„Es ist nicht alles schwarz und weiß.“ – Kapitänleutnant d.R. Stefan Paulsen berichtet über internationale Großmanöver an der Ostsee

Felix Schuermann präsentiert die Spendenaktion.
 
Stefan Paulsen wohnt an der Ostsee und arbeitet hauptberuflich als Referent im Bundesministerium für Gesundheit in Berlin.
Sehr gut angenommene Reservistenveranstaltung in Wathlingen
„Es ist nicht alles schwarz und weiß.“ Mit diesen Worten beschreibt Stefan Paulsen, der als Presseoffizier an Manövern der Marine auf der Ostsee teilgenommen hat, die dortigen Übungsszenarien. In den reellen Konflikten sei dies genauso.
Das Großmanöver „Northern Coasts“ – auf Deutsch: Nördliche Küsten – findet jedes Jahr im Herbst auf der Ostsee statt. In diesem Jahr soll es im September stattfinden und wird von Dänemark organisiert. Stefan Paulsen hat bereits dreimal an dieser multinationalen Veranstaltung teilgenommen und jedes Mal besondere Eindrücke mit nach Hause gebracht. Darüber hat er nun in einem kurzweiligen Vortrag im vierG in Wathlingen referiert.
Eingeladen hatte die Reservistenkameradschaft Wathlingen, der Vortragsraum war bis an den Rand gefüllt. Organisator Felix Schuermann sprach bei der Einführung den Benefizcharakter der Veranstaltung an. Aus einer Sammelaktion, die am Ende stolze 300 Euro erbrachte, sollte die 16-jährige Sara-Marie bedacht werden, die soeben Vollwaise geworden ist und der nun beispielsweise ein Kurzurlaub oder Zoobesuch ermöglicht werden soll.
Internationale Konfliktverhütung und Krisenbewältigung sind die übergeordneten Ziele des Großmanövers „Northern Coasts“. Das Thema ist aktueller denn je. 2015 hatte Deutschland die Leitung dieser internationalen Übung auf und an der Ostsee. Kanada, Lettland, England, Polen, Portugal ... – insgesamt 16 Nationen – beteiligten sich. Über 3600 Soldaten, davon fast 1000 aus Deutschland, übten die Zusammenarbeit.
Der Referent, Kapitänleutnant d. R. Stefan Paulsen, ist studierter Politikwissenschaftler und war bis Januar 2012 Zeitsoldat bei der Deutschen Marine. Seitdem ist er beim Presse- und Informationszentrum im Marinekommando in Rostock beordert und hat zahlreiche Wehrübungen absolviert, so unter anderem auch „Northern Coasts“ 2013 bis 2015.
2013 war Paulsen in Schweden dabei. Als besonders eindrucksvoll empfand er die Luftlande- und Evakuierungsaktion „Schneller Adler“, die auf der Insel Gotland durchgeführt wurde. Er erlebte einen Einsatz der Kampfmittelbeseitiger und verfolgte, wie ein schwedisches Boarding-Team an Bord des Tenders „Elbe“ kam, um zur Übung Ladung und Besatzung zu kontrollieren.
2014 war Paulsen in Finnland. Die Zahl der Mitwirkenden war nahezu unverändert. „Sie sehen, die Teilnahme der Nationen ist stabil, die Anzahl der teilnehmenden Personen ebenfalls“, sagte er. Das Auslaufen erlebte er in Turku. Geübt wurde unter anderem das Abschleppen von Schiffen. Das sei ein „ganz anderer Schnack“ als das Abschleppen von Autos. „Es gibt ja auch so etwas wie Seegang“, so der Referent. Wieder verfolgte Stefan Paulsen den Einsatz der Kampfmittelbeseitiger. Dort war auch ein amerikanischer EOD-Trupp vor Ort, ein Räumungsteam für explosive Kampfmittel (EOD = Explosive Ordnance Disposal), der die einzigartige Gelegenheit erhielt, an Bord eines Chemikalientankers zu trainieren. Mit von der Partie war die Prominenz, indem der damalige finnische Verteidigungsminister, Carl Haglung von der Schwedischen Volkspartei, an Bord kam.
2015 wurde „Northern Coasts“ wieder von Deutschland organisiert und vom Übungsstab in der Außenstelle des Marinekommandos im schleswig-holsteinischen Glücksburg koordiniert. Das Trainingsgebiet erstreckte sich über die mittlere und westliche Ostsee, die drei Meeresengen zur Nordsee bei Dänemark sowie über Kattegat und Skagerrak. Diesmal waren Soldaten und Soldatinnen aus 16 Nationen beteiligt. Im dänischen Frederikshavn legte der Verband ab, und im Raum Eckernförde kamen auch wieder Kampfmittelbeseitiger zum Einsatz. „Es gab auch zahlreiche Herausforderungen, wie zum Beispiel Aggressoren, Flüchtlinge und ethnische Minderheiten“, so Referent Paulsen. Und, ganz nett: Flottillenadmiral Georg von Maltzan, begeisterter Twingo-Fahrer, musste die Maßnahmen nach einem Sprengstofffund am eigenen Auto erdulden.
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