Gehirngerechtes Lernen – Neurobiologische Ansätze

Sehen, hören, riechen – viele Reize aus der Umwelt gelangen so in unser Gehirn. Wir entwickeln positive und negative Emotionen, kreative Ideen und reagieren auf unsere Umwelt. Lernvorgänge und Gefühle können nur in unserem Gehirn ablaufen. Die Neurobiologische Forschung von heute zeigt uns klar, wie wichtig die Aufmerksamkeit, die Motivation und ein affektiertes Mitschwingen sind. Wenn Kinder in der Lernförderung nicht im positiven Sinn affektiv geneigt sind, dann bringen auch die vielen kreativen und tollen Inhalte nichts. Es ist zum Beispiel heute durch Experimente gut belegt, dass die Erweiterungsfähigkeit unserer neuronalen Areale ganz entscheidend, mit einer positiven affektiven Beteiligung der lernenden Kinder zusammenhängt. Das Lernen beruht auf der Mustererkennung. Es bringt also nichts, Kinder Regeln auswendig lernen zu lassen. Sie brauchen sinnvolle Beispiele, auf die Regeln kommen sie dann von selbst. Ein sehr gutes Beispiel für diese Mustererkennung, lässt sich z.B. im Marburger LRS-Training finden. Auch im LRS-Programm von Carola Reuter Lier wird verstärkt mit der Wiedererkennung von Mustern gearbeitet. Eine wichtige Aufgabe in der Lernförderung muss es sein, durch Wiederholungen und durch verstärktes Aufgreifen bereits bekannter Zusammenhänge, solche neuronalen Prozesse der gehirn-gerechten Verarbeitung zu nutzen. Kürzere aber häufigere Übungsformen sind dabei viel wirkungsvoller, als eine lange Übung. Bekanntes wird immer wieder angesprochen und in den Aufmerksamkeitshorizont gebracht.
Neurophysiologie und Neurobiologie haben fundierte Einblicke in die Arbeitsweise unseres Gehirns erbracht als je zuvor. Vieles davon ist für Lernen und Lehren von großer Bedeutung.
„Die meisten Kinder sind weder „doof“ noch unbegabt. Aber zu viele leiden unter einem gehirn-feindlichen System!“ (Vera F. Birkenbihl 2004)

Unser heutiges Wissen beruht auf der Vernetzung und der Intensität unserer neuronalen Verbindungen.
Lernen mit Nachhaltigkeit entsteht durch kontinuierliche Sinn -, Relevanz -, Struktur und Mustererkennung.
Durch Parallelverarbeitung im Gehirn entstehen neuronale Landkarten, die solche Mustererkennungen darstellen.

Unsere neuronalen Netze sind „plastisch“; sie lassen sich verändern und entwickeln, bis ins hohe Alter. Genau das sollte einer der wichtigen Grundgedanken für die Lernbegleitung in der integrativen Arbeit mit Kindern sein. Wegführend von der leider häufigen Stigmatisierung der Kinder mit ihren Lernschwierigkeiten. Als Stigmatisierung wird u. a. eine Zuschreibung negativer Eigenschaften bezeichnet, die bei den Betroffenen zu einer Diskriminierung führen können. Somit sind meist Randgruppen betroffen, die gemeinsame negativ gewertete Merkmale haben, durch die sie von anderen Mitgliedern der Gesellschaft unterschieden werden. Es entsteht ein Teufelskreis für die Kinder und die betroffenen Eltern: Randgruppen werden stigmatisiert, Stigmatisierung führt zu Ausgrenzung und Randgruppenbildung. Ein deutliches Beispiel ist das AD(H)S-Kind, dem in den Regelschulen oft wenig Verständnis und Unterstützung zu Teil wird. Dem gilt es in der Arbeit als Eltern/Kind-Begleiter in der Lernförderung entgegen zu wirken. Wir sollten Eltern und Kindern Mut zu machen, ihnen andere hilfreiche Wege aufzuzeigen und sie in ihrer individuellen Persönlichkeits-Entwicklung begleiten und vor allem stärken.
Für die Kinder bedeutet das in meiner eigenen lerntherapeutischen Sichtweise: Ich tue etwas, weil ich davon überzeugt bin, das Ergebnis zu erreichen, dass wenn ich es erreiche, ich es war, die oder der es geschafft hat. Schon das ich es überhaupt probiert habe ist ein positives Ergebnis. Das nächste Mal mache ich es besser. Ich korrigiere meine Handlungsschritte, ich überprüfe, ich werde besser, ich traue mir mehr zu. Ich kann auch Misserfolge aushalten, schlicht: Ich kann mich entwickeln, reifer werden.

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