Aichach und die Flüchtlingskrise

  SPD Ortsverein informiert sich

Der Bürgerkrieg in Syrien und die bewaffneten Konflikte in Afghanistan und Afrika erreichen schon seit Monaten auch Aichach. Insgesamt leben inzwischen 319 Personen in der Kreisstadt , davon sind 4 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, die vor Tod, Vertreibung und Krieg geflohen sind. Schon in der kommenden Woche könnte sich ihre Zahl sogar noch einmal erhöhen. Für die Politik und alle Menschen in der Stadt ist das eine große Aufgabe, die nicht leicht ist. Aichachs Bürgermeister Klaus Habermann selbst beschäftigt sich ebenfalls täglich mehre Stunden mit den Flüchtlingen, die in den Stadtgrenzen Schutz suchen. Im Rahmen eines Vortrages des Ortsverbandes der SPD im Rehstaurant schilderte er ausführlich die aktuelle Lage. Und stellte die Frage: „Können wir es wirklich schaffen?“
Damit sprach er auch vielen Anwesenden aus der Seele, die kein Ende der Dauerbelastungen fürchten. Schon heute spüren Rettungskräfte und freiwillige Helfer erste Ermüdungserscheinungen. Habermann lobte ihr großes Engagement und das Herzblut aller Helfer, doch auch er konnte kein baldiges Ende der Anstrengungen versprechen. Zumindest nicht in absehbarer Zeit. Immerhin sei nicht die Aufnahme von Flüchtlingen die größte Aufgabe für unsere Gesellschaft, sagte der Bürgermeister. Sondern deren Integration in die Gesellschaft. Und vor allem hier sieht sich Habermann von der großen Politik allein gelassen.
Vor allem kritisierte er die fehlende Führungsrolle von Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrer Regierung. Besonders enttäuscht ist das Stadtoberhaupt dabei über die fehlende Unterstützung beim Deutschunterricht. „Das kann nicht sein, dass das Ehrenamtliche machen. Obwohl es eine Aufgabe des Staates wäre.“ Hier zu schlampen sei unverzeihlich, sagte Habermann. „Sprache ist der zentrale Bestandteil der Integration.“
Zwar hätten sich die Flüchtlinge bereits gut eingelebt und erste Freundschaften mit ihren Nachbarn geschlossen, berichtete Habermann mit sichtbarer Erleichterung. Doch müsse nun gehandelt werden. Immerhin stammen viele der Asylbewerber aus Syrien und Nigeria. Und damit aus Staaten, die als unsicher gelten. Das sie zurück in ihre Heimat müssen, ist also unwahrscheinlich. Sie werden auf längere Zeit in Aichach bleiben. Und, sofern gewünscht, mit ihrer Duldung auch Bürger der Stadt werden. Mittelfristig müsse für sie Wohnraum geschaffen werden, beschreibt Habermann. Doch wo soll sozialer Wohnbau in der Stadt umgesetzt werden? Noch gebe es dafür keinen spruchreifen Plan, erzählte der Bürgermeister.
Zeitgleich warnte Habermann vor einer „Ghettoisierung“, sollten nur Flüchtlinge in hastig gebaute Wohnungen gestopft werden. Viel mehr wünsche er sich eine „normale Verteilung“, also eine Mischung, die nicht zwischen Flüchtlingen und Deutschen unterscheidet. „In Aichach soll jeder bezahlbaren Wohnraum finden, der ihn sucht“, betonte Habermann Dabei dürfe Herkunft und Vergangenheit keine Rolle spielen. Diese Aufgabe gab er nicht nur für sich in den kommenden Jahren aus. Sondern für die gesamte Stadt und ihre Verwaltung.
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Klaus Anton aus Burgwedel | 24.10.2015 | 19:28  
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