„Der Gewerbepark ist mehr als konkurrenzfähig“: Ein Interview mit Thomas Wörle (Wirtschaftsförderung der Stadt Aichach)

    myheimat: „Die Wirtschaft boomt im Landkreis“, sagte Christian Knauer anlässlich der WI-LA-Eröffnung im April 2013. Wie stellt sich aus Ihrer Sicht die wirtschaftliche Lage in der Stadt Aichach dar?
Wörle: Ja, die wirtschaftliche Lage im Stadtgebiet ist wirklich sehr gut. Um die Worte des Landrats aufzugreifen, auch in Aichach boomt die Wirtschaft. Das ist in erster Linie ein Erfolg der Unternehmer selbst. Die vollen Auftragsbücher sind ein Beweis, dass von Aichacher Unternehmen sehr gute Arbeit geleistet wird. Hierzu kann die Verwaltung, das heißt der Landkreis oder die Stadt, nichts unmittelbar beitragen. Dennoch ist der mittelbare Beitrag für die gute wirtschaftliche Situation im Stadtgebiet durch die Stadtverwaltung und allen voran der des Ersten Bürgermeisters Klaus Habermann nicht zu unterschätzen. Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Unternehmen Aichach als ihren Standort wählen oder beibehalten. So hat der Bürgermeister, zum Beispiel bei der Expansion der Julius Zorn GmbH, dem größten gewerblichen Arbeitgeber in der Stadt Aichach, durch seine Vermittlung mit dazu beigetragen, dass ein Neubau am Standort im Gewerbepark möglich wurde. Generell ist es für Unternehmen wichtig, dass die Rahmenbedingungen und die Infrastruktur stimmen und geeignete Gewerbeflächen vorhanden sind. Das sind wichtige Grundvoraussetzungen für erfolgreiches Wirtschaften. Hier ist die Stadt Aichach mit dem Acht300 Gewerbepark gut aufgestellt. Auch die Planungen für kleinere Gewerbeflächen im Gewerbegebiet Ecknach, die gerade durch die Stadtverwaltung vorangetrieben werden, leisten hierzu ihren Beitrag. Last but not least ist die hervorragende Lebensqualität der Stadt Aichach zu nennen. Unternehmer brauchen Mitarbeiter und gerade in Zeiten von Fachkräftemangel, in der diese Menschen umworben werden, spielt die Lebensqualität des Ortes, an dem man der Erwerbstätigkeit nachgeht und wohnt, schon eine bedeutende Rolle. In Aichach finden sowohl Unternehmer und Beschäftigte beste Lebensbedingungen.

myheimat: Die Jubiläumsausgabe der WI-LA verzeichnete mehr als 25.000 Besucher. Mit dem Thema „Stadtentwicklung“ setzte die Stadt Aichach einen eigenen Akzent. Wie haben Sie die große Leistungs- und Verkaufsschau im Wittelsbacher Land erlebt?
Wörle: Die Besucherzahlen unterstreichen erneut den Erfolg der WI-LA. Sie ist ein Erfolg sowohl für die Aussteller wie auch für die Besucher. Aussteller können sich zu vernünftigen Preisen präsentieren, die Besucher können sich gezielt informieren oder auch nur eine schöne Zeit verleben. Das Konzept, die Vermischung von Eventzelt und Ausstellung passt. Dass die Stadt Aichach mit dem Thema Stadtentwicklung einen eigenen Akzent gesetzt hat, finde ich sehr gut. Die Vorstellung der Planungen „Stadt am Fluss“ im Rahmen der Maßnahmen „Grünzug an der Paar“ war sehr aufschlussreich. Was ich ganz bemerkenswert finde: In diesem Zusammenhang wurde echte Bürgerbeteiligung gelebt. Die Anregungen und Wünsche zu dem Projekt flossen zum Teil direkt in die weiteren Planungen des Bauamts ein. Auch konnte sich jeder Besucher am Stand der Stadt Aichach ausführlich über den Wettbewerb für die Obere Vorstadt informieren und kann jetzt bestens informiert die Weiterentwicklung dieser Planungen verfolgen.

myheimat: Eine weitere wichtige Messe findet alljährlich in München statt. Bei der EXPO REAL können sich Wirtschaftsregionen und Städte mit ihren Vorzügen präsentieren und für den Wirtschaftsstandort werben. Wie fällt Ihre diesjährige Bilanz aus?
Wörle: Eigentlich ist es schwierig, für solche Auftritte eine aussagefähige Bilanz aufzustellen. Das Ergebnis ist oft nicht direkt messbar. Es ist aber sehr wichtig, sich hier zu präsentieren. So bleibt man im Fokus möglicher Investoren bzw. so kann man in deren Fokus gelangen. Hierzu ist die EXPO REAL das geeignete Forum. Doch in diesem Jahr ist in der Bilanz der EXPO REAL möglicherweise sogar ein direkter Geschäftsabschluss in den nächsten Monaten zu verbuchen.

myheimat: Ein spannendes Projekt ist der Acht 300 Gewerbepark Aichach Dasing. Am 12. August 2013 erfolgte der offizielle Spatenstich. Mit der NORMA-Gruppe wurde bereits eine namhafte Neuansiedlung realisiert. Wie lautet Ihre Zukunftsprognose für den Interkommunalen Gewerbepark?
Wörle: Der Acht300 Gewerbepark Aichach Dasing steht auf einer sehr guten Basis. Das Bauamt hat die Planungen sehr gelungen ausgearbeitet und treibt die Erschließungsarbeiten, die schon angelaufen sind, sehr professionell voran. Die finanzwirtschaftliche Seite ist sehr solide und bei der städtischen Finanzverwaltung wie gewohnt in fachmännischen Händen. Auch der Verkauf der Grundstücke ist mehr als zufriedenstellend angelaufen. So wurden schon rund ein Drittel der Flächen verkauft, bevor eine Erschließungstrasse gebaut ist. Das spricht eine eindeutige Sprache für die Qualität des Acht300 Gewerbeparks. Eine Zukunftsprognose ist immer mit vielen Unwägbarkeiten behaftet. Festzuhalten ist, dass das Fundament sehr gut erarbeitet ist. Der Gewerbepark ist mehr als konkurrenzfähig im Vergleich zu anderen Gewerbegebieten und daher schaue ich zuversichtlich der Zukunft entgegen.

myheimat: Einiges hat sich auch im Gewerbepark an der B 300 getan. Die Firma Julius Zorn GmbH erweiterte ihre Produktionskapazitäten und sicherte damit rund 450 Arbeitsplätze am Standort Aichach. Ein wichtiges Signal, oder?
Wörle: Das ist in der Tat sehr wichtig für die Stadt Aichach und das Umland gewesen. Für Aichach ist das eine Auszeichnung, dass sich eine Firma wie die Julius Zorn GmbH langfristig zu Aichach bekennt. Für viele Bürger ist es sehr wichtig, weil sie dadurch, hier am Ort, ihren guten und sicheren Arbeitsplatz beibehalten können.

myheimat: Das „wirtschaftliche Leben“ der Stadt Aichach hängt allerdings nicht ausschließlich von leistungsstarken Gewerbegebieten ab. Welches Fazit ziehen Sie im Hinblick auf den innerstädtischen Einzelhandel im Jahr 2013?
Wörle: Diese auf den ersten Moment sehr eindeutige Frage ist nicht ganz so einfach zu beantworten. Der rein wirtschaftliche Erfolg der Stadt Aichach hängt schon stark von dem Erfolg der gesamten Gewerbebetriebe und damit auch von leistungsstarken Gewerbegebieten ab. Hierbei spielt der innerstädtische Einzelhandel eine bedeutende Rolle, jedoch nicht die herausragende. Aber für das Leben in der Stadt und für das, was eine Stadt als Lebensmittelpunkt lebenswert macht, ist der florierende innerstädtische Einzelhandel sehr, sehr wichtig. Ganz generell bilden meiner Meinung nach innerstädtischer Einzelhandel und die Einwohner der Stadt eine existenzielle Symbiose. Der Einzelhandel benötigt die Aichacher als Kunden, die Aichacher den Einzelhandel, weil er zum Bild einer lebenswerten Stadt gehört. Dass der innerstädtische Einzelhandel funktioniert, akzeptiert wird und sich rentiert, beweist, dass es kaum Leerstände in der Stadt gibt, ja, dass einige Geschäfte hinzugekommen sind, die es vorher in der Stadt nicht gab. Es zeigt sich in diesem Zusammenhang auch, dass das Milchwerk hier eher Frequenzbringer für die Innenstadt ist, was von einigen Experten so nicht vorausgesehen war. Durch die gerade genannte Wichtigkeit des innerstädtischen Einzelhandels sehe ich auch den Schutz der von der Sortimentsbeschränkung ausgeht, als sehr sinnvoll an. Aber „Handel ist Wandel“, was bedeutet, dass das Angebot sich der Nachfrage anzupassen hat, dass sich morgen vielleicht nicht mehr verkaufen lässt, was sich heute verkaufen lässt. So muss ganz allgemein jedes Unternehmen, ob produzierend oder als Dienstleister, ständig seine Leistungspalette der Nachfrage durch den Markt anpassen.

Interview: Joachim Meyer, Bilder: privat, Redaktion
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin aichacher | Erschienen am 18.12.2013
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