Eine Storchengeschichte

Schrobenhausen 1
 
Schrobenhausen 2

In Bayern gibt es zur Zeit 183 Storchpaare, davon in unserer Region einige in Karlshuld, Schrobenhausen, Hörzhausen, Gablingen, Pfaffenhofen, Pornach, Baiern und Pöttmes. Nach neuesten Nachrichten haben aber von diesen Paaren nur sehr wenige Jungstörche überlebt, was primär aber eher daher kam, dass es im Juni einmal zu kalt und an anderen Tagen viel zu heiß war und die Tiere eingegangen sind.
Der Allesfresser Storch vertilgt Frösche, Mäuse, Eidechsen, Schlangen, Insekten und Larven, sowie auch Aas. Der Nahrungsbedarf pro Tag sind in einer Storchfamilie mit drei jungen etwa gute vier Kilo, das sind im Laufe der Saison immerhin circa fünf Zentner. Er bevorzugt offene Landschaften, feucht sumpfige Wiesen und Tümpel und benötigt ein Nahrungsreservoir von circa 4 km. Ob, oder wie viele der jungen Störche erwachsen werden, hängt allerdings primär mit dem Angebot des Futters in der umgebenden Region ab. In Aichach haben es sich die Störche scheinbar aber dieses Jahr einmal wieder gut überlegt, ob es für sie hier überhaupt einen Sinn macht, sich nieder zu lassen. Also, was benötigt so ein Storch, weil er ja nicht in der Lage ist, selber zum Discounter zu gehen. Wichtig ist die genügende Horstnähe der nicht zu intensiv genutzten Wiesen, mit einer gewissen Ruhe und Ungestörtheit. Zwar befinden sich hier gerade in Flugplatznähe einige große Wiesen, allerdings sind diese etwas zu unruhig und zum Teil verhältnismäßig artenarm an Blumen und Kräutern, was sich in der auch für den Storch wichtigen Insektenfauna negativ zu Buche schlägt. Von einem Fluss, wie der Paar, hat er auch nicht viel, denn die Fließdynamik ist zu stark, die Ufer zu steil und das Wasser zu tief. Geschützte Flussrandbereiche mit Wiesen und Tümpeln wären auch hier ideal, werden aber immer noch nicht vom Gesetzgeber in ausreichender Breite angeboten. So fehlen in unserer Region auch die entsprechenden Teiche mit geeigneter Wassertiefe, sowie genügend Überschwemmungsflächen. Auch einfache offene Wassergräben sind nicht mehr genug vorhanden, da viele bereits verrohrt und in Drainagesysteme eingebunden sind. Was also bleibt dem Storch für sein Nahrungsangebot? Genau genommen im Moment meist noch zu wenig. Und was nutzt es uns, Störche anzulocken, wenn die Grundlagen für diese nicht stimmen. Selbst wenn sie hier brüten würden, wäre die Gefahr groß, die Jungen nicht ausreichend ernähren zu können. Sicher haben wir eine sehr schöne Landschaft um Aichach, aber aus storchenspezivischer Sicht ist eben nicht alles so stimmig wie wir meinen. Und nebenbei, warum soll es dem Storch besser gehen als dem Biber. Es ist eben so, dass wenn wir diese Tiere haben wollen, wir deren Bedürfnisse gerecht werden und diese auch mit ihnen teilen müssen. Nachhaltig und lebendig kann nur eine Landschaft und die Natur bestehen, wenn der Mensch sensibel bleibt und jedem Teil seinen Raum erhält. Die Erde und die Natur braucht den Menschen nicht, umgedreht aber doch.
Sicher wäre es sehr schön, wieder Störche in Aichach zu haben, und man sollte es weiter versuchen, diese schönen Tiere zu unterstützen und zu erhalten.
Auf den Fotos sehen wir die Störche von Pöttmes und Schrobenhausen, so wie das vorbereitete, aber leider nicht angenommene Storchnest auf dem oberen Tor in Aichach.

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