Hochklassiges Kabarett zum Jubiläum der Aichacher SPD
Aichach: TSV-Halle | Aichach (alt) Statt eines Festabends mit feierlichen und salbungsvollen Reden beging der SPD-Ortsverein Aichach am Samstagabend sein 90-jähriges Jubiläum mit einer politischen Kabarettveranstaltung in der TSV-Halle. Die Genossinnen und Genossen um OV-Vorsitzenden Walter Jöckel luden sich und den zahlreich erschienenen Gästen dazu Henning Venske und Jochen Busse, begleitet von Frank Grischek am Akkordeon, mit ihrem brandneuen Programm „Inventur“ ein. „Auch angesichts der letzten Wahlergebnisse die bessere Entscheidung“, bekannte Jöckel unter beifälligem Applaus der Besucher, und die „alterswilden“ Urgesteine Venske und Busse blieben in den zwei Stunden pointiert gespielter Politsatire zu keinem Zeitpunkt den Beweis schuldig.
Nach Jahren selbst auferlegter Abstinenz wagten sich die „Kulturschaffenden“ des Aichacher SPD-Sprengels, die einst absolute Topadressen wie die „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“, Werner Schneyder, Lisa Fitz oder Konstantin Wecker in die Paarstadt holten, wieder an die hehre Aufgabe, dem klassischen politischen Kabarett Raum und Heimstatt zu geben. Ein angesichts des schier unaufhaltsamen Siegeszuges klamaukierender Comedians und Pointen-Rowdys mit Privatsender-Niveau live und auf der Mattscheibe einerseits löbliches Unterfangen, das andererseits quantitativ – vom Zuspruch her – nicht ausreichend, aber qualitativ – vom Gebotenen her – um so mehr belohnt wurde.
Henning Venske und Jochen Busse in Hochform trafen dabei mitten in die pechschwarze Seele bundesrepublikanischer Befindlichkeit. „Inventur“ gerät bei Jochen Busse und Henning Venske zur gnadenlosen Abrechnung mit einem Staatswesen und seinen Bürgern, die gleichermaßen ferngesteuert und bis ins Absurde verprogrammiert „am besten auf Werkseinstellung zurückgesetzt“ gehörten. So viele Spiegel kann man gar nicht herbeischaffen, wie ein genial sich scheinbar verhaspelnder und verplappernder Jochen Busse, bei dem man immer das Gefühl hat „Jetzt redet er sich gleich um Kopf und Kragen“, und ein brillant zynischer, ewig zorniger Linksintellektueller der alten Schule Henning Venske mit bitterbösen Pointen wie messerscharfe Stacheln sie virtuell und verbal dem Volk und seinen es Regierenden vors Gesicht halten. Ja, Henning Venske und Jochen Busse sind voll in Fahrt. Man musste höllisch aufpassen, dass man ob des Tempos der verbalen Attacken wider den Irrsinn nicht überfahren wurde von den beiden großen alten Männern des politischen Kabaretts bester Schule. Nach dieser Vorstellung wird klar, warum die Premiere vorige Woche vom Feuilleton umjubelt wurde und die Spielzeit in der „Münchner Lach und Schieß“ restlos ausverkauft ist. Letzteres hätten die Kabarettisten wie auch die Veranstalter in Aichach auch verdient gehabt.


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