„Ich bin ein Besessener“ - Peter Görlach leitet die Süddeutschen Karl May-Festspiele in Dasing

Seine Begeisterung für die Welt der Indianer hat Peter Görlach zum Beruf gemacht
 
Eine Trickreiter-Ausbildung ermöglicht Görlach spektakuläre Stunts.

Zum dritten Mal führt Peter Görlach aus Wien dieses Jahr Regie bei den Süddeutschen Karl May-Festspielen, die bis 21. September jedes Wochenende in der Westerncity Dasing laufen. Gleichzeitig wird er „Im Tal des Todes“ als kriegerischer Häuptling „Hehata-Schanteh“ eine Hauptrolle spielen, die er sich selbst auf den Leib geschrieben hat. Denn auch das Textbuch zur Neuinszenierung stammt von dem leidenschaftlichen Karl May-Fan, der von sich sagt „Ich bin ein vollkommen Besessener“.
Eine Aufführung vor 30 Jahren in der Wiener Stadthalle hatte diese Besessenheit ausgelöst. Damals ritt Edel-Winnetou Pierre Brice über die Bühne, um den „Schatz im Silbersee“ zu retten. Seitdem bestimmen indianische Kultur und Philosophie Görlachs Leben, das ursprünglich ganz anders geplant war. Denn nach dem Fachabitur hatte der gebürtige Wiener Hochbauingenieur gelernt, diesen Beruf aber nie ausgeübt.

Start mit einem Pferd
Danach wollte er Tiermediziner werden, brach die Ausbildung aber ab, um sich ganz seiner Vision vom Theater zu widmen. Das faszinierte ihn schon als Zehnjähriger, der im elterlichen Wohnzimmer die Vorstellung mit Pierre Brice nachspielte. Im Laufe der Zeit wurde dieses Kindertheater immer professioneller: Genügten daheim im Garten noch ein Kassettenrekorder und ein kleines Zelt, so gab es wenige Jahre später in einem Steinbruch im Waldviertel bereits eine richtige Stereoanlage und ein echtes Pferd, das der begeisterte Bub von einem Bauern ausgeliehen hatte.
1983 durfte sich Peter Görlach aus der Stadthalle, wo er „Das Geheimnis des Feuerbergs“ gesehen hatte, den aus Leinenstoff gefertigten Vulkan holen und spannte als Spediteur seinen Onkel ein, der das sperrige Kulissenteil auf dem Dach seines VW Käfers durch Wien kutschierte. Den Vulkan verwendete er bei seiner Inszenierung des „Schatz im Silbersee“, zu der 1984 immerhin rund hundert Zuschauer aus dem Familien- und Freundeskreis kamen.
„Wir hatten richtige Kostüme und Pyro-Technik für die einstündige Vorstellung“, erzählt Görlach, der mit seinem Eifer Mitspieler und Schulfreunde ansteckte. Für seine Traumrolle als Winnetou wiederholte er sogar freiwillig eine Klasse, indem er erst gar nicht zu einer Nachprüfung antrat. Weil Karl Mays Fantasiewelt die gesamte Freizeit in Anspruch nahm, blieb auch für Freundinnen kaum Platz.

Ein Steinbruch als Prärie
Ein weiteres wichtiges Schlüsselerlebnis war für Görlach und seinen Freund Heinz Koziol 1986 ihr Besuch der Karl May-Spiele in Elspe im Sauerland. „Auf der zehnstündigen Heimfahrt hatten wir kein anderes Thema als die Frage: Wie können wir etwas Ähnliches auch in Österreich realisieren?“ Denn trotz aller Begeisterung war das Ganze bisher ein Hobby, die Darsteller waren Laien ohne größere finanzielle Mittel und seinen Lebensunterhalt bestritt Görlach als Büroleiter bei einer Catering-Firma.
So gründeten die Idealisten einen Verein, funktionierten einen Steinbruch im niederösterreichischen Gföhl zur Prärie um und starteten 1988 mit sieben Pferden und 30 Schauspielern. Ab 1994 wurden die Spiele nach Winzendorf verlegt, wo das Team auch Western-Kulissen aufbaute. Um seinen Traum vom Berufs-Indianer zu verwirklichen, nahm Görlach mittlerweile Unterricht als Trickreiter und Schauspieler. „Vieles konnte ich auch von den professionellen Stuntmen aus Frankreich und Ungarn lernen“, erzählt er.
Seine endgültige Entscheidung, das Hobby zum Beruf zu machen, fiel schließlich im Jahr 2000. In den folgenden Jahren arbeitete er als Showmanager in der Westernstadt No Name-City bei Wien, wo es auch ein Wiedersehen mit Pierre Brice gab.

Märchen für die Familie
Als fundierter Kenner der indianischen Kultur und des Karl May-Universums war Görlach bereits 2005 bei der Premiere der Süddeutschen Karl May-Festspiele in Dasing beratend tätig. Im Jahr darauf nahm ihn Intendant Fred Rai als Autor, Darsteller und Regisseur unter Vertrag, denn beide fasziniert der Hintergrund der spannenden Romanvorlagen: „Wir wollen keine wilden Action-Baller-Aufführungen, sondern das Märchenhafte und die Romantik der May-Bücher als Unterhaltung für die ganze Familie präsentieren.“ So werde auch die indianische Philosophie deutlich.
Wenn in Dasing Schnee liegt, sitzt Görlach in seiner Wiener Wohnung vorm Computer, um in langen Nächten das Textbuch fürs kommende Jahr zu tippen. „Am Anfang muss eine Konfrontation stehen, um die Geschichte in Schwung zu bringen“, verrät er. Ein überraschender Wendepunkt sei dann ebenso wichtig wie Humor oder ein spannendes Duell wie zwischen ihm als „Parranoh“ und Winnetou im vergangenen Jahr.
Seine aufwändigen Kostüme näht der Regisseur alle selbst, empfindet dies und einen 14-Stunden-Tag während der Hochsaison aber nicht wirklich als Stress: „Ich betrachte es als Geschenk, Geld mit einer Arbeit zu verdienen, die einem seit der Kindheit soviel Freude macht!“ Profitieren könne er dabei von der langjährigen Erfahrung Horst Jansons, der dem ganzen Team in Dasing mit wertvollen Tipps zur Seite stehe. Auch Görlachs Freundin Regina teilt seine Begeisterung und macht zur Zeit eine schamanische Ausbildung als spirituelle Heilerin. Nur ein eigenes Pferd hat der Hobby-Indianer nie besessen: „Bei meinem Arbeitspensum bleibt kaum Zeit, Verantwortung für ein Tier zu übernehmen.“
„Im Tal des Todes“ wird in der Westerncity Dasing bis 21. September samstags um 16 und 20 Uhr gezeigt, sonntags um 17 Uhr. Gespielt wird bei jedem Wetter, denn die Zuschauer sitzen auf einer überdachten Tribüne. Mehr Infos unter www.karlmay-festspiele.de.

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