Teilleistungstörungen Legasthenie/Dyskalkulie

Da stellt sich die Frage:
Was ist eigentlich eine „Teilleistungsstörung“?

Die Wissenschaftler bezeichnen den Begriff Teilleistungsstörung“ als eine Beeinträchtigung eines Gliedes einer Kette von Funktionen, die Auswirkungen auf das ganze System hat. So werde ich es den Kindern erklären und vor allem wegführend von einer Behinderten-Definition. Kinder hören dieses Wort oft bei den Eltern, in der Therapie und können es sich meistens nicht erklären. In passende kindgerechte Geschichten verpackt, lässt sich diese Begrifflichkeit den Kindern verständlich erklären. Sowie es nicht „das“ ADHS/ADS gibt, sondern nur ein mehr oder weniger gibt, gibt es auch nicht „die“ Legasthenie oder „die“ Rechenschwäche. Nicht richtig Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen zu können, ist nur dann bedeutend, wenn das Kind Lesen, Rechtschreiben oder Rechnen muss. Das Kind kann so viele andere Dinge gut. Die Legasthenie/LRS-Schwäche und die Rechenschwäche ist bei vielen Dingen, wie zum Beispiel beim Sport, beim Malen, beim kreativen Basteln, beim Kontakt mit Freunden unwichtig. Legasthenie/LRS-Schwäche und Rechenschwäche sind nur ein Teil vom Kind.
Nicht das Kind im Gesamten! Es gilt zu stärken: Du bist viel mehr!
Diesen Grundgedanken werde ich den Eltern und Kindern immer wieder vermitteln. An der Entstehung einer Legasthenie/LRS - Schwäche ist niemand Schuld, aber im Umgang mit der Legasthenie/LRS -Schwäche trägt jeder eine wichtige Verantwortung! Wir können die „Lernstörungen“ als das erkennen, was sie sind. Wir können das Kind ohne Stigmatisierung bestmöglich fördern und die vielleicht dennoch erkennbare Grenze akzeptieren, ohne das Kind deshalb weniger zu lieben und zu achten. Diese oben genannten Lernstörungen werden nach medizinischen oder pädagogischen-psychologischen Kriterien diagnostiziert. Mit dieser Art und Weise der Testung ist eine spezifische Sichtweise verbunden, in der die „Störung“ beschrieben wird. Sie erscheint somit als Abweichung vom normalen Entwicklungstand der Kinder (z.B. die umschriebene Entwicklungsstörung nach ICD-10 F. 81.0) oder als Leistungsdefizit gegenüber erwartbarer Leistung (z.B. Normen von Schulleistungstests). Das Kind erscheint somit als Träger der „Störung“ oder als ein den „objektiven“ Daten zugeordneter Fall. In der integrativen Lerntherapie müssten, folgt man diesen Sichtweisen, Mängel am Kind beseitigt werden oder soweit verringert werden, dass die „Lernstörung“ wieder unauffällig, d.h. normal wird. Nach meiner persönlichen Meinung werden diese Sichtweisen, den besonderen lerntherapeutischen Prozess nicht gerecht. Sie sind nicht geeignet den Prozess damit zu beschreiben oder genau zu erfassen, welche Ziele die uns anvertrauten Kinder erreichen können oder nicht. Wenn an mich der Anspruch, therapeutisch zu arbeiten mit Recht erhoben wird - und er wird unter den unterschiedlichsten theoretischen Vorraussetzungen erhoben - so sollte auch ein individuelles Verstehen der Schwierigkeiten der Kinder möglich sein. Das setzt eine eigene therapeutische Sichtweise voraus. Diagnostisch vorgegebene oder erfassbare Daten sind zur Orientierung und Gutachtenerstellung notwendig. Der Förderung/Therapie einer LRS Schwäche/Störung oder einer Rechenschwäche geht selbstverständlich immer eine multiaxiale Differential-Diagnostik mit validen Tests und Anamnese beim Kinder- und Jugendpsychiater (z.B. Hamburger Schreibprobe, der ZAREKI-Test, HAWIK III) voraus. Zu beachten ist dabei, dass diese Daten wenig über die „inneren Ziele“ aussagen, die das Kind in der Therapie erreichen möchte. Für das Kind im lerntherapeutischen Prozess wird auf jeden Fall ein Weg gesucht, dass es über seinen eigenen Zugang zum Lernen entscheiden kann und dass es das Lernen mit Neugier, Freude und Interesse als seine Tätigkeit erlebt.
„Es ist eine gigantische kulturelle Hochleistung, Klänge aufzuschreiben. Aber wir behaupten einfach, wer damit Probleme hätte, sei geistig behindert (dysfunktional). Das ist kompletter Irrsinn. Mit dieser Logik müssten wir sagen: „Ich bin dys-zeichnerisch, dys-sprachlich, dys-mathematisch, dys-musisch ect.ect…“ (Vera F. Birkenbihl 2005)

Quelle: Facharbeit/ M.Sigl 2006, Integrativen Lernförderung/ Wege zur ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung mit systemischen Ansätzen und validen Programmen
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