An alledem sollten auch unsere Störche profitieren, denn ohne diese Lebensräume wird sich ein nachhaltiger größerer Bestand in Bayern nicht einstellen, und wir werden oft vergebens zu den Nestern auf unseren Türmen und Dächern schauen. Was also braucht Freund Adebar? Eigentlich all das, was der Biber ihm zu Verfügung stellen würde, sollten wir ihn denn mehr lassen. Ein Storch benötigt, insbesondere zur Aufzucht seiner Jungen, ein großes Revier extensiver Landwirtschaft, sowie flache Tümpel und Bachläufe und Abwassergräben mit einem flachen Zugang. Insbesondere bei den Gräben sieht man häufig, dass diese einfach viel zu steil und zu tief sind. Wobei die Menge dieser Gräben nicht unerheblich ist und dass Abflachen der Ufer keinen größeren Aufwand ausmachen würde. Gut, in dem Moment fehlt dem Landwirt wieder etwas Flächen, hier muss der Gesetzgeber entsprechende Ausgleiche schaffen, denn wir Menschen haben ja alle etwas davon. Denn auch hier wird dann die Gülle nicht mehr sofort bis in das Wasser laufen. Unsere Forderung an die Gesetzgeber sollte also lauten: “Verbindliche Richtlinien für Uferrandstreifen, mit einer Breite von mindestens 6 m, eher mehr! Keine Privatisierung von Wasserrechten! Im Wesentlichen sollten wir Menschen jedoch wieder sensibler werden, erkennen, dass wir nur ein Teil dieser Natur sind und wir diese nicht völlig ausbeuten dürften. Wir dürfen nicht denen das Feld überlassen, die nur an ihren eigenen Profit denken. Die politische Philosophie, dass immer mehr Wachstum notwendig sei, oder gar den Staat damit zu konsolidieren, dürfte gerade das Gegenteil von dem sein was unser Altbundespräsident Gustav Heinemann bereits 1972 sagte. Schließen möchte ich mit einem Wort der einstigen Vorsitzenden der Grünen, Petra Kelly, aus ihrem Buch: “Mit dem Herzen denken“: „Zärtlich und zugleich subversiv sein, das bedeutet für mich politisch „grün“ wirken und sein. Ich will den Begriff Zärtlichkeit weit fassen. Mit eingeschlossen in diesen für mich auch politischen Begriff ist der zärtliche ökologische Umgang mit Tieren, Pflanzen, mit der Natur, mit Ideen, mit Kunst, mit der Sprache, mit dem Planeten Erde, der keinen Notausgang hat.“

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