The Mamas and The Papas spielten vor 50 Jahren „California Dreamin’“ ein

Die 1965er-Single „California Dreamin’“ bedeutete den Durchbruch für The Mamas and The Papas.
 
The Mamas and The Papas in der „The Ed Sullivan Show“, 14. Juli 1968. Von links: Michelle Phillips, Cass Elliot, Denny Doherty, John Phillips. (Foto: CBS Television/gemeinfrei)

„California Dreamin’“ von der US-amerikanischen Vocal-Musikgruppe The Mamas and The Papas zählt zu den größten Klassikern der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts. Dass der Titel, Single Nummer zwei der noch jungen Band, gleich zum Millionenschlager wurde, hatte sich im Vorhinein wohl keiner der Beteiligten vorgestellt. Laut.de schreibt: „’California Dreamin’ ist einer jener Songs, die – obwohl bereits 1965 erschienen – stets als Beispiel für den musikalischen Zeitgeist der Ära um den berühmten amerikanischen ‚Summer of Love’ des Jahres 1968 herhalten müssen. Die vier Künstler der Band The Mamas and The Papas gelten als herausragende Künstler jener die Pop-Kultur nachhaltig prägenden Flower-Power-Tage.“

Vor 50 Jahren, im Oktober 1965, sang das Quartett den Titel „California Dreamin’“, mit dem es zu Weltruhm gelangen sollte, erstmals im Tonstudio ein, zunächst aber noch als Backgroundgesang. Damals unterstützten die Mamas & Papas als Komponisten- und Backgroundband den Chartstürmer Barry McGuire bei den Aufnahmen für sein „This Precious Time“-Album. Direkt im Anschluss tauschten sie McGuires Gesang gegen den eigenen aus, und das Ergebnis markierte den Start einer Traumkarriere.
The Mamas and The Papas waren eigentlich eine Band der sechziger Jahre unter vielen. Sie bestanden gerade einmal vier Jahre, von 1965 bis 1968, und waren Teil einer Musikbewegung, die man heute noch vielfach als „Flower Power“ bezeichnet. Sie lieferten mit „Monday, Monday“ und „California Dreamin’“ zwei Ohrwürmer, die noch heute tagtäglich von nahezu allen Musiksendern gespielt werden, bei denen „Oldies“ ihre Berechtigung haben. Von vier Musikern der Erfolgsband lebt heute gerade noch eine der beiden Sängerinnen.

Experimentelle Verschnaufpause in der Karibik

Der Startschuss der Band war erst wenige Wochen zuvor, im Sommer 1965, auf den Jungferninseln in der Karibik gefallen, wo John und Michelle Phillips und Denny Doherty eine experimentelle Verschnaufpause nach ihrer Arbeit bei The New Journeymen einlegten. Cass Elliot (Mama Cass) war dort – nach anfänglichem Zögern John Phillips’ – die Mitarbeit in der angestrebten neuen Band angeboten.
Nach ihrer Rückkehr gingen die Musiker mit dem neuen Namen „The Mamas and The Papas“ mit dem wenigen Geld, das sie durch Glücksspiel gewonnen hatten, nach Los Angeles. Sie begegneten zufällig Barry McGuire, dem 1935 in Oklahoma geborenen Folkrock-Sänger, der mit The New Christy Minstrels erfolgreich war und dessen Label, Dunhill Records, ein paar Monate zuvor von Produzent Lou Adler und einigen Geschäftspartnern ins Leben gerufen worden war. McGuire hatte gerade Platz 1 der Hitparaden mit dem Protestsong „Eve of Destruction“ erklommen.
Barry McGuire wollte sein neues Album aufnehmen, und er führte The Mamas and The Papas zu Lou Adler, die er gerne als Session-Band einsetzen wollte. John Phillips spielte zudem so gut Gitarre, um als Studiomusiker eingesetzt zu werden.
Das Album, das sie Ende 1965 aufnahmen und das den Titel „This Precious Time“ tragen sollte, enthielt die Urversion von „California Dreamin’“, mit dem Leadgesang von McGuire und den Mamas & Papas im Background. John Phillips hatte den von ihm im Winter 1963/64 in New York verfassten Titel für den McGuire-Longplayer angeboten.
Michelle Phillips erinnerte sich an die vielleicht in 30 Minuten entstandene Komposition des Liedes als eine Art Geistesblitz ihres Ehemannes John. Beide lebten 1963 in New York, im Albert Hotel, unweit vom Washington Square Park. „Es war eine Absteige“, sagte sie. „Ich hatte noch nie Schnee gesehen, ich war noch nie an der Ostküste. Ich fühlte mich elend.“ An einem stürmischen Tag schlenderte das Paar durch die Marmortürme der St. Patrick’s Cathedral. Michelle Phillips war neugierig, ging in die Kathedrale, ihr Ehemann, der mit sieben Jahren in eine kirchliche Schule geschickt worden war, blieb draußen. Dennoch bekam dieser zufällige Moment ein paar Wochen später eine neue Bedeutung. Mitten in der Nacht weckte der damals 28 Jahre alte John Phillips seine Frau auf. Er hatte die Gitarre in der Hand.

„Er hatte zweifellos ein paar Bennies genommen.“

Michelle Phillips: „Er hatte zweifellos ein paar Bennies genommen. Ich wollte wieder einschlafen, aber er sagte, ich würde es ihm eines Tages danken, wenn ich mit ihm daran arbeiten würde.“ Ein paar Jahre später wurde aus diesem Late-Night-Fragment das eindrucksvolle Pop-Meisterwerk „California Dreamin’“, in dem es heißen sollte: „All the leaves are brown and the sky is gray, I’ve been for a walk on a winter’s day. I’d be safe and warm if I was in L.A.; California dreamin’ on such a winter’s day. Stopped in to a church I passed along the way. Well I got down on my knees and I pretend to pray. You know the preacher liked the cold; he knows I’m gonna stay. California dreamin’ on such a winter’s day. All the leaves are brown and the sky is gray. I’ve been for a walk on a winter’s day. If I didn't tell her I could leave today.“
Der heute 81 Jahre alte Produzent und Labelinhaber Lou Adler war von den stimmlichen Fähigkeiten des Quartetts sofort überzeugt: „Das ist wohl das Gefühl, welches George Martin gehabt haben muss, als er erstmals die Beatles hörte“, sagte er und nahm sie zum 1. Oktober 1965 bei Dunhill unter Vertrag.
Barry McGuire erinnerte sich: „Und dann kamen die Mamas & Papas nach Kalifornien, und sie suchten nach einer Plattenfirma. Und ich kannte Cass und Denny wirklich gut, und sie riefen mich tatsächlich an und fragten, ob ich jemanden wüsste, der sie aufnehmen könnte. Und ich sagte, na ja, Lou Adler, ich werde euch zu ihm bringen. Also ging ich eines Nachts zu deren Haus, um zu hören, was sie taten. Sie bügelte, und John und Michelle und Denny saßen auf dem Boden. Wir saßen aus irgendwelchen Gründen damals nie auf Stühlen. Und sie fingen an zu singen, und es haute mich nur um. „Well, wait’ll Lou hears this.“ (Nun warte, bis Lou dies hört.) Also hatte ich ein paar Tage später eine Aufnahme-Session. Lou war überwältigt. Sie machten die Backup-Vocals auf diesem Album.“
Ihr Vokalstil war geprägt durch „Close Harmony“-Stimmen und Kontrapunkt-Gesang, den sie als Hintergrundchor für Barry McGuires Interpretation von „California Dreamin’“ einsetzten. Die Aufnahmen mit Toningenieur Dayton „Bones“ Howe, damals 32 Jahre alt, entstanden im Oktober 1965 in Studio 3 der Western Recorders-Tonstudios (heutiges „Ocean Way“) in Los Angeles. Die Instrumentalparts stammten von einer festen Gruppe von erfahrenen Studiomusikern: Gitarrist Phil „Flip“ (P. F.) Sloan, Keyboarder Larry Knechtel, Bassist Joe Osborn, Peter Pilafian (elektrische Violine) und Schlagzeuger Hal Blaine. Osborn und Blaine gehörten zu einer Gruppe von Studiomusikern, die in der Fachwelt als „Wrecking Crew“ bekannt war und die bei fast allen M&P-Aufnahmen engagiert wurden. Das Mundharmonika-Solo spielte Barry McGuire.

„Natürlich, du hast den Song ja geschrieben.“

John Phillips fragte nach der Aufnahmesession, ob seine Mamas & Papas den Song auch veröffentlichen dürften, worauf McGuire erwidert haben soll: „Natürlich, du hast den Song ja geschrieben.“ Daraufhin sei entschieden worden, dass nicht „California Dreamin’“ die Nachfolgesingle Barry McGuires von „Eve of Destruction“ werden sollte, sondern „This precious Time“. So kam es auch. Die Single „This Precious Time“, mit dem Hintergrundgesang von den Mamas & Papas, wurde im November 1965 von Dunhill veröffentlicht, sie schaffte es aber nicht in die Single-Charts.
Mit den Mamas & Papas wurde „California Dreamin’“ nicht vollständig neu produziert, sondern man verwandte die im Oktober 1965 mit Barry McGuire entstandene und von Lou Adler produzierte Masteraufnahme. Hieran wurden am Aufnahmetag 4. November 1965 lediglich zwei Veränderungen vorgenommen. Barry McGuires Gesangsspur wurde durch Denny Dohertys Leadgesang (eine Oktave höher) ersetzt, anstatt des Mundharmonika-Solos wurde ein jazzig improvisiertes Altquerflötensolo vom eigens eingeflogenen Altsaxophonisten und Flötisten Clifford „Bud“ Shank (1926-2009) eingefügt, das mit seiner Dauer von 33 Sekunden zu einem der bekanntesten Flötensolos der Rockmusik avancierte. Beim genauen Hinhören erkennt man noch die Stimme von Barry McGuire, die nicht ganz gelöscht werden konnte, wodurch auf dem linken Kanal zu Beginn des Liedes die Passage „All the leaves are brown“ zu hören ist. Auch Reste des Harmonika-Solos konnten auf der Vierspuraufnahme nicht vollständig beseitigt werden. Es verblieb beim markanten Intro zweier Akustik-Gitarren (eine 12-Saiten-Gitarre, gespielt von John Phillips, und eine 6-Saiten-Gitarre von P. F. Sloan) in a-Moll. Gesang und Instrumentation wurden wie folgt auf die vier Tonspuren der Ampex 300 aufgeteilt: Spur 1 (Mädchenstimmen), Spur 2 (Gitarren und Piano), Spur 3 (Männerstimmen) und Spur 4 (Bass und Schlagzeug).
Kurz vor der Veröffentlichung von „California Dreamin’“ hatte die Band ihre erste Single, „Go where you wanna go“, in limitierter Auflage bei Dunhill Records veröffentlicht, sie schaffte es aber nicht in die Charts.
Mit der gleichen B-Seite, „Somebody groovy“, erschien unmittelbar danach noch im November 1965 „California Dreamin’“, der Auftakt zu einer Reihe von Hits, unter anderem „Monday, Monday“, „Go where you wanna go“ und „Dedicated to the One I love“. Er landete in den US-Charts am 12. März 1966 auf Platz 4 und in den UK-Charts auf Platz 23. In Deutschland stieg der Titel am 16. Mai 1966 in die Charts ein, schaffte es nur bis Platz 31 und hielt sich insgesamt drei Wochen.
Seit 1965 haben den Song Dutzende Künstler nachgesungen und nachgespielt, darunter The Beach Boys, The Carpenters und The Seekers. Deutsche Hörer missverstanden den Beginn des Textes („All the leaves are brown“) als „Anneliese Braun“. Der Verhörer wurde zum Klassiker.

Neues Buch zur Erfolgsgeschichte der Mamas & Papas

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