Aktion der Kreisverkehrswacht für Junge Fahrer: "BOB im Disco-Fieber"

  Aichach (hbe) Die am meisten gefährdeten und zugleich gefährlichsten Verkehrsteilnehmer sind junge Fahrer, die nach wie überproportional am Unfallgeschehen beteiligt sind. Um diesem Trend entgegenzuwirken organisierte die Kreisverkehrswacht Aichach-Friedberg einen öffentlichen Verkehrssicherheitstag auf dem Schulgelände der Realschule in Aichach um die Schülerinnen und Schüler weiter auf die im Straßenverkehr lauernden Gefahren zu sensibilisieren. Mit verschiedenen Aktionselementen aus dem DVW-Bundesprogramm “Aktion junge Fahrer“ standen an diesem Vormittag auch die Vermeidungsstrategien im Zusammenhang mit der Präventionskampagne „BOB im Disco-Fieber“ im Mittelpunkt. Ziel dieser gemeinsamen Präventionsveranstaltung der KVW im Zusammenwirken mit der Aichacher Polizei, der Freiwilligen Feuerwehr Aichach, dem Aichacher BRK und der Notfallseelsorge ist durch die verschiedenen Beiträge aus der Praxis eine gewisse Nachhaltigkeit bei den jungen Leuten zu erreichen. Schulleiter Detlef Kraze stimmte seinen Schülerinnen und Schüler auf diese besondere Veranstaltung ein, ehe Helmut Beck als Vorsitzender der Kreisverkehrswacht die über 170 jungen Leute mit den Zielvorstellungen konfrontierte. Ausgangspunkt vieler schweren Verkehrsunfälle mit zum Teil tödlichem Ausgang ist meist die nächtliche Heimfahrt nach einem Diskobesuch oder einer Party mit Freunden. Mit Alkohol oder Drogen im Blut und in aufgereizter Stimmung vermindert sich die Fähigkeit, Geschwindigkeiten und Situationen realistisch einschätzen zu können. Besonders gefährdet sind hier auch die Beifahrer, zumeist junge Frauen, die bei Unfallfahrten häufig ums Leben kommen. Mit dem Filmbeitrag „Warum…!“ wurde an diesem Vormittag die zum Teil ausgelassene Stimmung jäh unterbrochen. Der Film „Warum…“ zeigt das Trinkverhalten eines Jugendlichen in der Disco mit der anschließenden Heimfahrt mit seiner Begleiterin, aufgeputscht und fahruntauglich durch den vielen Alkohol. Die Fahrt endet für die Begleiterin tödlich an einem Baum. Diese schreckliche Erfahrung musste auch die Polizistin Carin Beck machen, die mit viel Gefühl über ihre schockierenden Erlebnissen als Schichtbeamtin erzählt. Das was im Film nachgestellt wurde, kann sehr schnell traurige Realität werden, berichtet die Polizeihauptmeisterin und schildert die verheerenden Bilder, die man als Einsatzkraft an der Unfallstelle zu sehen bekommt. Ihre Schilderungen aus eigener Erfahrung sorgte für große Betroffenheit. Mit derartigen tragischen Unfällen mit jungen Leuten ändert sich einer Familie schlagartig alles, so Carin Beck, denn von jetzt auf dann ist nichts mehr so, wie es einmal war. Die Unfallaufnahme, die Rekonstruktion und die juristische Aufarbeitung wird dann zur Nebensache. Auch Mario Pettinger, Leiter der Rot-Kreuz-Bereitschaft in Aichach, wusste aus vielen Jahren Einsatzerfahrung, dass es bei derartigen tödlichen Verkehrsunfällen keine „Reset“-Taste mehr gibt.
Der BRK`ler schildert seine Handgriffe, wenn er als erster an einen Unfall kommt. Schnelles Handeln ist angesagt und vielfach werden Sekunden zu Stunden, wenn es um die Rettung verletzter Personen gehe, so Mario Pettinger, der nahezu bei allen schweren Disco-Unfällen der letzten Jahre mit vor Ort war. Derartige schwere Disco-Unfälle treffen auch die erfahrensten Einsatzkräfte oft in Mark und Bein, berichtete Werner Mayer von der Freiwilligen Feuerwehr Aichach. Die schrecklichen Bilder, die unsäglichen Eindrücke, die man an der Unfallstelle bekommt, „brennen sich regelrecht in die Köpfe“ und sind immer wieder präsent, so der erfahrene Feuerwehrmann, der über viele Jahre Einsatzleben zurückblicken kann. Wenn wir mit oft mit Rettungsschere die jungen Leute aus den Fahrzeugen herausschneiden müssen, da „geht es keinem von uns gut“. Deshalb ist unser gemeinsames Bestreben, die schrecklichen Vorfälle zu vermeiden. Große Stille herrschte auch, als Pfarrer Werner Last von der Notfallseelsorge über seinen Auftrag und seinen Einsatz berichtet, wenn er von der Polizei zu solchen außergewöhnlichen Unfällen gerufen wird. Der Gang zu einer Familie mit der Polizei, um eine Todesnachricht zu überbringen ist für alle sehr belastend. In dieser Stunde der Not, wenn das Abschiednehmen eines nahen Angehörigen bevorsteht, kann ein Pfarrer bei der Betreuung von Angehörigen nur seinen Beistand anbieten. Durch die „Wucht der Grausamkeit“ erleben wir oft den Schock, die Schreie, das Weinen, vielfach seien die Menschen unfähig, emotionale Reaktionen zu zeigen, so der Pfarrer. Auf die oft in dieser Situation gestellte Frage „Warum?“ kann man keine Antwort geben. Zwischendurch wurden immer wieder nachdenkliche Filme mit emotonal wirkenden Hintergrund gezeigt, die die Jugendlichen ebenfalls zum Nachdenken anregten. Im Pausenhof fand dann die moderierte Unfalldemonstration mit Praxisbezug statt. Mit Martinshorn und Blaulichtgewitter näherten sich dann die Einsatzfahrzeuge von Polizei, Feuerwehr und BRK zu einem nachgestellten Disco-Unfall. Dabei konnten die Jugendlichen und Interessierten Personen erfahren, welcher Aufwand nach solch schweren Unfällen betrieben werden muss, um verletzte Menschen zu retten oder Getötete zu bergen. Fachgerecht wurde das „Unfallfahrzeug“ mit Rettungsschere so geöffnet, dass die „unfallgeschminkten Verletzten“, zwei Schüler der Realschule, schonend von Feuerwehr und Sanitätern befreit werden konnten. „So etwas möchten wir nicht nochmal erleben“, berichten die beiden „Unfallopfer“, die aus dem Fahrzeug geschnitten worden sind. Die Botschaft „Übernimm Verantwortung, wir brauchen dich auch morgen!“ hat wohl die jungen Leute erreicht.
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