Der Biber und seine Heimat bei Aichach

Biber bei seinem zerstörten Damm
 
Zerstörter Biberdamm

Der Biber ist ein Tier, welches wie jedes andere bestimmte Umweltsituationen und Lebensräume benötigt. Oft wird dieser Nager auch heftig beschimpft, weil er angeblich zu viele Umweltschäden hinterlässt, aber eigentlich ist gerade das Gegenteil der Fall. Die Biber schaffen durch ihre Wasserwirtschaft einzigartige Verhältnisse für unzählige andere Tier- und Pflanzenarten. Des Weiteren trägt er auch mit seinen Anlagen für den Hochwasserschutz bei, was ja zweifellos wissenschaftlich bewiesen ist. Dieses Interesse des Bibers kollidiert sicherlich mit unserer Zivilisation, in erster Linie mit der Landwirtschaft und Bebauung. Als der Biber wieder in Bayern eingeführt wurde, war das eine gute Sache, und man musste sich darüber im Klaren sein, was die Folgen sind und wie diese zu bewältigen wären. Anhand eines unserer Biber in Aichach sind mir aber ein paar Dinge aufgefallen, die es dem Biber nicht gerade leichter machen, was im Endeffekt irgendwann auch wieder auf den Menschen zurückfallen kann. So wird zum Beispiel jedes Mal an dem Bach neben der Flurstraße die Stauung, die der Biber mühevoll errichtet hat, durch einen großen Bagger nach kurzer Zeit wieder zerstört. Diese Maßnamen müssen manchmal und in seltenen Fällen sogar notwendig sein, müssen aber auch immer erst durch die zuständige untere Naturschutzbehörde genehmigt werden. Ganz sicher ist es auch logisch, dass die Landwirte keine besonderen Einbußen durch diese Besiedelung haben dürfen und diese durch den Gesetzgeber entschädigt werden müssen. Die Fehler, die dazu führen, dass wir mit unserem neuen tierischen Nachbarn scheinbar ab und zu Probleme haben, liegen aber eindeutig beim Menschen. Die häufigsten Ursachen finden wir in falscher Naturgestaltung, so wird jeder kleine Bach oft kanalisiert oder begradigt, was vom ökologischen Standpunkt her sehr viele Nachteile und eine Zerstörung der Natur mit sich bringt. Des Weiteren stellt man fest ,dass hier in der Region um Aichach und auch anderenorts die Ackerflächen bis manchmal sogar nur 1 m an einen Fluss heranreichen. Das ist nicht nur wegen der Pestizidverunreinigung der Flüsse viel zu wenig, allerdings sind auch 3 m zu wenig, sondern es gestaltet sich an den Flüssen kein Lebensraum für die Tiere und Pflanzen. Ein vernünftiger Uferrandstreifen würde viele Funktionen für das Überleben seiner Anwohner sichern, insbesondere auch der im Boden lebenden Tieren, die durch eine starke Beackerung kaum noch eine Chance haben, nicht bald zu den definitiv aussterbenden Arten zu gehören. Andere positive Eigenschaften eines intakten Flussrandes ist ein sich dort entwickelndes Mikroklima und eine positive Fließgewässerdynamik, z.B. durch Hereinragen der Wurzeln und Äste, die einerseits in dem Fluss den Sauerstoffgehalt durch Wasserverwirbelung erhöhen und andererseits die Fischbrut und junge Fische vor Räubern schützen. In der Schweiz hat man jetzt wenigstens eine 6 m Pufferdistanz zu landwirtschaftlichen Flächen parlamentarisch verabschiedet. Besser wären natürlich 15-20 m denn solche Wildnisstreifen entlang der Ufer wären der beste Weg zum Gewässerschutz und gleichzeitig ein wirksames Biotop. Und damit uns unsere Biber nicht mehr so zanken und gerade die wenigen Bäume umhauen, die wir ja leider selber in viel zu geringer Zahl vor Jahren einmal gepflanzt haben, müssen wir dafür sorgen ,diese Bäume mit einfachen Mitteln, wie Draht, zu schützen und dem reinen Vegetarier Biber genügend Revier, also auch genügend Lebensräume zur Verfügung zu stellen. Zum anderen sollten wir auch nicht an irgendwelche populistischen Märchen glauben, die zum Teil in den Medien publik gemacht wurden .Wir sollten den Biber als das sehen, was er wirklich ist, was er verursacht, aber auch welche großen Vorteile er mit sich bringt. Es wurde zum Beispiel behauptet, dass gefangene Biber aus einer Überpopulation nach Rumänien gebracht würden und diese Transporte würde pro Biber über 7000 € kosten. Angekommen in diesen Ländern wie auch Bulgarien, würden diese Tiere dann ja doch geschlachtet und die Felle wieder als Pelzmäntel nach Deutschland verkauft. Davon ist sicherlich nichts wahr, denn ein Transport pro Biber kostet so um die 85 € und zum anderen unterliegen diese Länder dem Artenschutz genauso wie auch Deutschland. Der Biber selber würde gut mit seinem Revier umgehen, denn nur dann, wenn es ihm möglich ist, kann er von selbst nachhaltig Wirtschaften. Er ist nicht so verrückt wie ein Teil der Menschheit und sägt den Ast, auf dem er sitzt, sich selber unter dem Hintern ab. Überpopulationen sind in der Regel auch relativ selten, da erwachsene Tiere viele Jungtiere töten, wenn sie in ihr Revier eindringen. Für das Revier eines Bibers sind circa 2-3 km Ufer nötig. Wenn wir also dem Biber etwas mehr Lebensraum geben, haben nicht nur die vielen anderen Tiere und Pflanzen etwas davon, sondern unbedingt auch der Mensch, denn ohne Natur gibt es kein Leben auf dieser Erde. Das bedeutet auch für den Biber, dass nicht er sich zurückziehen soll und wenn vielleicht wieder einer mal zu viel ist, in den Ostblock geschickt werden soll, sondern dass der Mensch sich etwas mehr aus diesen sensiblen Flussbereichen entfernen muss. Und man kann es wirklich nicht oft genug sagen, Landschaftsschutz und Tierschutz ist Menschenschutz. Vergessen wir das nie, damit wir es auch denen noch erhalten, die nach uns kommen, und uns selber eine lebenswerte Welt, auch gerade in unserer schönen Gegend hier um Aichach herum, erhalten.

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2 Kommentare zum Beitrag
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Max Bils aus Aichach am 23.05.2009 um 18:08 Uhr  
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Karola M. aus Peine am 23.05.2009 um 20:45 Uhr  
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