Erfahrungen mit der Leserechtschreibschwäche/Legasthenie

Erfahrungen mit der Lese-Rechtschreibschäche/Legasthenie

Gute Erfahrungen habe ich sowohl mit Übungen gemacht, die sich am Symptom orientieren als auch mit Übungen, die kompensatorisch wirken. Meist wird eine Kombination beider Verfahren angestrebt.
Ziel eines jeden LRS-Trainings ist zunächst die Entwicklung einer stabilen Phonem-Graphem-Korrespondenz. Zuordnungsspiele sind dabei eindeutig die beste Form, Kinder zum Lernen zu animieren. Als empfehlenswert haben sich auch Übungen zur akustischen und optischen Gliederung von Wörtern erwiesen: Hierzu zählen Übungen wie die Phonemsegmentierung, Silbierendes Lesen oder Silbenklatschen.

Einfache Hilfen wie z.B. das Abdecken der bereits gelesenen Silben mit einem Lesezeichen erleichtern die Konzentration, schulen den Blick und verhindern Umstellungsfehler. Auch Übungen zur Schulung der phonologischen Bewusstheit (Reim- und Aliterationsaufgaben, aber auch Anlautisolierungsaufgaben [„K-laus“]) haben sich bestens bewährt.

Bei Übungen zur Verbesserung der Lautdiskriminierung (legasthene Kinder haben oftmals Schwierigkeiten in der Unterscheidung von b-p, g-k, w-f, d-t und s-z) haben sich bei Lautdifferenzierungsübungen neben akustischen Verfahren (z.B. akustisches Schwellentraining, Sensibilisierungstraining) auch visuelles Material (z.B. farbige Markierungen zur Kodierung und für die Unterscheidung von Vokalen) bewährt.

Übungen zu Signalgruppen wirken kompensatorisch. Das Einprägen fester, besonders häufig vorkommender Gruppierungen (besonders Konsonantenhäufungen) erhöht die Benennungssicherheit und damit die Geschwindigkeit beim Lesen infolge der geringeren Anzahl zu entziffernder Chunks. Auch Umstellungsfehlern wird auf diese Weise vorgebeugt.
Ganz wichtig ist darauf hinzuweisen, dass neben sinnhaftem Wortmaterial auch sinnleeres Material (Nicht- und Pseudowörter) im Training zum Einsatz kommen sollte.

Gerade hier erweist sich ein Training als wirklich effektiv: Hat ein Kind eine Phonem-Graphemkorrenspondenz bzw. die Regelhaftigkeit der Sprache tatsächlich internalisiert ? Wenn Wörter und Nichtwörter verwendet werden, sollte auch auf Reihenfolgeeffekte geachtet werden: Ein Kind, das das Alphabet beherrscht, muss noch lange nicht alle Buchstaben wirklich kennen. Womöglich wurden nur bestimmte Abfolgen gelernt und nicht sichere Zuordnungen hergestellt.
Als ineffektiv haben sich Aufgaben herausgestellt, die die visuelle Reproduktion von Wörtern, Wortbausteinen oder Sätzen fordern. PC-Programme, die z.B. Ähnlichkeiten suchen lassen oder das Abschreiben verlangen sind überflüssig, da die ohnehin ausgeprägte Neigung, Wörter zu kopieren, gefördert wird.

LRS-Kinder lernen ganze Textpassagen nach visuellen Gestaltmerkmalen auswendig, sind aber nicht in der Lage, Wörter nach phonologischen Gesichtspunkten zu reproduzieren. Das Einprägen visueller Muster / Wörter ist bei diesen Kindern ungeeignet, da die Übersetzung visueller Muster in Lautmuster unterbleibt. Ein Transfer auf neue, wenngleich regelmäßige Wörter fällt sehr schwer. Da betroffene Kinder jedoch viel Spass gerade bei diesen Übungen zeigen, können derartige Aufgaben gut als motivierende Zwischenübungen eingesetzt werden.

Merkblätter sollten allenfalls unterstützend eingesetzt werden, nicht aber Grundlage eines Trainings darstellen. Auch Übungen, die die visuelle Suche schulen, Halbbilddarstellungen oder Spiegelschrift enthalten, sind wenig sinnvoll. Sie bieten lediglich einen gewissen Unterhaltungswert und führen zu Verwirrungen.

© by Manuela Sigl

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